Brandenburg ist ein Hotspot bei Waldbränden
„Rauchen verboten“ – an dieser Regelung führt im Golfresort Semlin kein Weg vorbei. „Das Thema nehmen wir extrem ernst“, erklärt Geschäftsführer Bernd Eulitz und verweist auf den sensiblen Standort der Golfanlage mitten im Naturpark Westhavelland mit seinen zahlreichen Wäldern. Zahlreiche Bäume, viel Totholz und trockenes Laub im Sommer sind Teil der Golfanlage und extrem leicht entzündlich. Der Hinweis auf die Gefährdung ist Eulitz so wichtig, dass es auf der Website des Golfresort Semlin sogar eine eigene Unterseite zu dem Thema gibt.
Semlin ist kein Ausnahmefall. Brandenburg ist der Hotspot Nummer 1 in Deutschland, wenn es um Waldbrände geht. Leichte Sandböden, die schnell austrocknen; viele Kiefernwälder, deren Harz und Öl leicht brennt; zum Teil mit alter Munition belastete Bereiche, die schwer löschbar sind; wenig Regen in der Region – das alles führt dazu, dass das Bundesland in der Waldbrandstatistik immer zu den am meisten betroffenen Regionen gehört.
Hohes Bewusstsein bei Golfanlagen
Die Golfanlagen haben darauf – anders als in manch anderen Teilen Deutschlands reagiert. „Das Rauchverbot setzen wir jeweils nach der Waldbrandgefahrenstufe ein. Im Moment gilt es“, erklärt Ariane Fränkle, Geschäftsführerin im GC Großkienitz. Genauso wie ihr Kollege Sven Geißler von der GolfRange Großbeeren, wo es ebenfalls im Moment „Rauchen verboten“ heißt, weiß sie, dass nicht jeder Golfer glücklich über diese Regelung ist. Beim Thema Waldbrandgefahr sind sich die Anlagenleiter aber einig. Mit dem einen oder anderen Kritiker müsse man eben leben, erklärt Eulitz. Am Rauchverbot rüttelt er in Semlin trotzdem nicht.
„Dieses Bewusstsein für die Gefahrenlage ist enorm wichtig“, findet Marc Biber, Leiter der Abteilung Umwelt, Platzpflege und Nachhaltigkeit beim Deutschen Golf Verband, dem die aktuelle Waldbrandgefahr in Deutschland durchaus Sorgen bereitet. „Wir sehen auch auf Golfanlagen immer wieder abgestorbene Bäume, viel Laub am Boden oder auch Nadeln von Kiefern, die extrem schnell in Brand geraten, vor allem dann, wenn auch noch trockener Sandboden darunter ist. Risikobewusstsein bei Golfanlagen ist wichtig, genauso aber auch die Kommunikation an die Golfer.“
Zwar hat Deutschland nach Auswertungen des europäischen Satellitensystems EFFIS deutlich weniger Großbrände als etwa Spanien, Portugal oder Griechenland, mit dem Klimawandel und längeren Trocken- sowie Hitzephasen steigt aber das Risiko für Waldbrände. Angesichts der Tatsache, dass Golfanlagen häufig Baum- und Heckengruppen auf dem Platz haben oder in direkter Nachbarschaft dazu liegen, sind auch sie von diesem Waldbrandrisiko betroffen. Reale Beispiele gibt es aktuell einige: In direkter Nachbarschaft des Golf Club Schloss Kressbach in Tübingen kam es am 12. Juli zu einem Vegetationsbrand. Auf einer Fläche von 15 mal zehn Metern brannte nach Angaben der Feuerwehr Tübingen „Baum- und Buschwerk“, das die angerückte Feuerwehr schnell löschen konnte.
Mensch wichtigster Auslöser
Generell ist der Mensch der wichtigste Auslöser von Bränden in der freien Landschaft. Darauf weist Deutschlands bekanntester Feuerökologe Johann Georg Goldammer immer wieder hin. Dabei muss es sich noch nicht einmal um bewusste Brandstiftung handeln: Eine unachtsam hingeworfene Zigarrenkippe, zu heiße Fahrzeugteile an einem Greenkeepingfahrzeug oder auch ein paar Funken von einer Feuerstelle, die bei einem Barbecue-Abend verwendet wird – all‘ das kann sich im richtigen Umfeld sehr schnell zu einem größeren Brand entwickeln.
