Österreichs Burgenland als Vorreiter bei nachhaltigem Tourismus
Europas Golfszene hatte große Träume als die Grenzen Richtung Osten fielen. In Deutschland entstand mit dem Golfland Flesensee in Mecklenburg-Vorpommern eine 73-Löcher-Anlage, deren Bau in sehr hohen Maße von EU-Zuschüssen profitierte. In Österreich baute man in Stegersbach nahe der ungarischen Grenze, ebenfalls eine 45-Löcher-Anlage. Und weil man in Österreich, dem Land der Berge, gerne die Erfolgsmodelle aus dem Skitourismus kopiert, nannte man das Produkt eben Golfschaukel Stegersbach in Anlehnung an all‘ die Skischaukeln im Lande. Es ist zwar nicht so alpin hier im Hinterland von Graz wie in Tirol, aber aus rein golferischer Sicht betrachtet, kann man durchaus sagen: Ja, es ist definitiv hügelig.
Fast vierzig Jahre später sind die Träume, die man in Flesensee wie in Stegersbach bezüglich der potenziellen Anziehungskraft der Golf-Resorts hatte, der Realität gewichen. Im Burgenland, wo man im Sommer 2025 auf rund 2,3 Millionen Übernachtungen kam, setzen die Verantwortlichen im Tourismus jetzt nicht mehr auf Großprojekte sondern eher auf die Eigenheiten der Region. Der Rummel von Tirol, wo selbst im Sommer zuletzt über 23 Millionen Touristen über Berge, Seen und Freizeitanlagen herfielen, ist hier schließlich ganz, ganz weit weg. Der chique Begriff von Remoteness bekommt hier ein reales Gesicht.
„Schön, dass sich auch mal jemand für uns hier im Süd-Burgenland interessiert,“ sagt der Mann, der mit dem Posthotel in Achenkirch eines der erfolgreichsten Hotels Tirols aufgebaut und Österreichs Wellness-Tourismus wesentlich mitgeprägt hat. Karl Reiter sitzt zusammen mit seiner Ehefrau Nikola an einem langen Besprechungstisch im 5-Sterne-Resort Reiters Supreme in Bad Tatzmannsdorf und philosophiert ein wenig darüber, was der Urlauber heutzutage denn so braucht: „Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, das wollen wir liefern.“ Eigentlich, findet er, hat es dafür kein Zertifikat für sein Hotel gebraucht. Aber jetzt hat er es, das Österreichische Umweltzertifikat. So wie das gesamte Burgenland seit Mitte 2025.
Es ist das erste österreichische Bundesland, das flächendeckend dieses Umwelt-Siegel vorweisen kann. 171 Gemeinden haben dem Nachhaltigkeits-Prozess zugestimmt. Das ist überraschend, wenn man bedenkt, dass allein der „Begriff Nachhaltigkeit“ oftmals politisch als Teil eines links-grünen Vokabulars betrachtet wird und nicht von jedem Bürgermeister geschätzt wird. „Wir haben die Zertifizierung im Rekord-Tempo in 14 Monaten durchgezogen und extra dreieinhalb Mitarbeiter-Stellen geschaffen“, erklärt Didi Dunkel, der Geschäftsführer von Burgenland Tourismus, den Prozess in der Geschäftsstelle. 119 Nachhaltigkeitskriterien mussten geprüft werden, 63 waren verpflichtend zu erfüllen. „Eine riesige Papierarbeit“, resümiert Nikola Reiter, die das Prozedere auf Hotel-Ebene hinter sich gebracht hat.
Weg vom Mainstream
Und jetzt? Was bringt’s? Das Österreichische Umweltzertifikat ist für die Region mit ihren Golfanlagen ein Geschenk. Endlich ist die Stille der Region, ihre Kleinteiligkeit, die Tatsache, dass sie mehr erneuerbare Energie produziert als sie verbraucht, etwas wert. Nicht-Mainstream zu sein, ist plötzlich positiv. Auch unter Golfern. Die haben schließlich schon während der Corona-Pandemie gelernt, dass es hilfreich sein kann, wenn sich nicht Heerscharen von Golfgruppen im Abstand von acht Minuten über Plätze drängen und Freiluft-Bars vor dem Clubhaus im Ischgl-Stil zu unerfreulichen Viren-Hotspots werden.
Aber wer kümmert sich schon um Zertifikate, könnte man an dieser Stelle einwenden. Schließlich gibt es so viele und welchem kann man da schon trauen? Das Österreichische Umweltzertifikat gilt als hochwertig, weil es sich an den Standards des Global Sustainable Tourism Council orientiert. Interessiert das einen Gast? „Eigentlich ist das fast allen egal“, weiß Wolfgang Eder, Bürgermeister der Gemeinde Burgauberg-Neudauberg und aktiver Golfer auf der 45-Löcher-Anlage von Stegersbach, die an seine Gemeinde grenzt. Aber er hat das Landhaus Eder von Beginn an mit Erdwärme geheizt und seine Frau Barbara arbeitet sich seit mehr als zehn Jahren in regelmäßigen Abständen durch den Papierwust und die Auflagen der Umwelt-Zertifizierung. Einfach, weil sie finden, „dass das gut so ist.“
Ja, Golf will der Tourismus-Profi Didi Dunkel auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit fördern. Dabei wissen die Anlagenbetreiber selbst, dass es die Golfplätze, die in der Anfangseuphorie der Grenzöffnung und dank der EU-Fördergelder oftmals zu schnell und ohne professionellen Input entstanden, unter architektonischen Gesichtspunkten nicht unter die Top-Ten Österreichs schaffen.
