Biodiversität zum Anfassen
Der Mensch schützt das, was er selbst erlebt hat. Diese Erkenntnis, die zuletzt 2024 durch eine japanisch-englische Studie bestätigt wurde, gilt auch für den Golfplatz. Was bringt das Infoplakat am Schwarzen Brett über invasive Arten, wenn die wenigsten Personen diese tatsächlich in der freien Natur identifizieren können? Was nützt der Artikel über den wichtigen Schutz von Wildbienen auf sandigen Böden, wenn Golfer keine konkreten Vorstellungen davon haben, wie ein guter sandiger Rohboden, in dem Wildbienen nisten, in der Realität aussieht? Die Bedeutung von Biodiversitätsmaßnahmen für viele Golfanlagen, die damit in Sachen Umwelt- und Naturschutz oftmals in ihrer Region großen Mehrwert schaffen, wird für die Mitglieder viel besser verständlich, wenn sie mit Emotionen verbunden ist.
Schafprojekt im Märkischen GC Potsdam
Wie also schafft man aktive Erfahrungen für Golfer und Golferinnen rund um das Thema Biodiversität auf dem Golfplatz? Das Schafprojekt des Märkischen Golfclub Potsdam ist hier ein erstklassiges Beispiel: Bereits im vierten Jahr kümmern sich Mitglieder der Golfanlage um eine Schafherde, die in einem umgebauten großen Anhängerwagen untergebracht ist und täglich Flächen jenseits der Fairways abgrast. Ein Berliner Schäfer wollte die Schafe 2020 gerne loswerden, seitdem sind sie auf der Golfanlage untergebracht. Der Mehrwert von grasenden Schafen wird von Naturschützern immer wieder betont: Auf Flächen, die von ihnen beweidet werden, sammeln sich besonders viele Arten an. Und: Im Märkischen Golf Club hat der direkte Kontakt zu den Schafen zu deutlich mehr Wissen rund um die Tiere geführt.
Arbeitsgruppe Golf & Natur im GC Prenden
„Golfanlagen, die das Thema Biodiversität für ihre Mitglieder erlebbar machen wollen, sollten darauf achten, dass eine Person aus der Geschäftsführung, dem Management oder Greenkeeping die Steuerung übernimmt, damit das Projekt koordiniert abläuft.“ Das rät Dr. Gunther Hardt, Leiter des Arbeitskreises Biodiversität beim Deutschen Golf Verband. So wie im GC Prenden zum Beispiel, wo Clubmanagerin Marta Lusawa den Start des Programmes Golf & Natur auf der Golfanlage zum Anlass nahm, Mitglieder zur Mithilfe im Rahmen einer Arbeitsgruppe aufzurufen. „Das Feedback war großartig, und vor allem haben wir bei der Gelegenheit festgestellt, dass wir einige Mitglieder mit echter Expertise im Club haben.“ Seit 2025 ist die Golf & Natur-Gruppe nun im regelmäßigen Austausch und hilft bei Golf & Natur-Projekten mit.
Ein besonderes Anliegen ist Lusawa die Entfernung des Jakobskreuzkrautes. „Invasive Arten sind ein zunehmendes Problem auf Golfanlagen und müssen unbedingt entfernt werden“, rät Hardt. In den meisten Fällen sei das Greenkeeping-Personal dazu aber aus Zeitmangel nicht in der Lage. Ein idealer Fall für eine Mitgliederaktion: Auf diese Weise lernen die Golfer die Problematik invasiver Arten kennen, das Gemeinschaftsgefühl wird bei einer mehrstündigen Aktion gestärkt und der Umwelt ist auch noch geholfen. In Prenden hat Lusawa einen Satz Gartenharken, Scheren und Gartenhandschuhe gekauft und die Mitgliedschaft generell für das problematische Jakobskreuzkraut sensibilisiert. „Es gibt immer wieder Golfer, die jetzt bei einer Runde nach einem Schlag in die Wiesen auch die eine oder andere Pflanze entfernen.“
Wichtig ist bei solchen Projekten auch die positive Kommunikation: Wer die Aktionen zum Thema Biodiversität in der Clubzeitschrift, auf Social-Media-Kanälen oder bei Veranstaltungen positiv als Erfolgsgeschichte hervorhebt, sorgt dafür, dass die Beteiligung der Mitglieder wächst und die Motivation steigt. Umweltpsychologen weisen in diesem Zusammenhang immer wieder darauf hin, dass Vorbilder das Verhalten der gesamten Gruppe enorm beeinflussen. Und: Wer selbst eine Pflanze setzt und sich auf dem Golfgelände aktiv einbringt, entwickelt eine langfristige Bindung zur Natur auf dem Golfplatz.
Gleichzeitig fördert der genaue Blick auf die Wiesen auch die Artenkenntnis. Wieviele Golfer wissen schon, dass auch die Wespe und die Hummel zu den Wildbienen zählten, die als Gattung insgesamt stark bedroht sind. Im Rahmen eines Turniers rund um den „Tag der Biene“ lässt sich solches Wissen gut vermitteln. Viel Anklang finden auch Exkursionen bei Nacht, bei denen man zum Beispiel Nachfalter aber auch Fledermäuse entdecken kann. Örtliche Naturschutzgruppen sind in der Regel gerne zur Kooperation mit Golfanlagen bereit und leiten eine Führung, wenn nicht nur Mitglieder des Golfclubs sondern auch andere Interessierte teilnehmen dürfen.
Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt, findet Biodiversitäts-Experte Dr. Gunther Hardt. „Es gibt zahlreiche Best-Practice-Beispiele von Golfclubs, auf die man zurückgreifen sollte, wenn man sich als Club erstmals an das Thema wagt.“ Denn auch das ist aus seiner Sicht entscheidend: Die Offenheit, etwas Neues zu lernen, sei wichtig. Im Märkischen Golfclub Potsdam kann man das nur bestätigen: Aus dem Abenteuer Schafhaltung ist inzwischen ein wichtiges Element für den Club geworden – die Freude ist groß, wenn die Tiere nach der Winterpause im Mai wieder in ihren Schafwagen einziehen.









Foto: Nicolas Martin-Beaumont