»Die Kooperation mit der LBV-Ortsgruppe läuft hier ja bestens, das merkt man.« Dagmar Blacha, als Expertin des Landesbunds für Vogelschutz in Bayern für den Blühpakt Bayern engagiert, steht positiv überrascht vor einer großen Info-Tafel des Golfclubs Memmingen Gut Westerhart. Hier sind zahlreiche Nistpatenschaften aufgezeichnet, mit denen sich Mitglieder des Clubs für die Förderung der Biodiversität auf der Golfanlage durch die Finanzierung eines Nistkastens aus Holzbeton eingesetzt haben.
Die Spenden-Aktion ist einige Jahre alt, aber der GC Memmingen begleitet das Projekt kontinuierlich. Schließlich ist es mit dem Kauf und dem Aufhängen der Vogelhäuser nicht getan. »Die Nistkästen werden jedes Jahr ordentlich gereinigt, wir überprüfen, ob sie bewohnt waren«, erklärt Dr. Werner Eska, der zusammen mit einer kleinen Gruppe anderer Mitglieder ehrenamtlich diese Aufgabe übernommen hat. Auch die Fütterung der Vögel wird durch ein Mitglied erledigt. Am GC Memmingen zeigt sich, so stellt Blacha fest, wie stark das Thema Umwelt- und Naturschutz eben auch vom Engagement einzelner Mitgliedsgruppen abhängt.
Die Golfanlage, die sich auf ehemals landwirtschaftlichem Gelände in der Nähe der Autobahn Lindau befindet, punktet daneben vor allem auch mit ihren Wiesen, die biozertifiziert sind. Ein Problem mit der Abnahme des Heus habe man deshalb nicht, stellt Eska zufrieden fest. Biozertifiziertes Mahdgut, so der Hinweis von Blacha, sei besonders hochwertig und eigne sich auch für die Samenübertragung. Aus dem Mahdgut des GC Memmingen könnte also Saatgut für eine andere Fläche in der näheren Umgebung gewonnen werden.
Best-Practice-Tipps zum Thema Mahd, Hecken- und Wiesenpflege, dem richtigen Umgang mit Wasserbereichen oder Feuchtbiotopen sind ein wesentliches Merkmal der Betreuung von Golfanlagen im Rahmen des Blühpakt Bayern. Mit dem Projekt verfolgt die Bayerische Staatsregierung seit 2018 das Ziel, dem Rückgang der Artenvielfalt entgegenzuwirken und insbesondere die Lebensbedingungen für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten nachhaltig zu verbessern. Getragen wird die Initiative vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Erster Partner der sogenannten Blühpakt-Allianz war der Bayerische Golfverband. Gemeinsam will man dafür sorgen, dass nicht nur neue Blühflächen angelegt werden, sondern dass die ökologische Aufwertung der Flächen vor allem dauerhaft ist.
Dabei spielt gerade die fachgerechte Pflege naturnaher Flächen eine wichtige Rolle. Hier übernimmt der Landesbund für Vogelschutz bei allen neuen Golfanlagen eine kostenlose Erstberatung und vermittelt wichtige Tipps zum richtigen Umgang mit den Wiesen, Gehölzen oder auch Wasserbereichen. Sie können bei richtiger Pflege wertvolle Trittsteinbiotope innerhalb einer intensiv genutzten Kulturlandschaft bilden.
Golfanlagen, die die vereinbarten Maßnahmen konsequent umsetzen und ihre ökologische Entwicklung nachweisen können, werden vom Bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung als Blühpakt-Betrieb ausgezeichnet. Für immerhin 47 Golfanlagen in Bayern gilt dies bereits.
Entscheidend, so Blacha, sei dabei nicht die Größe der Golfanlage oder ihre finanzielle Ausstattung. Förderung der Artenvielfalt habe am Ende eben auch viel mit Engagement zu tun. Neue Flächen, die man für das Thema Biodiversität umgestalten kann, findet man dabei immer wieder. Im GC Memmingen stößt der Besucher sofort am Eingang der Golfanlage auf üppig blühende Gräser und Stauden, die sich um die Tiny Houses ziehen, die hier gemietet werden können. Damit hat der Club nicht nur einen hübschen Hingucker für die Gäste und Mitglieder geschaffen, sondern auch ein Futterangebot für die Vögel, die auf der Golf-Anlage nisten. Je größer und vielfältiger das Blühangebot, desto mehr Insekten finden sich in der Wiese. Kein Wunder, dass Werner Eska und seine Mitstreiter alljährlich zahlreiche Nistkästen finden, in denen auch gebrütet worden ist. Der Golfplatz Memmingen ist für zahlreiche Vogelarten ein erstklassiger Lebensraum.










