Und was passiert mit der Platzqualität? Das ist die große Frage, die viele Greenkeeper bewegt, wenn es um das Aus bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln auf Golfplätzen geht. Obwohl ein endgültiges Aus der Verwendung der Chemikalien von Seiten der EU aktuell nicht im Raum steht, beweist der Blick auf andere europäische Nationen, dass eine Verschärfung der Gesetzgebung oder sogar das komplette Verbot von Herbiziden oder Fungiziden durchaus ein Thema ist. Sowohl in Teilen Belgiens als auch in der Schweiz und Frankreich müssen sich Golfclubs mit schärferen Pflanzenschutzmittelgesetzen auseinandersetzen als in Deutschland.
Michael Scheffold, Headgreenkeeper im GC Wörthsee, hat diesen Winter den Realitätscheck gemacht und komplett auf den Einsatz von Fungiziden verzichtet. „Mich hat interessiert, wie der Platz aus dem Winter kommt, wenn ich keine Anwendung auf den Grüns mache“, erklärt er seine Beweggründe. „Wenn es dann wirklich einmal ein Verbot gibt, weiss man wenigstens, wie die Grüns reagieren.“
Das Ergebnis ist aus seiner Sicht besser als erwartet: „Die Grüns hatten etwas mehr Schneeschimmel als in den vergangenen Jahren, aber es war in einem Bereich, der akzeptabel war.“ Die Tatsache, dass das Frühjahr kalt und trocken war, verzögerte das Wachstum der Gräser zwar, Mitte Mai aber sind „die Grüns wieder fast so gut wie sonst.“ Aufgrund der Trockenheit musste Scheffold allerdings bereits mit der Beregnung der Spielflächen arbeiten.
Wie aber denkt die Mitgliedschaft über veränderte Spielbedingungen durch geringeren Pestizideinsatz? Wie reagieren Mitglieder, wenn die Grüns weniger perfekt sind als üblich. „Ja, es hat die eine oder andere Nachfrage gegeben“, resümiert Michael Scheffold. „Aber der Head-Greenkeeper ist da in seiner Entscheidung ziemlich frei, wir vertrauen ihm da“, erklärt Sven Hilgenberg, der Geschäftsführer des Clubs. Schließlich, so sein Kommentar, wolle auch der Club für zukünftige Szenarien ohne Pflanzenschutzmittel gerüstet sein. Deshalb teste man häufiger neue Arbeitsweisen oder Anwendungen, um im Greenkeeping auch up-to-date zu sein.
Grundsätzlich gilt in Deutschland von Seiten der Verbände die Empfehlung an die Clubs, dem sogenannten Integrated Pest Management zu folgen. IPM ist ein Ansatz zur Pflege von Golfanlagen, bei dem Krankheiten, Schädlinge und Unkräuter möglichst umweltschonend kontrolliert werden. Dabei werden zunächst vorbeugende Maßnahmen wie standortgerechte Gräser, optimierte Bewässerung, Bodenpflege und Biodiversitätsförderung genutzt, bevor chemische Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Ziel ist es, die Spielqualität der Plätze zu erhalten und gleichzeitig Umweltbelastungen, Risiken für Mensch und Natur sowie den Einsatz von Pestiziden deutlich zu reduzieren.
Auch Michael Scheffold vertraut bei der Pflege seiner Spielflächen seit Jahren verstärkt auf mechanische Maßnahmen, die dazu beitragen, die Gesundheit des Bodens und der Gräser zu fördern. Das kostet zwar mehr Zeit und Personal, sorgt letztendlich aber dafür, dass der Golfplatz robuster wirdt und Attacken zum Beispiel von Pilzen besser verkraftet. Sein Testlauf ohne Fungizide im vergangenen Winter gibt ihm Recht.








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Foto: Märkischer GC Potsdam