Rauchverbot, ja oder nein?
Ein generelles Rauchverbot auf Golfplätzen ist in Deutschland aufgrund der geltenden Gesetzeslage kein Thema. „Die Golfanlagen sollten sich aber individuell dafür entscheiden, wenn sie in einem gefährdeten Gebiet liegen“, stellt Biber fest. „Das stößt beim Golfer zwar nicht immer auf Gegenliebe, das Risiko eines Brandes ist aber einfach zu kritisch.“
Ein generelles Rauchverbot für alle Golfanlagen sieht auch der Greenkeeper Verband Deutschland kritisch. Zu unterschiedlich seien die örtlichen Voraussetzungen. Entscheidend sind nach GVD-Ansicht vielmehr die aktuelle Wetterlage und das individuelle Risiko einer Anlage. Mitarbeiter und Golfer müssen für das Thema sensibilisiert werden.
Das Greenkeeping-Team sollte genau wissen, welche Möglichkeiten im Brandfall bestehen – etwa wie Beregnungsanlagen kurzfristig genutzt oder Schläuche schnell angeschlossen werden können. Gleichzeitig können Golfanlagen mit einfachen Maßnahmen unterstützen, etwa durch Taschenaschenbecher mit Clublogo, damit Zigarettenstummel gar nicht erst auf dem Platz landen.
Keine Patentvorgaben für Golfanlagen
Pauschale Brandschutzvorgaben lehnt der GVD bewusst ab. Zu unterschiedlich seien Topografie, Vegetation und Infrastruktur der Golfanlagen. Stattdessen empfiehlt der Verband eine enge Zusammenarbeit mit der örtlichen Feuerwehr sowie dem zuständigen Brand- und Katastrophenschutz. Gemeinsame Platzbegehungen helfen dabei, Gefahrenpunkte zu identifizieren und Einsatzpläne abzustimmen. Ebenso sollten Clubvorstände und Betreiber stärker eingebunden werden – Brandschutz ist keine reine Aufgabe des Greenkeepings, sondern Verantwortung der gesamten Golfanlage, deren Eigentümer trägt die Verantwortung für die Verkehrssicherheit und Pflege.
Brandschau mit der Feuerwehr
Im GC Motzen, ebenfalls eine Anlage mit hohem Waldbestand, hat man in den vergangenen Jahren Übungen der örtlichen Feuerwehr auf dem Golfplatzgelände ausgerichtet. Auf diese Weise ist diese im Falle eines Brandes sofort mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut. „Das finde ich sehr begrüßenswert“, erklärt Robert Paas, deutscher Experte für Golfplatzversicherungen. „Eine Brandschau und auch die Überprüfung der Wasserleitungen vor Ort sollten regelmäßig durchgeführt werden.“ Für Anlagen, die laut seiner Schätzung zu den zirka 30 Prozent ohne Versicherung für den Brandfall gehören, sichern diese Absicherungsmaßnahmen womöglich das wirtschaftliche Überleben.
Der Blick ins Ausland zeigt, wie schnell Golfanlagen von Großbränden in Mitleidenschaft gezogen werden können. Rund um Bordeaux mussten am Wochenende alle Golfanlagen aufgrund der unkontrollierten Waldbrände in der Region präventiv schließen, die Rauchentwicklung ließ ohnehin keinen Spielbetrieb zu. Der Traditionsclub Golf de Fontainebleau in der Nähe von Paris machte eine Woche zu, weil der Brand im Staatsforst von Fontainebleau zu einer Räumung der Flächen führte. In Los Angeles legte das verheerende Eaton-Feuer im Januar 2025 beim 9-Loch-Platz Altadena das historische Clubhaus aus dem Jahr 1910 komplett in Schutt und Asche und richtete schwere Schäden auf der Anlage an. Eine Schließung war erst einmal unvermeidlich.
Unterschätzen sollte man die Gefahr von Waldbränden deshalb auch in Deutschland nicht. Mit den zunehmenden Hitzewellen nimmt auch die Gefährdung zu.
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Fotos: Nicolas Martin_Beaumont (BGV)