Karsten Schwanke, Meteorologe, ist den Deutschen als Wetterexperte der ARD bekannt. Schwanke spielt selbst Golf und kennt die Herausforderungen, die mit dem Klimawandel auf deutsche Golfanlagen zukommen. Wir wollten von ihm wissen, wie sich das Wetter in Zukunft aus Sicht eines Meteorologen entwickeln wird. Karsten Schwanke im Gespräch mit Petra Himmel, die das Interview für Golf Sustainable führte.
Das Wetterphänomen El Nino ist im Moment in aller Munde, weil es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ab Ende des Jahres 2026 auftreten wird. Betrifft das Thema Deutschland überhaupt?
Schwanke: Bei El Nino können wir ganz viele sehr klare Aussagen treffen. Zum Beispiel, dass es in Südamerika, in Ecuador oder Peru deutlich mehr regnen wird und dass es zum Beispiel in Australien oder Indonesien deutlich trockener werden wird. Das sind die klassischen Muster, die man sehr gut vorhersagen kann. Ein solches klassisches Muster gibt es für Europa nicht. Wir wissen aber aus den letzten Jahren, dass El Nino jetzt auf einem ganz anderen Temperaturniveau stattfindet als in früheren Jahrzehnten. Weltweit sind die Wassertemperaturen angestiegen. Immer wenn wir El Nino haben, steigt in dem Jahr und dem Folgejahr weltweit die Temperatur an. Dadurch nimmt auch in Europa die Wahrscheinlichkeit für neue Hitzerekorde zu und in dem Zusammenhang auch für neue Starkregenereignisse.
Inwieweit wird El Nino durch den Klimawandel beeinflusst?
Schwanke: Die Verbindung zwischen El Nino und dem Klimawandel besteht darin, dass wir heute El Nino bei weltweit höheren Temperaturen erleben. Aber man kann nicht sagen, dass ein wärmerer El Nino automatisch stärkere Auswirkungen hat – die Zusammenhänge sind sehr komplex. Was wir allerdings schon jetzt ganz klar sagen können, ist, dass 2027 weltweit das heißeste Jahr werden wird.
Sie haben kürzlich erklärt, dass Deutschland durch den Klimawandel auf Dauer mehr Niederschläge erhalten wird. Gleichzeitig sinken aber die Grundwasserspiegel. Wie passt das zusammen?
Schwanke: Punkt Nummer eins ist, dass wir bei höheren Temperaturen eine stärkere Verdunstung haben. Das führt dazu, dass die Böden stärker austrocknen.
Punkt Nummer 2 : Frühjahrs- und Sommermonate bringen deutlich mehr Sonnenschein als noch vor 50 Jahren in Deutschland. Die stärkere Sonneneinstrahlung erhöht die Verdunstung.
Punkt Nummer 3: Die Anzahl der Tage, an denen es regnet, ist in den letzten Jahrzehnten in Deutschland zurückgegangen. Es fällt mehr Regen an weniger Tagen und es gibt mehr Tage an denen es nicht regnet. Das sind die drei wichtigsten Punkte.
Der vierte Punkt betrifft die Tatsache, dass sich der höhere Niederschlag vor allem auf die Wintermonate konzentriert. Die Wintermonate werden bei uns allmählich nasser, die Sommermonate werden allmählich trockener. Wenn es im Sommer bei hohen Temperaturen auch noch weniger regnet, haben wir eine stärkere Austrocknung der Böden.
Welche Regionen in Deutschland werden ein größeres Trockenheitsproblem bekommen als andere?
Schwanke: Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg, besonders die Lausitz, aber auch Mittelfranken und Teile der Pfalz bekommen schon jetzt aufgrund ihrer geografischen Lage weniger Regen als andere Regionen und haben damit größeren Trockenstress. Wenn sich die Trockenheit insgesamt verstärkt, werden diese Regionen noch größere Probleme bekommen. Aber auch der Norden Deutschlands kann knochentrocken werden, wenn die Wetterlage entsprechend ist. Das haben wir 2018 erlebt, als der gesamte Norden aufgrund einer monatelangen Hochdruckwetterlage auf einmal große Trockenheitsprobleme hatte.
In den nächsten Jahrzehnten wird es eine Veränderung geben in der Gestalt, dass es vor allem in den Sommermonaten deutlich trockener wird – im Süden stärker als im Norden.
Ist Süddeutschland nicht auch besonders stark von Starkregen betroffen?
Schwanke: Das schließt sich nicht aus. Deutschland bekommt das klassische Mittelmeerklima, das im Sommer sehr trocken ist. Wir haben aber zum Beispiel in Norditalien die kräftigsten Gewitter überhaupt, weil sich bei höheren Temperaturen eine stärkere und höhere Energie ansammelt. Wenn das noch angereichert wird mit Feuchtigkeit, dann habe ich die besten Voraussetzungen für große fette Gewitter.
In England sind Golfanlagen inzwischen zum Teil stark vom Thema Küstenerosion betroffen und müssen ihre Golfbahnen verlegen. Welche Entwicklung bei Stürmen ist für die Nordseeküste zu erwarten?
