Bois d’Arlon: Europas Zukunftslabor für Top-Resorts
Wo in Europa kann man einen Blick in die Zukunft der Golfindustrie werfen? Hier im belgischen Golfresort Bois d’Arlon, etwa 20 Minuten von Luxemburg entfernt, ist so ein Ort. Auf den ersten Blick spürt man das nicht – nach der Einfahrt durch die beeindruckende Buchenallee fällt der Blick auf einen topmodernen Hotelkomplex mit 64 Zimmern, daneben die Ausläufer der 27-Löcher-Golfanlage, die 2024 eröffnete und schon jetzt als Schauplatz großer internationaler Turniere gehandelt wird.
Den Blick in die Zukunft erhascht man, wenn man einen Blick auf die Regularien und Naturschutzvorgaben wirft, mit denen sich der Investor Robert Schintgen bei der Umsetzung seiner Vision ein nachhaltiges Premium-Golfresort zu schaffen, auseinandersetzt.
In der belgischen Region Wallonie verfolgen die Behörden seit 2018 eine strikte Zero-Phyto-Politik, also das Ziel eines pestizidfreien öffentlichen Raums. „Wir haben nichts“, resümiert Gaëtan Lits, der Head-Greenkeeper. Er ist ein Top-Mann in der Grenekeeping-Branche, 2024 wurde er in Belgien zum Greenkeeper of the Year gewählt.
Zusammen mit seinem Stellvertreter Ollie Campbell steht er bester Dinge vor dem großen Putting-Grün, das sich an eine top-moderne Driving Range und den Hotelkomplex anschließt. Lits ist seit dem Bau der Golfanlage vor Ort, hat die Anwuchsphase der 27-Löcher mitgemacht. Zusammen mit Orwell und ihrem Greenkeeping-Team besteht ihre tägliche Mission darin, eine erstklassige und zugleich nachhaltige Golfanlage zu entwickeln, die den geltenden Gesetzen entspricht.
Es braucht eine Vision, um unter solch‘ schwierigen Ausgangsvoraussetzungen ein neues Golfresort zu realisieren. Robert Schintgen stammt aus der Real Estate Branche, die Genehmigungszeit von fast zehn Jahren für das Golfresort hat ihm nicht die Motivation genommen. Er kennt das aus dem Gebäudebau in Luxemburg. Er hängt an dem Golf-Resort, „weil es anders als die reinen Immobilienprojekte etwas mit Natur zu tun hat und ich der Nachwelt etwas Positives hinterlassen kann.“ Er schafft Grün, wo keins mehr war. Das rund 220 Hektar große Areal mit einem Schloss wurde vom Vorbesitzer weitgehend als Forstbetrieb genutzt, der Wald gerodet und verkauft. „Da stand kein Baum mehr, wir haben schon so viele neue gepflanzt. Wir werden noch viele Bäume pflanzen, solche die noch besser zur Natur passen und dem Klimawandel gewachsen sind.“
Die Auswirkungen des Klimawandels in Zentraleuropa, die enormen regulatorischen Auflagen, der hohe Anspruch von Mitgliedern und Gästen, all‘ das kommt hier zusammen und macht einen möglichst nachhaltigen Ansatz alternativlos.
Das Wassermanagement
Das Brauchwasser aus dem Hotel fließt in eine große Recyclinganlage, gut versteckt im Erdreich neben der Driving Range. Von dort wird es in einen der drei großen Speicherteiche gepumpt, die insgesamt 120.000 m³ Wasser fassen. Ein Großteil des Wassers stammt aus fast 35 Kilometer Drainagerohren, die sich über die Anlage ziehen. Diese 27-Löcher-Anlage lebt komplett ohne Trink- oder Grundwasser, zapft keine Seen oder Flüsse an. Sie arbeitet mit Regenwasser und Brauchwasser. Wer über resilientes Wassermanagement der Zukunft spricht – hier kann er es sehen.
Die Gräser und das Wetter
Das Gras der Wahl dazu war für den Bauherren Festuca: Robust, trockenbeständig, krankheitsresistent. Was sich zuerst einmal unproblematisch anhört, hat in der Realität seine Tücken. „Als wir mitten in der Anwuchsphase im Juni 2022 steckten, mussten wir mit einer ziemlichen Dürre zurechtkommen“, erinnert sich Gaëtan Lits. Seitdem hat es solche Trockenphasen noch mehrmals gegeben. „Wir sind eigentlich seit Tag 1 immer in der Defensive“ – er sagt das mit einem Gesichtsausdruck, der Nachdenken verrät und trotzdem Optimismus. Die zwei verantwortlichen Greenkeeper wissen – ihre Situation ist alles andere als einfach. „Aber am Ende geht es darum, den Stress für das Gras zu reduzieren, die Düngermengen zu kontrollieren und mit den Unkräutern klarzukommen, die sich gerne breit machen.“ Auf die Frage nach der Reaktion ihrer europäischen Kollegen auf ihre Erfahrungsberichte, lachen sie beide: „Ganz viele Länder wissen gar nicht, was ihnen noch bevorsteht,“ lautet Orwells Bilanz. Er hat Agronomie in den USA studiert, in Kanada gearbeitet. Wie locker dort die Pestizidvorgaben im Vergleich mit der Wallonie sind, ist ihm bewusst.
Die Konkurrenz in der Umgebung
Und dann ist da noch die Frage der Wirtschaftlichkeit: Auch in Bois d’Arlon sollen Hotelzimmer gefüllt, Tee Times gebucht, Mitgliedschaften verkauft werden. Der Standort der Anlage, ihre Ausrichtung als Top-Resort macht Vieles einfacher. Gleichzeitig sind es speziell die fehlenden Pestizide im Gebrauch, die Anlagen in der Umgebung manchmal einen Vorteil verschaffen. „Meistens ist das ja eine Frage der Asethetik“, resümiert Lits. Steht das Gänseblümchen auf dem Fairway, ja oder nein? Aber mit der Konkurrenz von Golfanlagen in Luxemburg oder auch außerhalb der Wallonie kommt eben ab und an auch die Frage von Kunden oder Geschäftspartnern auf, wieso man denn an dieser nachhaltigen Praxis festhalte.
Ein permanenter Lernprozess
„Wir versuchen uns ständig anzupassen, immer besser zu werden“, lautet die Antwort der Greenkeeper. Mit Blick auf die Grüns kann man sagen – das gelingt dem Team ausgesprochen gut. Die Flächen sind perfekt. Seine Erfahrung mit dem Projekt Bois d’Arlon kann Gaëtan Lits jetzt auch auf nationaler Ebene einbringen. Der belgische Golfverband hat inzwischen den Präsidenten des Greenkeeperverbandes im Präsidium – und das ist Lits. Auf diese Weise entsteht der direkte Austausch zu Themen wie Qualität, Gesetzgebung und Greenkeeping.
Bois d’Arlon ist deshalb in vielerlei Hinsicht eine Art Zukunftslabor. Europas Golfindustrie sollte einen genauen Blick auf die Laborergebnisse werfen. Sie erzählen viel darüber, was zukünftig an Ressourcen, Wissen und Investitionen nötig ist, um Top-Qualität zu erreichen.
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