Golfresort Semlin: 30 Jahre Golf schafft Lebensräume
Ganz nah an Berlin, aber gefühlt ganz weit weg. Hier im Golfresort Semlin ist erst einmal alles Natur. Der Natur- und Sternenpark Havelland, in dem sich das Resort mit 27 Löchern und dem Hotel mit 72 Zimmern befindet, gehört zu einem Landschaftsschutzgebiet, das sich über das ehemals brachliegende Staatsland in Brandenburg zieht.
Innerhalb der 34 Jahre seit dem Beginn der Planung hat sich eine Golfanlage entwickelt, die als Paradebeispiel für den häufig geäußerten Satz »Golf ist gut für die Natur« dienen kann. Die Vielfalt an Lebensräumen macht den Reiz der Landschaft aus, die weitläufig ist und unverbaut. Abgemagerte Wiesen, wie man sie sonst häufig von sandigen Linkskursen kennt, finden sich hier in Hülle und Fülle. Der karge Boden, aber auch die richtige Pflege haben dazu geführt, dass sich in den Roughbereichen lichte Gräser und Kräuter entwickelt haben, aus denen der Golfer problemlos herausspielen kann. Der Verzicht auf das Mulchen, also das Liegenlassen des Schnittguts, macht sich hier positiv bemerkbar.
Wer am Ende der Schleife C durch ein Wäldchen geht, stößt auf ein ausgedehntes Totholzgebiet. Dieses Gebiet wird als Bruchwald geführt, was Insekten, Amphibien und Pilze fördert, gleichzeitig aber auch die Nässe im Boden hält. Dazu kommen über ein Dutzend Kleingewässer mit Biotopcharakter. Man merkt: Experten aus dem Bereich Landschafts- und Naturschutz geben hier regelmäßig Input, was die Pflege der verschiedenen Lebensräume auf dem Golfplatz betrifft.
Die ökologische Bedeutung des Resorts wird durch eine detaillierte Biotopkartierung sowie regelmäßige Flora- und Fauna-Reports untermauert. Das Artenspektrum auf der Anlage ist beeindruckend: Neben Amphibien und diversen Insekten sind Biber, Fischotter, Seeadler und Rotmilane heimisch. Sogar die seltene Großtrappe findet im nahen Schilfgürtel des Sees einen Rückzugsort. Der Vogel, der für den Laien an einen Truthahn erinnert, hat hier in der Nähe des Golfplatzes die größte Population in Deutschland. Zu sehen bekommt man ihn trotzdem nicht, er ist extrem scheu.
Monitoring und Reporting
Bei der Platzpflege wird konsequent auf minimale Chemie gesetzt, was mit Blick auf die tadellosen Grüns offenbar keinerlei Nachteil bedeutet. Stattdessen kommen bei der Pflege bevorzugt natürliche Produkte zum Einsatz. Die Lage im Naturschutzgebiet bringt ohnehin eine konsequente Kontrolle der Behörden mit sich. Zweimal im Jahr finden Treffen mit externen Experten und Vertretern des Naturschutzbundes statt. Vor allem auch beim Thema Wasser und dessen Qualität sind Datenabfragen Standard. »Wir müssen die Wasserflächen konstant beproben und diese auch bei den Behörden abliefern«, resümiert Bernd Eulitz, Geschäftsführer der Anlage, der das Thema Wasser bei seinem Amtseintritt vor zehn Jahren sehr schnell in den Fokus genommen hat.
Im Golfresort Semlin hatte es Potenzial, zum Problem zu werden. Die Beregnung der Anlage basierte auf der Wasserentnahme aus dem benachbarten Hohennauener See, der wiederum in einen großen Verbund mit den Flüssen Havel und Spree eingeschlossen ist. Nachdem die Wasserstände der Spree auch durch den Ausstieg aus dem Kohlebergbau Lausitz mittelfristig sinken werden, war abzusehen, dass in Semlin auch der Zufluss in den Hohennauener See durch die Havel abnehmen wird. »Die Klärung des Wasserthemas war für uns extrem wichtig. Es ist uns gelungen, die Beregnung über die Anlage von drei Brunnen zu sichern«, weist Eulitz auf die nun seit sechs Jahren geschaffene Wassersicherheit hin, die angesichts der Zunahme an Hitzetagen und Trockenphasen entscheidend ist. Die natürlichen Grundwasserteiche, die zum Beispiel von der Clubhausterrasse zu sehen sind, spielen für die Beregnung keinerlei Rolle.
Überschwemmungsgebiet schafft Schutz für Ortschaft
Dafür spielt das Golfresort Semlin eine wesentliche Rolle im Schwammstadt-Prinzip der Region. Als Überschwemmungsgebiet der Havel ist es ein Puffer, der Häuser der benachbarten Ortschaft Semlin vor Hochwasser schützen soll. Einen derartigen Hochwasserfall hat Eulitz zwar noch nie erlebt, grundsätzlich ist die Golfanlage aber damit ein wesentlicher Bestandteil des Hochwasserschutzes der Gegend. Offensichtlich wird es an dem einen oder anderen Grün, das wie erhöht im Gelände liegt. Aufgrund der Überschwemmungsgefahr war diese Bauform zum Schutz der Puttflächen notwendig.
Der Sternenpark und architektonische Besonderheiten
Vor allem für Sternenbeobachter ist das Golfresort Semlin ein Lieblingsort. Sie nämlich treffen sich hier regelmäßig, um im ersten offiziellen Sternenpark Deutschlands zum Beispiel die Milchstraße zu beobachten. Dabei ist schon der Begriff »Sternenpark« für die meisten Besucher erklärungsbedürftig. Hier im Havelland ist der Nachthimmel so dunkel, dass die Milchstraße viel deutlicher als in anderen Teilen Deutschlands erkennbar wird. Um diesen Zustand zu bewahren, unterliegt das Resort in Semlin strengen Beleuchtungsvorschriften zur Vermeidung von Lichtverschmutzung. Dies spart nicht nur Energie, sondern schützt auch nachtaktive Insekten und wird von Gästen bei Sternenbeobachtungen besonders geschätzt.
An diese vielfältige Nutzung der Golfanlage hätte bei deren Gründung vor genau 30 Jahren wohl niemand gedacht. Golf allein war der Planungszweck. 30 Jahre später zeigt sich: Golfspielen kann man hier wunderbar, aber die Natur hat mit dem Bau des Resorts ebenfalls gewonnen.
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Fotos: Nicolas Martin_Beaumont (BGV)