Achtung Ast
Es kracht und unvermutet liegt der Ast nicht weit weg vom Ball. Ein Blick auf den beachtlichen Durchmesser des Stückes lässt erkennen: Ungefährlich ist die Situation nicht.
Mit zwei Arten von fallendem Holz haben Golfanlagen inzwischen zu tun: einmal das Totholz von Bäumen, das sich leicht an abfallenden Rinden, grauer Farbe oder fehlendem Laub erkennen lässt. Abgestorbene und kahle Äste fallen herab.
Grünastbruch nennt sich das zweite Phänomen, das sich in besonders trockenen Phasen verstärkt und deshalb derzeit auf Golfplätzen mit viel Baumbestand zum Tragen kommt, weil die Bäume aufgrund von Trockenheit und Hitze zunehmend gestresst sind. Sie kämpfen mit trockenen Böden, die dem Baum nicht mehr genügend Feuchtigkeit liefern, um alle Kronenbereiche, Blätter und Seitenäste ausreichend zu versorgen. Dadurch sinkt der Zelldruck im Inneren des Baumes und die Eigenspannung, die einen Ast eigentlich stabilisiert, ist plötzlich weg. Hinzu kommt das Problem der steigenden Temperaturen. Die Bruchfestigkeit von Holz nimmt deutlich ab.
Sind in diesem Moment Golfspieler in der direkten Umgebung, ist das ein Problem. Schließlich können größere Äste, die auf einen Spieler fallen, erhebliche Verletzungen hervorrufen. In der Pflicht ist in diesem Fall der Golfclub: Er ist dafür zuständig, dass sich Personen auf seinem Gelände gefahrenlos bewegen können. Die regelmäßige Kontrolle und Pflege der Bäume ist deshalb wichtig, auch wenn selbst Experten die Gefahr von Grünastbruch nur schwer abschätzen können, da die Bäume auf den ersten Blick gesund wirken.
Im Wittelsbacher Golf Club in Neuburg an der Donau und im GC Feldafing am Starnberger See ist man mit dem Thema bestens vertraut: Beide Anlagen verfügen über einen außergewöhnlich hohen Bestand an alten und großen Bäumen. Grünastbruch verzeichnen sie im Sommer 2026 noch nicht, mit Gefährdung durch Totholz haben sie ebenfalls kein Problem, weil sie auf Vorbeugung setzen. Sowohl für Korbinian Kofler als Geschäftsführer des Wittelsbacher GC als auch für Florian Kohlhuber als Clubmanager in Feldafing ist die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Baumpflegern und Baumexperten selbstverständlich. In Feldafing, wo aufgrund der Lage im Lenné-Park besondere Auflagen der Schlösser- und Seenverwaltung gelten, ist man inzwischen mit dem Baumfachkompetenzzentrum Bayern in einem ständigen Austausch. »Alle Bäume bei uns sind kartiert«, erklärt Kohlhuber. »Zweimal im Jahr kommen die Experten und begutachten den Park. Danach erhalten wir einen ganzen Ordner, auf dem sämtliche Einzelbäume aufgeführt sind, die beschnitten oder gefällt werden müssen. Auch Totholz wird entfernt.«
Auf diese Weise, so auch die Erfahrung von Korbinian Kofler, lassen sich gefährliche Situationen gut vermeiden. »Durch die halbjährliche Kontrolle der Bäume haben wir im Moment noch kein Problem«, resümiert der Geschäftsführer während der Hitzephase Anfang August 2026. »Leider stellen wir aber fest, dass bei stärkeren Windböen die schweren jungen Triebe am Ende der Äste, vor allem bei Eichen, wegbrechen, was natürlich zu einem Stillstand der Entfaltung bei den Bäumen führt.«
Die halbjährlichen Kontrollen bei beiden bayerischen Clubs sind nicht der Standard in der Golfszene. Baumpflegearbeiten sind oft aufwändig und kosten Geld. . Hinzu kommt, dass die Bäume, die von Grünastabbruch betroffen sind, oftmals auf den ersten Blick gesund wirken. Oft sind die Kronen voller Blätter – Pilze, Risse oder faule Stellen sind nicht zu erkennen. Golfanlagen sehen also keinen Handlungsbedarf.
Mit zunehmender Hitze und Trockenheit wird es immer wichtiger, Bäume auf der Anlage zu pflegen und zu begutachten. Waren früher vor allem Pappeln von Grünastabbruch betroffen, gelten inzwischen auch Weiden, Buchen, Ahorn, Eichen, Eschen und Rosskastanien als gefährdet. Brechende Äste sind auch in Zukunft keine Ausnahme mehr.
In Deutschland untersucht der Verein SAG Baumstatik e.V. das Thema Grünastbruch im Rahmen eines Projektes. Hier können Fälle von Grünastbruch gemeldet werden, um eine umfassende Datensammlung zu ermöglichen.
INSERT_STEADY_NEWSLETTER_SIGNUP_HERE










Foto: Petra Himmel