Den Hardcore-Golfer wird man denn auch kaum im Burgenland treffen. Den Gast, der auf Entschleunigung, exzellente, regionale Küche und ein authentisches Urlaubserlebnis ohne viel Trubel setzt, durchaus. Schon beim schwierigen Thema Mobilität geht die Region neue Wege: Ab Graz oder Wien reist der Gast kostenfrei mit der Bahn an und wird am Bahnhof mit dem Taxi abgeholt. Wer nicht direkt am Golfplatz wohnt, bestellt den mobilen Taxi-Service, der ebenfalls in der Gästekarte enthalten ist.
Diese Form der Individualität ermöglicht Urlaube, die anders sind als das klassische Golf-Package: Ein paar Tage in einem der winzigen Winzerhäuschen am Csaterberg zum Beispiel, die inzwischen zum Teil vermietet werden. Ein Stapel Bücher, die Wander- und Golfschuhe, vielleicht noch das Fahrrad dazu und der Urlaub ist gesetzt.
Golfen im Burgenland ist natürlich anders. Eine Massenveranstaltung ist es definitiv nicht. Es lässt Raum für eigene Entscheidungen, freie Zeiteinteilung. Endlich, finden die Touristiker in der Region, ist das Burgenland einmal die Nummer 1, ein Vorreiter in Österreich. „Hier schläft man gut, hier isst man gut und man erholt sich. Das reicht“, sagt Karl Reiter. Mit gut 50 Jahren Erfahrung im Tourismus muss er es ja wissen.
Reiters Supreme Bad Tatzmannsdorf
Das Adults Only Reiters Supreme ist mit dem Österreichischen Umweltzertifikat versehen und steht für Luxusurlaub in einem Adults-only-Resort. 130 Hektar Fläche bewirtschaftet die Inhaber-Familie Reiter auf besondere Weise. Im Fokus steht ein ganzheitlicher Nachhaltigkeitsansatz: Das familiengeführte Hotel verfolgt ökologische, ökonomische und soziale Ziele gleichermaßen.
Ein zentraler Baustein ist die weitgehende Selbstversorgung: Fleisch stammt aus eigener Landwirtschaft, viele Lebensmittel werden hausgemacht – von Brot bis Eis – und konsequent nach Kriterien wie Regionalität, Saison und Bioqualität ausgewählt.
Auch die Natur rund um das Resort wird aktiv geschützt und gefördert:
- Eigene (teilweise biologische) Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung
- Bienenstöcke, Streuobstwiesen und Kräutergärten
- Schutzräume für Vögel und Insekten durch gezielte Bepflanzung
- Nachhaltiges Wassermanagement, etwa zur Bewässerung der Golfanlagen
Ergänzt wird dies durch Maßnahmen wie reduzierte CO₂-Emissionen, sparsamen Energie- und Wasserverbrauch sowie minimierten Einsatz von Chemikalien. Mehr Infos hier
Falkensteiner Balance Resort Stegersbach
Das Adults-only-Resort verfolgt einen klar strukturierten Nachhaltigkeitsansatz. Herzstück ist der rund 5.000 m² große Permakultur-Garten, der nach ökologischen Prinzipien bewirtschaftet wird und Obst, Gemüse, Kräuter sowie Honig für die Hotelküche liefert . Die Kulinarik folgt konsequent dem Rhythmus der Natur: saisonal, regional und zunehmend pflanzenbasiert, etwa bei „Garden-to-Table“-Konzepten oder veganen Genusswochen.
Auch technisch setzt das Hotel auf Nachhaltigkeit:
- CO₂-neutraler Betrieb durch Photovoltaik, Fernwärme und Grünstrom
- konsequente Mülltrennung und Reduktion von Lebensmittelabfällen
- Förderung nachhaltiger Anreise (z. B. Kostenübernahme bei Busanreise)
Direkt vor dem Resort liegt die Golfschaukel Stegersbach – mit 45 Spielbahnen auf 190 Hektar die größte Golfanlage Österreichs. Dazu gehören zwei 18-Löcher-Plätze, ein 9-Löcher-Family Kurs sowie zwei Driving Range. Die Golfplätze sind erstklassig gepflegt, liegen aber zum Teil in sehr hügeligem Gelände. Cart-Fahren wird dringend empfohlen.
Das zentrale Angebot ist das Paket „Golf Unlimited“: Es beginnt bei 500 Euro pro Zimmer und Nacht. Mehr Infos hier.
Der Gastro-Tipp
Regionale und lokale Produkte, zubereitet in einem Familienbetrieb – wer das schätzt, sollte das Drei-Hauben-Lokal Csencsits besuchen, das unter Wiener und Grazer Feinschmeckern einen hohen Bekanntheitsgrad genießt. Das traditionelle Lokal ist eigentlich ein echter „Sterne-Kandidat“. Und: Derzeit baut die Inhaberfamilie im Haus Suiten aus, die dann von Urlaubern gebucht werden können. Mehr Infos zu Menüs, Preisen und Öffnungszeiten finden sich hier
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Foto: GC am Donner Kleve