Schwanke: Wir können nicht unbedingt sagen, dass die Windgeschwindigkeit bei Stürmen zunimmt. Da gibt es keine klaren Signale. Aber ein anderer Punkt spielt hier eine Rolle – der Anstieg des Meeresspiegels. Der ist zwar aktuell noch vergleichsweise gering. Wir reden hier in Cuxhaven über einem Anstieg von rund 25 cm seit 1900. Wenn ich aber einen Sturm habe, der über die gesamte Nordsee 25 cm mehr Wasser auf 1000 km Wasserlänge vor sich herschiebt, dann ist die Brandung vor einer Küste deutliche stärker und aggressiver als wenn es 25 cm weniger wären. Dieses Thema wird in den nächsten Jahrzehnten deutlich zunehmen, da sich der Meeresspiegelanstieg stark beschleunigt.
Das ganze Klimathema wirkt extrem komplex, durch den Klimawandel sind viele Entwicklungen völlig neu. Was können Sie als Wissenschaftler erklären und vorhersehen?
Schwanke: Wir können einzelne Phänomene und Zusammenhänge sehr gut erklären, also zum Beispiel die Entwicklung von Tiefdruckgebieten, die Entstehung von El Nino oder den globalen Temperaturanstieg. Aber wir wissen wenig darüber, wie sich das Wetter verändern könnte, wenn zum Beispiel die nordatlantische Meeresströmung kippt.
Sie selbst sind immer wieder auf Golfanlagen unterwegs: Was würden Sie dem Betreiber einer Golfanlage raten, wenn es um die Vorbereitung auf die neuen Wetterbedingungen geht.
Schwanke: Speicherteiche sind ein großes Thema. Wir müssen uns mit der Frage beschäftigen, wo das Wasser landet, das durch die Drainagen fließt. Wenn es in 20 oder 30 Jahren noch in die Kanalisation abfließt, wäre das der größte Sündenfall. Dann ist das Wasser nämlich weg und trägt nicht zur Grundwasserneubildung auf den Golfplätzen bei.
Es muss entweder vor Ort versickern oder – noch besser – es sollte genauso wie der Regen im Winter in einem Speicherteich aufgefangen werden. Wir sollten uns da nichts vormachen: Wenn die Dörfer neben dem Golfplatz und die Menschen dort in einer Trockenzeit Bewässerungsverbote bekommen und gleichzeitig Golfplätze mit Grundwasser bewässert werden, dann ist das nicht mehr vermittelbar.
Sie beschäftigen sich tagtäglich mit eher unerfreulichen Wetter- und Klimaaussichten. Trotzdem wirken Sie im Gespräch ganz positiv. Wie schaffen Sie das?
Schwanke: Die Daten, die ich tagtäglich sehe, sind so bedrohlich, dass ich den Laptop zuklappen und in den Keller gehen und mit meinem Job aufhören könnte. Aber das bringt uns doch nicht weiter und hilft uns nicht beim Kampf gegen den Klimawandel. Es hilft nicht, wenn ich den Teufel an die Wand male, was aufgrund der Daten ein Leichtes wäre.
Das heißt, wir müssen nach Lösungen suchen. Das Gute ist ja, die meisten Lösungen sind da. Wir müssen sie nur in einem größeren Tempo umsetzen.
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Die Alpen gelten als Raum, der durch den Klimawandel besonders verändert wird. Was bedeutet das für touristische Regionen in der Schweiz, Tirol oder auch Bayern, in denen sich ja auch zahlreiche Golfplätze befinden?
Schwanke: Wir werden wahrscheinlich Jahre erleben, in denen die Alpen deutlich austrocknen. Wenn dann auch noch, so wie zum Beispiel in diesem Jahr vor allem auch in der Schweiz im Winter sehr wenig Schnee gefallen ist, dann werden wir viele Flussläufe sehen, die kein Wasser führen. So wie es jetzt schon oft in den Pyrenäen der Fall ist.
Sie nennen Frankreich. Gibt es ein Land in Europa, das wir uns heute ansehen sollten, um uns die Zukunft in Deutschland vorstellen zu können.
Schwanke: Da halte ich mich mit Vergleichen stark zurück. Aber wir werden Wetterlagen und Veränderungen bekommen, die wir seit Jahrhunderten in Mitteleuropa, in Deutschland so nicht erlebt haben. Wir werden stärkere Gewitter und Unwetter erleben, die wir so noch nicht gesehen haben, weil sich das Ganze auf einem deutlich höheren Temperaturniveau, auf einem deutlich höheren Energieniveau abspielt.
Dazu kommen extrem hohe Temperaturen und Trockenheit. Damit musste unsere Land- und Forstwirtschaft bisher nicht umgehen. Das wird vor allem auch ein riesiges Problem für die Bäume. Wenn ich dann an Golfplätze denke mit altem Baubestand, dann wird es dort sehr schwer sein, diese Bäume über diese Veränderungen zu retten.









