Die Heidekraut-Sandbiene ist wählerisch. Sie ist auf Heidekraut angewiesen. Existiert dieses nicht, lässt auch sie sich nicht blicken. Auf der Golfanlage Donner Kleve in Schleswig-Holstein ist diese Wildbiene zuhause, obwohl sie laut der Roten Liste als gefährdete Art gilt. Ihre Kollegin Lasioglossum pauxillum, eine weitere Wildbiene, ist ebenfalls auf den Extensiv-Flächen der Golfanlage unterwegs. Sehr überraschend, wie Wissenschaftler beim Monitoring auf dem Golfplatz Donner Kleve feststellten. Denn obwohl diese Art deutschlandweit verbreitet ist, gilt sie in Schleswig-Holstein als vom Aussterben bedroht.
Blütenbunt-Insektenreich fördert Insektenvielfalt
Golfplätze sind oftmals ein Rettungsanker gerade für jene Wildbienen, die auf einzelne Pflanzenarten oder eine spezielle Gattung an Pflanzen angewiesen sind. Bei immer mehr versiegelten Flächen oder großen landwirtschaftlichen Räumen verschwinden mit einzelnen Pflanzenarten eben auch die relevanten Wildbienenarten. Wie groß die Bedeutung von Golfplätzen in diesem Zusammenhang ist, lässt sich am Wildbienen-Report der vergangenen Jahre erkennen, der im Rahmen des Projektes Blütenbunt-Insektenreich erstellt wurde.
Die Golfanlage DonnerKleve war in Schleswig-Holstein der Vorreiter bei dieser Initiative, die 2020 startete und im April 2026 zu Ende ging. Das Verbundprojekt der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege und dem Leibniz -Insitut der Universität Kiel sollte systematisch die Insektenvielfalt in Schleswig-Holstein fördern.
„Zu Beginn hatten wir die Golfplätze eigentlich gar nicht auf dem Schirm“, resümiert Norma Kujath, die das Projekt beim Landschaftspflegeverband Schleswig-Holstein leitete. „Aber das sind ja grosse Flächen. Das ist wirklich genial. Die haben wir für uns entdeckt . Es ist enorm wie viel man da für die Biodiversität machen kann.“ Ansonsten, so Kujath, habe man bei Kommunen meist nur die Möglichkeit kleinere Flächen von ein paar hundert Quadratmetern umzuwandeln. „Hier geht es ja gleich um Hektar“.
Sechs Golfanlagen schlossen sich dem Projekt insgesamt an: Neben dem GC Donner Kleve waren die Golfclubs Gut Grambek, GC Hof Berg, Apeldör, Altenhof, Uhlenhorst und der Mittelholsteinische GC Aukrug beteiligt. Sie alle erhielten kostenloses Regiosaatgut, fachliche Beratung und wissenschaftliche Begleitung.
43 Wildbienenarten nachgewiesen
Die Wildbienen-Reports, die auf der Golfanlage Donner Kleve, in verschiedenen Jahren erstellt wurden, zeigen, wie wichtig Golfanlagen für Insekten sein können, deren Bestand gefährdet ist. 43 Wildbienenarten wurden im Verlauf der vergangenen drei Jahre auf der Golfanlage nachgewiesen, zehn davon gelten als besonders schützenswert. „Dabei kann man nicht sagen, dass die Wildbienenarten automatisch jährlich steigen“, erklärt Kujath. „Das Wetter spielt dabei genauso eine Rolle, wie der Zeitpunkt des Monitorings. In besonders nassen Jahren sinken die Artenzahlen häufig ab.
Besonders positiv für Wildbienen, die sich auf Golfplätzen ansiedeln, ist die Vielfalt an Lebensräumen. „Wir sehen am Beispiel Donner Kleve, dass es eben nicht nur um die aufgewertete Fläche geht, sondern auch um das, was sich sonst noch auf dem Golfplatz befindet.“ Das Zusammenspiel aus Heideflächen, sandigen Nistmöglichkeiten im Boden, Rohbodenstandorten oder Kräuterwiesen macht die Qualität des Standortes aus. Kurz gesagt: Befindet sich eine Wiese in einer artenarmen flachen Umgebung, die ausschließlich aus plattgemähtem Gras besteht, leidet auch hier die Biodiversität.
Und jetzt? Was passiert mit den Flächen, die nach der Einsaat fünf Jahre lang nicht anders genützt werden dürfen. „Wir hoffen, dass die Golfanlagen die Pflegemaßnahmen beibehalten, die Mitglieder entsprechend informieren und am Ball bleiben. Zwingen können wir natürlich niemanden“, stellt Kujath fest. Nach fünf Jahren können die aufgewerteten Wiesen rein theoretisch auch wieder umgewandelt werden.
Dabei spielen zwei weitere Faktoren eine wichtige Rolle. „Die Akzeptanz der Golfer muss gegeben sein, ihnen müssen die Flächen gefallen“, hat Kujath in den vergangenen Jahren gelernt. Der zweite Faktor ist die Arbeitskraft: „Flächen müssen auch entbuscht werden, damit die wertvollen Arten nicht völlig von anderen Pflanzen überwachsen werden“, rät die Expertin. Wenn im Golfclub dafür die Arbeitskraft fehlt, verlieren die Flächen auch wieder an Wert. Der Erhalt artenreicher Wiesen ist eben ein Dauerprojekt.









Fotos: Petra Himmel