Experten-Tipps: Diese Bewässerungs-Fehler müssen Sie vermeiden
Geringe Niederschläge, große Hitze, Beschränkungen bei der Wasserentnahme für die Beregnung von Golfplätzen: Auf vielen Golfanlagen in Europa herrscht seit Wochen eine Krisensituation. Selbst in den Niederlanden, eigentlich ein Land, das Weltmeister beim Thema Entwässerung ist, stöhnen Greenkeeper jetzt über Wassermangel.
Konnten Golfplatzbetreiber in den ersten Wochen mit dem Verweis auf das nachhaltige Sparen von Wasser oftmals noch die leicht bräunlichen Fairways rechtfertigen, so wird jetzt klar: Flächen, die überhaupt nicht mehr bewässert werden können und zu wenig oder gar keine Niederschläge bekommen, werden nicht nur braun, sondern geraten unter Spielbelastung oftmals zu staubigen Bereichen, auf denen sich Unkraut durchsetzt oder eine komplette, teure Neuansaat nötig wird.
Im Gespräch mit Experten wird klar: Beim Thema Beregnung kommen in einer Hitze- und Dürrephase, wie sie weite Teile Europas derzeit erleben, zurzeit mehrere Missstände sichtbar, die bei Golfanlagen zum Teil auch in Kombination auftreten.
- Die Wasserversorgung des Clubs ist generell nicht langfristig auch in Dürrephasen gesichert. Das heißt: Die Golfanlage verfügt nicht über ausreichend Wasser, um sechs bis acht Wochen aus eigenen Beständen eine Notberegnung der wichtigsten Flächen zu gewährleisten.
- Die Wasserversorgung ist zwar gesichert, aber die Beregnungsanlage ist zu alt oder unmodern, um die nötigen Mengen in einem bestimmten Zeitraum auszubringen.
- Die Beregnungsanlage ist zwar modern, in ihrer Flächenabdeckung aber noch nicht auf den aktuellen Bedarf angepasst. Ein Beispiel: Regner sind in bestimmten Fairwaybereichen überhaupt nicht vorgesehen, weil man davon ausgeht, dass »es ja immer zwischendurch regnet«.
- Das Personal ist so minimal berechnet, dass keine Zeit bleibt, sich intensiv mit der Beregnungsanlage auseinanderzusetzen.
- Das Personal ist nicht ausreichend in Sachen Beregnungstechnik geschult.
- Aufgrund von Kommunikationsmängeln in der Vergangenheit passt die Erwartungshaltung der Golfspieler auf einer Anlage nicht zur Verfügbarkeit des Wassers.
Viele der oben genannten Probleme können nicht kurzfristig innerhalb der nächsten Tage oder Wochen abgestellt werden. Viele kleine Fehler im täglichen Greenkeeping-Betrieb führen aber auch dazu, dass Wasser nicht effizient genützt wird oder Golfanlagen qualitativ nicht den Standard haben, den sie eigentlich haben könnten.
Golf Sustainable hat deshalb vier deutsche Beregnungs-Experten gefragt, die sich tagtäglich mit dem Thema Golfplatzbewässerung auseinandersetzen. In einem Punkt sind sich alle einig: Es gibt keine Einheitslösung, die für jeden Golfplatz gilt: Der Boden unterscheidet sich, die Beregnungsanlage ist überall anders, die lokalen Regulierungen weichen voneinander ab und obendrein hat jede Golfanlage eine eigene individuelle Menge an Wasser zur Verfügung. Das heißt: Nur ein Beregnungsaudit kann wirklich für jede Anlage die maßgeschneiderte Lösung bieten.
Unabhängig davon aber sagen die vier Bewässerungs-Experten auch: Fehler lassen sich vermeiden und sorgen zum Teil kurzfristig für Wasserersparnis und/oder Qualitätsverbesserung. Hier ist eine Auswahl der Mängel, die schnell beseitigt werden sollten.
