Hitzewellen gefährden auch die Golfer

Die Hitzewelle in Europa ist in vollem Gange. Temperaturen über 35 Grad sind derzeit in vielen Ländern an der Tagesordnung, in südeuropäischen Ländern wie Spanien und Portugal werden zum Teil mehr als 40 Grad gemessen. Extremwetter, das Wissenschaftler auf Grund des Klimawandels immer häufiger erwarten und das den Golfsport ebenfalls betrifft, weil Hitze die Gesundheit belastet. „Die Zahl der Patientinnen und Patienten, die aufgrund von Hitze und Sonne stationär behandelt werden mussten, hat sich über die vergangenen Jahre teilweise verdoppelt“, resümierte der Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Gerald Gaß gegenüber den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Überlastung auf dem Golfplatz eine reale Gefahr

Aufgrund des relativ hohen Durchschnittsalters von Golfern ist die Gefahr von Überlastungserscheinungen wie zum Beispiel Herzrhythmusstörungen bei extremer Hitze erhöht. Bei Hitze muss unser Herz mehr arbeiten, um die Körperkerntemperatur bei 37 Grad Celsius zu halten. Denn der Körper muss nicht nur die Muskeln mit Blut versorgen, sondern auch die Haut. Das Blut transportiert dann die Wärme, die durch die Muskeln erzeugt wird, an die Oberfläche. Damit das gleichzeitig passieren kann, muss das Herz mehr Blut pumpen und daher öfter schlagen. Deshalb ist der Pulsschlag bei Hitze auch beschleunigt. Entsprechend ist die Leistungsfähigkeit etwas geringer.

Auftreten von Hitzestress

Hitzestress tritt auf, wenn der Körper nicht mehr in der Lage ist, sein Temperaturgleichgewicht aufrechtzuerhalten, und die Kerntemperatur so stark ansteigt, dass andere physiologische Prozesse beeinträchtigt werden. Das Auftreten von Hitzestress wird einerseits durch die Temperatur bedingt, daneben aber auch durch Alter, Geschlecht und kardiovaskuläre Fitness der Person und sogar die eingenommenen Medikamente. Die Toleranz gegenüber Dehydrierung ist bei körperlich fitten und jungen Menschen höher, während die Fähigkeit, sich an die Hitze anzupassen, mit dem Alter, einer verminderten Fitness und dem Vorliegen von Krankheiten abnimmt.

Klimawandel beeinträchtigt Outdoor-Sportarten

Wissenschaftler haben im sechsten Report  Lancet Countdown, der am 20. Oktober 2021 veröffentlicht wurde, genau erklärt, dass sich der Klimawandel auch verstärkt auf die Möglichkeiten zu körperlichen Aktivitäten auswirken wird. „In den vergangenen vier Jahrzehnten hat die Anzahl der Stunden, in denen es für Outdoor-Aktivitäten zu heiß war, ständig zugenommen“, stellen die Autoren des renommierten amerikanischen Gesundheits-Magazins fest.

Probleme ab 28 Grad plus

Untersucht wurde der Einfluss von Temperatur, Schwüle und strahlender Sonne an Tagen mit einer Temperatur von mehr als 28 Grad Celsius. Bei diesem Temperaturlevel, das auch auf Golfplätzen im Sommer immer wieder überschritten wird, raten laut Lancet Mediziner bei der Ausübung von Outdooraktivitäten zur Vorsicht. Dabei hat auch in hochentwickelten Ländern wie Österreich, Deutschland und der Schweiz, die einen sogenannten hohen Human Development Index aufweisen, seit 1980 die Anzahl der Stunden, in denen Aktivitäten nur noch stark eingeschränkt möglich sind,  um 1.5 Stunden zugenommen.

Laut Aussagen der Autoren wird der negative Effekt des Temperaturanstieges durch den Klimawandel, der vor allem auch die Altersgruppe der über 65jährigen betrifft, die positiven Effekte von Outdoor-Aktivitäten auf die Gesundheit zunehmend unterminieren.

Todesfälle wegen Hitze

Gleichzeitig stellt der Lancet Countdown fest, dass sich speziell bei den Senioren auch die Todesrate, die durch extreme Hitze bedingt ist, im Untersuchungszeitraum 2018/2019 massiv erhöht hat. „Sie erreicht 2019 ein Rekordhoch von insgesamt 345.000 Todesfällen weltweit.”

Braucht der Golfsport Hitzeregelungen?

Welche Konsequenzen werden für den Sport allgemein aus den Änderungen des Klimas gezogen? Sportverbände und Sportinstitutionen weltweit haben teilweise bereits mit speziellen Hitzebestimmungen reagiert. Allerdings betrifft dies vor allem ohnehin heiße Regionen wie Australien oder Teile der USA, etwa Golf Australia.  In Europa ist Frankreich in diesem Bereich relativ progressiv. Nachdem in dieser Woche im Raum Bordeaux Großveranstaltungen und Events schon wegen zu starker Hitzebelastung abgesagt wurden, sind auch Sportveranstaltungen betroffen.

Die AK 65 und die kleinen Kinder

Grundsätzlich kann große Hitze bei jeder Altersklasse zu Hitzestress führen. Denkt man über die Einteilung der Golfklassen nach, so sind vor allem die Altersklassen Ak65 und Ak 12 gefährdete Gruppen. Wenn es keine nationalen oder regionalen Empfehlungen der Golfverbände zum Umgang mit extremer Hitze gibt, liegt es in der Verantwortung des Ausrichters eines Turniers sich mit den möglichen Folgen der Hitze auseinanderzusetzen. Hitzestress kann tödliche Auswirkungen haben. Und diese nehmen mit den stetig zunehmenden Hitzewellen eben zu.