„Wenn man schlecht beim Thema CO₂ ist, wird man auf Dauer auch schlechtere Karten im Wettbewerb haben.“ Für Olaf Henningsen, Präsident des GC Kitzeberg nahe Kiel, ist das zwar noch ein Zukunftsszenario – aber eines, mit dem sich die Verantwortlichen der 18-Löcher-Anlage konstruktiv auseinandersetzen.
CO₂-Reporting macht Hotspots deutlich
Der Traditionsclub gehört zu den wenigen Anlagen in Deutschland, die eine spezialisierte Firma mit der Erstellung eines CO₂-Reportings beauftragt haben. Das Ergebnis: 249,26 Tonnen CO₂ insgesamt stieß die Golfanlage 2023 aus. 59 % entfallen auf Scope 3, 15% auf Scope 2, 26% auf Scope 1. Hinter den nüchternen Zahlen stehen folgende Fakten, die übrigens denen anderer deutscher Golfclubs beim Thema CO₂ stark ähneln:
• Der Club ist nicht klimaneutral.
• Der höchste CO₂-Verursacher ist das Thema Mobilität.
• Weitere große Faktoren sind Strom, Heizen, Greenkeeping-Maschinen
• Bei den Verbrauchsstoffen ist der Dünger der CO₂-Treiber Nummer 1
Henningsen sieht diese Zahlen abgeklärt. Schließlich ist ihm und seinem Präsidium die Bilanz vor allem deshalb wichtig, weil sie den Verantwortlichen hilft, Investitionen in die Entwicklung der Anlage in Zukunft so zu tätigen, dass sie den CO₂-Ausstoß senken. Daran geht aus seiner Sicht kein Weg vorbei: „Deutschland will klimaneutral werden, da müssen wir auch besser werden“.
„Greenwashing“ ist für GC Kitzeberg keine Option
Mit diesem Ziel vor Augen, machte es für das Präsidium des Clubs deshalb auch keinen Sinn, den heiklen Punkt Scope 3 mit der Mobilität, der bei einem CO2-Reporting eine optionale Berechnung ist, herauszulassen. Greenwashing sei mit dem GC Kitzeberg schließlich nicht zu machen. „Uns geht es darum, in kleinen Schritten immer besser zu werden und unsere Mitglieder auf diesem Weg mitzunehmen.“
Fahrgemeinschaften fördern
Beim Thema Mobilität gehen die Teams beispielhaft voran: Fahrgemeinschaften sind inzwischen fast schon Standard. Bei einer Trainingsreise lieh man die Trolleys vor Ort aus, um auch sicher immer vier Personen in jedes Auto zu bringen. „Mit vier Leuten ist es ohnehin lustiger auf der Fahrt“, sucht Henningsen sofort den positiven Aspekt der Maßnahme – so wie bei all‘ seinen anderen Nachhaltigkeitsprojekten.
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Die autonomen Fairwaymäher sind im Club inzwischen bestens etabliert: „Die Qualität unserer Fairways ist besser und das kommt bei den Mitgliedern gut an.“ Bei einem neuen Grünmäher ist der Club inzwischen auf die elektrische Variante umgestiegen. Head-Greenkeeper Wojciech Listopadzki schätzt auch die Tatsache, dass die elektrischen Modelle deutlich leiser sind als dieselgetriebene Fahrzeuge. Bei einem stadtnahen Club wie Kitzeberg werden Diskussionen um das Thema Lärm damit deutlich reduziert.
Der Strom für die Mäher kommt noch nicht aus der eigenen PV-Anlage. Die Investitionen allein in die Umstellung von Greenkeeping und Clubhaus auf erneuerbare Energie erfordern beachtliche Investitionen, die eben Schritt für Schritt gemacht werden müssen. „Aber die Dächer all‘ unserer neuen Gebäude sind bereits so angelegt, dass PV montiert werden kann“, weist der Präsident auf die Notwendigkeit einer langfristigen Transformationsstrategie hin.
Andere Projekte lassen sich schnell umsetzen: Der Verzicht auf den Plastikflaschenverkauf im Club zum Beispiel. In Kitzeberg stehen inzwischen an diversen Stellen des Golfplatzes Füllstationen für Trinkflaschen.
Der komplette Weg der CO₂-Reduzierung ist geprägt von einem ständigen Abwägungsprozess: Bei der Reduzierung von Dünger und einem potenziellen Verzicht auf Pflanzenschutzmittel, ist dem Präsidium eine sehr gute Spielqualität wichtig. „Wir tun alles dafür, die Risikofaktoren zu minimieren“, resümiert Henningsen. „Aber bei Pilzbefall können wir noch nicht auf Chemie verzichten.“
„Machbares machen“ ist deshalb auch das Motto des CO₂-Reports für den GC Kitzeberg. Klimaneutralität im Golfclub kann nicht von heute auf morgen erreicht werden. Sie passiert in kleinen Schritten. Wichtig ist die Kontinuität – so wie im GC Kitzeberg.









Foto: Canva/AI generated