Prince’s Golf Resort: Dünen, Sand und Links-Golf
Manche Golfrunden sind magisch. Wer frühmorgens oder spätnachmittags im Prince’s Golf Club an der Küste von Kent eine Runde spielt und irgendwann an den Küstenlöchern ankommt, lernt den Reiz erstklassiger Linkskurse kennen. Auf der einen Seite Dünen und Meer, der Wind mit seinen lauten Geräuschen, die salzige Luft und dazu ein anspruchsvolles Golfloch, das sich vor Dir – versteckt zwischen Strandhafer und vielfältigem Rough – ausbreitet. So verbindet sich erstklassiges Golf mit einem herausragenden Naturerlebnis.
Open Qualifying Course
Prince’s Golf, ein Resort mit 27 Löchern, das 2021 nach einer mehr als dreijährigen Umbauphase wieder eröffnet wurde, ist ein besonderes Ziel für all‘ jene, die den Sommer für einen kurzen Ausflug von Europas Festland mit der Fähre oder durch den Euro-Tunnel Richtung England nutzen wollen. Keine Viertelstunde Fahrtzeit vom Open Championship-Platz Royal St. George’s entfernt, ist Prince’s die Linksgolfvariante, die auch für Greenfeegäste und Urlauber problemlos buchbar ist. Ein kleines Hotel mit Appartements und Zimmern ist angeschlossen, die Klasse des Golfplatzes ist nach dessen Renovierung unbestritten. 2027 zählt die Anlage, die mit einem Greenfee zwischen 100 und 215 Pfund pro Runde deutlich preisgünstiger ist als Royal St. George’s, erneut zu den Qualifying Courses von The Open.
Wer sich einen Eindruck verschaffen will, wie man eine Dünenlandschaft wieder zum Leben erwecken will, ist hier an der richtigen Stelle. Auf der 27-Löcher-Anlage wurden im Rahmen des Umbaus alle untypischen Büsche und Sträucher entfernt und zahlreiche neue Sandflächen zwischen den Löchern angelegt. Diese sind dabei nicht als klassische Bunker gehalten, sondern stellen großzügige, wilde Sandflächen dar.
Sand spielt im Nachhaltigkeitskonzept des Golfclubs, der auch von GEO zertifiziert ist, eine wesentliche Rolle. „Wir heben den Sand an diesen Spielflächen aus, sieben ihn und verwenden ihn dann an anderen Stellen des Platzes wieder“, erläutert Course-Manager Aaron Launchbury. Das Projekt findet in Absprache mit Natural England statt. In den Roughflächen wachsen invasive Arten immer wieder nach, müssen beseitigt werden. „Indem wir das tun, schaffen wir neue Dünenmulden und sandige Bereiche. Sand Scrapes nennen Fachleute diese Bereiche. Das Naturmaterial Sand ist also Teil eines ökologischen, geschlossenen Kreislaufs. Sandbewegung, temporäre Überflutungen und natürliche Sukzession sollen wieder stärker wirksam werden. So entstehen in den neu geschaffenen Senken im Winter feuchte Mikrohabitate, während sie im Sommer austrocknen und nährstoffarme Standorte für spezialisierte Arten bieten.
Die Dünenlandschaften der Sandwich Bay, entstanden überwiegend nach der letzten Eiszeit vor 6.000 bis 10.000 Jahren, profitieren davon. Entlang des Prince’s Golf Clubs findet sich ein hochdynamisches Küstenökosystem aus Dünen, Feuchtmulden und offenen Sandflächen, in dem sich Sportinfrastruktur und Biodiversität überlagern.
Im Rahmen eines Monitoring-Projektes zur Biodiversität auf Golfplätzen, das vom R&A in St. Andrews beauftragt wurde, hat man in Prince’s zahlreiche typische Dünen- und Kalkzeigerpflanzen dokumentiert, darunter mehrere Orchideenarten wie die Pyramiden-Hundswurz, das Helm-Knabenkraut und die Herbst-Drehähre. Die Vielfalt an Pflanzen ist enorm: Strandhafer findet sich in den Dünen, diverse Heidearten tauchen auch in den neuen Sandflächen auf. Ein kleiner Lebensraum reiht sich an den anderen. Bei 134 Hektar Gesamtfläche bleiben allein 100 Hektar nur für Semirough und Roughbereiche. Das ganze Golfgelände ist wie die gesamte Dünenlandschaft ein Ort in Bewegung. Sandige und bewachsene Bereiche dehnen sich aus, fügen sich wieder neu zusammen. Ein faszinierendes Gebilde von lebendiger Naturlandschaft.
Dem Golfspieler, der sich dazwischen mit attraktiv ondulierten Grüns, einem guten Wechselspiel aus attraktiven Löchern und vor allem dem ständig wechselnden Wind beschäftigt, bleibt seine Golfrunde damit als Naturerlebnis im Gedächtnis. Nein, nur Natur verkaufen wolle man hier nicht, sagt Launchbury. Aber die Spieler nehmen das Naturerlebnis eben automatisch mit auf.
Dass hinter dem Golfplatz, der 2030 Schauplatz des Walker Cups sein wird, eine Infrastruktur liegt, die sich ebenfalls nach ständig höheren Anforderungen in Sachen Nachhaltigkeit richten muss, ist dem Golfer meist nicht bewusst. Speziell das in Großbritannien aber heikle Thema der Beregnung der Spielflächen ist hier erst einmal gelöst. Zum einen wird alles Wasser, dass in dem kleinen Hotel, der Lodge oder dem Clubhaus verwendet wird, nicht in die Kanalisation gepumpt, sondern gefiltert und dann in einen Speicherteich geleitet. Hier steht es genauso für die Beregnung zur Verfügung wie eine bestimmte Summe Wasser aus dem North Stream, der entlang der Küste verläuft.
Längst macht sich der Klimawandel auch hier bemerkbar: „Wir haben nassere und mildere Winter, wodurch der Krankheitsdruck wächst“, resümiert der Course Manager. “Außerdem wird dadurch mehr gespielt.“ Gleichzeitig fallen die Sommer häufiger trockener und wärmer aus, was eine möglichst effiziente Beregnung notwendig macht.
Heiße Tage kann man in Kent immer wieder erleben. Dann wird der Golfplätze von Prince’s zu einem besonderen Erlebnis. Auf den harten, trockenen Fairways laufen die Bälle schier endlos aus. So wie es sich eben auf klassischen Linksplätzen gehört. Die obligatorische Ballsuche im Strandhafer gehört dazu. Es ist ein Ausflug, den man nicht sofort verfluchen sollte. Bei genauerem Hinsehen, entdeckt man vielleicht die eine oder andere Art, die einen Botaniker in Begeisterung versetzen würde.
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Foto: ARD Ralf Wilschewski