GC Stolpe: Erste Liga bei Golf und bei Natur
Wer den Berliner Golfclub Stolper Heide in seiner ganzen Vielfalt kennenlernen will, muss die Spielbahnen verlassen. Dort begegnet er einer Welt für sich, einem Gelände, auf dem sich auch Biologen, Landschaftsgärtner, Naturexperten ein Weilchen austoben könnten. Dort, wo Wasserflächen, Rohböden, Hecken und kleine Waldstücke aneinandergrenzen, ist in den mehr als 30 Jahren seit der Eröffnung der Anlage 1997 ein vielfältiger Lebensraum auf insgesamt fast 200 Hektar Fläche entstanden. Ja, auf den ersten Blick ist das hier eine erstklassige Golfanlage mit zwei 18-Löcher-Plätzen, einem Kurzplatz und einer umfangreichen Übungsanlage. Beim genaueren Hinsehen aber erkennt man: In den vergangenen drei Jahrzehnten ist hier außerdem eine hochwertige Landschaft entstanden, die in ihrer Vielfalt bei Fauna und Flora überrascht.
Von alleine geschieht solch‘ eine positive Entwicklung nicht. Es braucht eine Betreibergesellschaft, die bereit ist, auch in Nebenflächen ab und an Geld zu investieren. Das Saatgut für die mehrjährigen Wiesen, die für eine optisch ansprechende Abgrenzung zwischen vielen Bahnen sorgen, ist zum Beispiel nicht billig, wenn man wie Head-Greenkeeper Christian Franke auf regionale, mehrjährige Samen Wert legt.
Versteckt in der Maschinenhalle finden sich auch der Balkenmäher und die Ballenpresse, mit deren Hilfe das Greenkeeping-Team alljährlich die Wiesen abmäht. Damit nimmt der Berliner GC Stolper Heide eine echte Ausnahmestellung in der deutschen Golfszene ein. Mehr als 300 Ballen Heu produziert der Golfclub jährlich und gibt sie dann kostenlos an einen Schäfer aus der Nachbarschaft ab. Preisgünstig waren die Maschinen nicht, aber die Miete bei externen Anbietern hätte sich über die Jahre hochaddiert, findet Franke. „Das ist tatsächlich außergewöhnlich und großartig“, beurteilt die Naturschutzexpertin Dagmar Blacha vom Landesbund für Vogelschutz diesen Fall. Sie besucht jährlich zahlreiche Golfplätze, um ihnen Hilfestellung bei der Aufwertung von Ausgleichsflächen zu geben. Viele Golfanlagen haben Probleme beim Abtransport des Heus, weil sie keinen Abnehmer finden, der es zu Ballen aufarbeitet und abtransportiert.
Die Bereitschaft von Club und Betreibergesellschaft, sich für eine nachhaltige Betriebsführung zu engagieren, trifft hier auf einen Head-Greenkeeper, der von sich sagt: „Ich wollte einmal Naturschutzexperte werden.“ Seine Spielflächen hat Christian Franke, seit 15 Jahren vor Ort, im Griff. Kurz vor einem Heimspieltag der Clubmannschaft in der 1. Bundesliga sind die Grüns auf dem Ostplatz allesamt handgemäht, die Bunkerkanten perfekt. Die Tatsache, dass der Club reichlich Nachfrage von Neumitgliedern hat und die Startzeichen gut gebucht sind, deutet darauf hin, dass der gute Platzzustand keine Ausnahme ist.
Emotional wird Franke, der seine Ausbildung zum Agronomen noch in der DDR machte und sein berufliches Zuhause eigentlich in einer der großen LPGs sah, wenn er über die neu angelegten Benjeshecken, die Lecksteine für Rehe und Wildschutzzäune, Wildbienen, versteckte Rohbodenbereiche oder die zahlreichen Vogelkästen spricht, die das Greenkeeping-Team in ruhigeren Winterphasen zimmert.
So ist im vergangenen Winter auch der neue Gehweg am Rande des Geländes entstanden, dessen Belag – natürlich – aus dem selbst gehäckselten Holz der Golfanlage stammte. Wenn Franke tote Bäume entfernt, landet das Material in Totholzhaufen oder wird anderweitig sinnvoll verwendet. An Ideen mangelt es dem Head-Greenkeeper nicht. Ein neues Wasserhindernis ist erst vor kurzem aus einem Tümpel entstanden, der zu klein, optisch nicht attraktiv und spielerisch nicht sinnvoll war.
Für den Biodiversitätsexperten Gunther Hardt, der beim Deutschen Golf Verband den Arbeitskreis Biodiversität leitet und im GC Stolpe auch die Zertifizierung bei Golf & Natur übernimmt, ist die Golfanlage ein Vorzeigeobjekt. Auch deshalb, weil sie beim Thema Nachhaltigkeit nicht nur im Bereich Biodiversität engagiert ist. Um im Bereich Wassermanagement auf eine Reduzierung der Beregnungsmengen vorbereitet zu sein, hat man in den vergangenen Jahren intensiv in neue hochmoderne Regner und teilweise in eine neue Fairwayberegnung investiert. So kann die Wasserverteilung genauer gesteuert werden, die Effizienz ist höher, der Verbrauch kann sinken.
Strom spart die Anlage durch die Solaranlage auf einem der Häuser für die Greenkeeping-Maschinen. 30kWp werden hier erzeugt, „wir decken unseren Strombedarf noch nicht“, resümiert Geschäftsführer Joachim Otto, der bei dieser Gelegenheit aber sofort auf konkrete Pläne für erweiterte Solaranlagen in anderen Bereichen verweist. Nachdem auch ein Teil der Grünmäher und anderer Maschinen bereits auf Elektrobetrieb umgerüstet wurde, wächst der Bedarf an erneuerbaren Energien. Die E-Tankstellen vor dem Clubhaus sind ohnehin gut ausgelastet. Otto weiß, die Themen Wasser und Energie spielen eine zunehmend wichtige Rolle für die Resilienz von Golfanlagen.
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Die Kommunikation mit dem Golfer ist dabei stets ein begleitender Aspekt. Gerade wenn es um die Wiesenflächen zwischen den Spielbahnen und das Thema verlorene Bälle geht, bleibt manchmal das Ringen zwischen Christian Franke und den Mitgliedern nicht aus. Die Website, der Newsletter, das Golf & Natur-Abzeichen, all das sind Wege, um die für den Club so wichtige Botschaft zu verbreiten: Golf ist ein Sport in und mit der Natur – wer sich um letztere nicht kümmert, wird am Ende aufgrund fehlender Schwächen bei den Ressourcen Boden oder Wasser Probleme mit dem Sport bekommen.










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