Tobias Bareiß, Training Coordinator und Distribution Manager, TORO Deutschland:
- Die Bewässerungsanlage wird ohne regelmäßige Kontrolle und Anpassung einfach nur laufen Die Erst-Einstellung, die bei Inbetriebnahme der Anlage erfolgte, wird weiter übernommen und nicht an neue Gegebenheiten angepasst.
- Bei auftretenden Trockenstellen oder zu feuchten Bereichen wird lediglich die Bewässerungszeit angepasst, ohne dass wirklich die Ursache ausfindig gemacht wird.
Thomas Himmel, Golfplatz-Designer, Himmel Golf Design:
- Schon bei der Planung des Golfplatzes oder Umbaumaßnahmen muss das Sammeln von Regen- und Drainagewasser mitgedacht werden. Bei fertigen Anlagen können Speicherteiche auch im laufenden Betrieb gebaut werden.
- Die richtigen Gräser sorgen für weniger Wasserverbrauch. Die Nachsaat mit Sorten, die hitzeresistenter sind und weniger Wasser benötigen, kann in den normalen Greenkeeping-Betrieb eingebaut werden.
Christian Steinhauser, Präsident Deutscher Greenkeeper Verband:
- Ein Fehler besteht darin, häufig und oberflächlich, statt tief und bedarfsgerecht zu bewässern. Seltene, dafür durchdringende Beregnung fördert ein tiefes Wurzelwachstum und macht den Rasen widerstandsfähiger gegen Trockenstress. Kurze tägliche Wassergaben führen dagegen häufig zu flachen Wurzeln und einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit.
- Immer wieder wird nach Kalendertagen statt nach Bedarf bewässert. Bodenfeuchte, Wetterprognosen und die Ansprüche der einzelnen Spielflächen sollten die Grundlage jeder Bewässerungsentscheidung sein. Moderne Bodenfeuchtesensoren oder einfache Feuchtigkeitsmessungen helfen, Wasser gezielt und effizient einzusetzen.
Sven Weinberger, Area Sales Manager, Rainbird:
- Die routinemäßige Kontrolle der vorhandenen Anlage erfolgt nicht oft genug. Einmal pro Woche sollte man sich die Anlage genau ansehen.
- Die vorhandene Technik wird nicht effizient genug genützt, Flächen werden nicht priorisiert. Ein Beispiel: Wenn das genehmigte Wasservolumen nahezu verbraucht ist, kann ich Teilkreisregner so einstellen, dass sie nur noch die Flächen beregnen, die unbedingt beregnet werden müssen. Auch am Fairway können die ersten hundert Meter nach dem Abschlag eventuell aus der Beregnung genommen werden.
Sven Wenzel, Bereichsleiter Beregnung, Sommerfeld AG
- Auf vielen Golfanlagen wird die Beregnungsanlage erst modernisiert, wenn akute Probleme auftreten. Regelmäßige Investitionen bleiben häufig aus, da sichtbare Maßnahmen auf dem Platz oftmals eine höhere Priorität genießen.
- Der tatsächliche Wasserbedarf einer Golfanlage wird häufig nicht detailliert kalkuliert. Ohne eine fundierte Bedarfsplanung kann es insbesondere in trockenen Sommermonaten zu Versorgungsengpässen kommen.
Fazit: Das Thema Beregnung ist komplex, aber überlebenswichtig für eine Golfanlage – auch in Mittel- und Nordeuropa. Mit den Auswirkungen des Klimawandels erwärmt sich Europa schneller als jeder andere Kontinent. Das heißt auch: Die Beregnungsanlage und Beregnungstechnik werden immer wichtiger, wenn man langfristig einen guten Qualitätsstandard einer Golfanlage erhalten will. Dass dies möglich ist, wenn auch mit oftmals mehr Investitionen und in der Folge höheren Preisen, beweisen Golfanlagen in Spanien, Kalifornien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo zum Großteil mit gereinigtem Brauchwasser erstklassige Spielbedingungen erzeugt werden.
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Fotos: Marine GC Sylt/Petra Himmel