Erlösung von Englands Rekorddürre bei Husqvarna British Masters
Gewitter und starker Regen, zwischenzeitlich Spielabbruch beim Husqvarna British Masters in The Belfry im englischen Birmingham: Eigentlich sind solche Unterbrechungen ganz normal im Spielbetrieb der DP World Tour. Mit Blick auf all‘ das braune Gras auf dem Brabazon Course, das direkt hinter den Grenzen von Fairways, Grüns und Tees beginnt, realisiert man aber, dass dieser Regen die Dürre eines Sommers beendet, der außergewöhnlich heiß und trocken war.
Rekordhitze trifft Rekordtrockenheit
Zum ersten Mal in der britischen Wetteraufzeichnung, wurden mindestens 35 Grad sowohl im Mai, als auch im Juni und Juli erreicht. Gleichzeitig war der Juli der trockenste in England seit Beginn der Niederschlagsaufzeichnungen. Rekordhitze traf in diesem Sommer auf Rekordtrockenheit. Vom 1. Juni bis zum Beginn des Husqvarna British Masters verzeichnete die Messstelle in Sutton Coldfield nur rund 130 mm Niederschlag. Am 10. August 2026 waren 71,3 Prozent Englands offiziell Dürregebiet. Mitte August waren über 27 Millionen Menschen von Wasserbeschränkungen betroffen.
Für Englands Golfindustrie war dieser Sommer ein Weckruf: „Das hat die Leute erkennen lassen, dass der Klimawandel real ist“, resümiert Jim Croxton, CEO der British and International Golf Greenkeepers‘ Association. „Wir bekommen keinen Schnee mehr und wir müssen erkennen, dass diese heißen, trockenen Sommer oder eben extrem nasse Winter die neue Normalität sind“, erklärt er den Aha-Effekt in der britischen Golfbranche. Das Thema Wassermanagement geriet bei zahlreichen Golfclubs in den Fokus, weil das Extremwetter Missstände deutlich machte.
Überalterte Infrastruktur bei der Beregnung ist das Problem Nummer 1. „Viele Bewässerungssysteme sind 30 bis 40 Jahre alt und wurden über die Jahre nur geflickt und repariert“, resümiert Croxton. Neue Beregnungsanlagen aber erfordern hohe Investitionen, Beträge von 600.000 Pfund und mehr für 18 Löcher sind bei modernen Anlagen keine Seltenheit.
Mit einer High-End-Beregnungsanlage steigt die Effizienz. Statt mit 360-Grad-Regnern Hecken hinter dem Grün, Roughbereiche entlang der Fairways und womöglich noch geteerte Bereiche im Umfeld mitzuwässern, ist inzwischen die detailgenaue Beregnung der Spielflächen das Maß aller Dinge.
The Belfry setzt auf Brauchwasser
In The Belfry, eine der britischen Top-Anlagen und ehemaliger Ryder Cup-Austragungsort, hat man das Thema längst in Angriff genommen. Course Direktor Angus Macleod hat mit einem Griff zum Handy, seine Beregnungsdaten per Dashboard vor Augen. Millimetermengen beim Regen, Evapotranspiration, Feucht- und Trockenstellen – das Thema Wassermanagement funktioniert hier längst nicht mehr nach Augenmaß, sondern anhand von Daten.
MacLeod hat ohnehin keine allzu großen Wassersorgen. Die Beregnung des Brabazon-Kurses, auf dem das Husqvarna British Masters stattfindet, greift weitgehend auf gefiltertes Brauchwasser zurück, das aus dem Hotelbetrieb des Resorts stammt. Kombiniert mit Grundwasser aus einigen kleinen Speicherteichen ergibt sich so ein tragbares Bewässerungskonzept, das zumindest auf den Spielflächen des Brabazon Kurses zu grünen Spielflächen führt.
Priorisieren muss man allerdings auch in The Belfry. Für alle drei 18-Löcher-Plätze reicht das Wasser nicht, weshalb die Finalisten der Faldo Junior Series, die gleichzeitig zum British Masters der DP World Tour abschlagen, auf deutlich brauneren Abschlägen und Fairways stehen als die Profis.
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Ausreichend große Reservoirs findet man in England oft bei Top-Anlagen wie etwa Woburn, wo man schon vor Jahren einen 110.000 m³ großen Teich baute. Gerade kleinere Clubs haben die langfristige Planung der Wasserabsicherung aber oftmals nicht im Blick. „Die Mehrheit der Golfclubs in Großbritannien wird von Komitees und Mitgliedern geführt“, erklärt Croxton. „Da gibt es die Tendenz zu denken, dass sich das nächste Komitee um dieses große Problem kümmern kann, weil es meistens eine sehr große Investition ist. Das aktuelle Komitee will den Mitgliedern nicht erklären, dass sie für die nächsten zwei Jahre jeweils 2.000 Pfund extra zahlen müssen, um in zehn Jahren abgesichert zu sein.“
Englische Clubs in der Transformation
Die Vorbereitung auf längere Trockenperioden ist nach dem extrem heißen und trockenen Sommer 2026 ein Thema, das viele Clubs in England nun angehen wollen. „Wir bauen jetzt eine neue Beregnungsanlage ein und hoffen auf eine Reduzierung des Verbrauchs von etwa 30 Prozent“, erklärt Chris Bell, Superintendent des Hillside Golf Club, der in Sachen nachhaltiger Strategien wie Woburn zu den Vorreitern des Landes gehört.
Wasser sparen und Wasser sammeln, wenn es zur Verfügung steht. Das sind die beiden Ansätze, die Englands Golfindustrie verinnerlichen muss, um auf Dauer auf Trockenperioden vorbereitet zu sein. Die Nutzung von Leitungswasser, die in England im europäischen Vergleich extrem hoch ist, wird von der Öffentlichkeit kaum noch akzeptiert und ist obendrein teuer. Die Entnahme von Grundwasser oder Oberflächenwasser kann bei Dürre durch die Behörden eingeschränkt werden. Die Beregnung mit Grauwasser wie in The Belfry ist in England, anders als etwa in Kalifornien, die Ausnahme.
Egal um welche Beregnungsform es geht, für Croxton ist auch klar: „Es muss allgemein ein Umdenken stattfinden: Wenn es trocken ist, sollten wir nur genug tun, um die Pflanze am Leben zu halten – wir versuchen nicht zwanghaft, sie grün zu halten.“ Wenn der Regen kommt, kehrt die Farbe ohnehin zurück. So wie dieser Tage in The Belfry. Dort ist die Regenmenge von Donnerstag und Freitag nun so groß wie ein Viertel der gesamten Niederschlagsmenge, die Sutton Coldfield in den knapp drei Monaten seit Anfang Juni erhalten hatte. Das Wetter ist eben zunehmend unkalkulierbar.










