Wie geht die Golfplatz-Architektur mit dem Thema Wasser um? Fest steht – die Schonung der Ressource Wasser hat sich längst auch im Bereich Golfplatzdesign zu einem Kernpunkt der Überlegungen entwickelt. Wobei eines klar ist: Während in Deutschland, der Schweiz, Österreich oder anderen Ländern Kontinentaleuropas die Wasserthematik erst seit Kurzem heiß diskutiert wird, ist sie im internationalen Golfplatzdesign seit Langem ein Thema.
Vor allem Speicherteiche geraten dabei zunehmend in den Fokus, weil sie eine Zwischenspeicherung von Wasser im Winter oder regenreichen Phasen erlauben. Die gesammelten Wassermengen können dann in Trockenphasen genutzt werden.
Größe und Kosten
Wie groß sollte der Speicherteich sein? „Natürlich hängt der Verbrauch jeder Anlage stark von individuellen Faktoren wie Bodenverhältnissen und Bewässerungskonzepten, ec. ab“, erklärt der Münchener Golfplatzdesigner Thomas Himmel, der bereits vielfach Speicherteiche realisiert hat. „Aber 5000 m³ Wasser sind leicht in zehn bis zwölf Tagen weg, weshalb es Sinn macht, bei den Teichen eher groß zu denken. 10.000 m³ nutzbares Volumen sind nicht zu viel, wenn man es als Reservespeicher nutzt.“ Bei kleineren Teichen, so Himmel, verdunstet das Wasser schneller, die nutzbare Kapazität ist deutlich geringer, und auch die Vernetzung der einzelnen Speicherteiche ist oft kompliziert.“ Speicherteiche mit einem Volumen von 40.000 m³ oder mehr sind deshalb in trockenen Regionen keine Seltenheit.
Allerdings erhöht sich mit der Größe natürlich auch das Kostenvolumen stark. „Allein in den vergangenen zwei Jahren haben sich die Kosten für einen Speicherteich um bis zu 15 Prozent erhöht. Aufgrund der jeweils unterschiedlichen Vorgaben vor Ort kann man keinen Standard-Kubikmeter-Preis vorgeben, aber zwischen 200.000 und 500.000 Euro sollte man je nach Größe auf jeden Fall einkalkulieren.“ Dabei spielt zum Beispiel auch eine Rolle, ob eine Folie verbaut wird, um das Wasser zu halten, oder ob ein stark lehmhaltiger Boden das Wasser in hohem Maße hält.
Auch die Abdeckung von Speicherteichen ist kostenrelevant. Wenn die Verdunstung minimiert werden soll, können schwimmende Abdeckungen für Teiche, die einer offenen Zisterne gleichen, die Lösung sein. Es gibt international inzwischen aber auch bereits Beispiele für Teichanlagen, die mit Solarpaneelen abgedeckt sind und so einerseits Strom erzeugen, andererseits aber auch die Verdunstung minimieren.
Technische Teiche
Abseits der Spielbahnen besteht laut Himmel auch die Möglichkeit, deutlich größere und vor allem tiefere Speicherteiche zu bauen, um so die Verdunstungsfläche klein zu halten. „Hier muss man dann auf optische und spielerische Elemente keine Rücksicht nehmen und auch die Sichtbarkeit der Folie beim Absinken des Wassers ist dann kein optisches Problem. Allerdings haben viele Golfanlagen dafür nicht genügend Grundstück zur Verfügung.“
Aushub verwenden
Um zukünftige Beschränkungen bei der Entnahme von Grundwasser in Trockenzeiten zu berücksichtigen, empfiehlt Golfplatzdesigner Himmel den Aushub des Teiches sofort für eine Aufwertung der Golfanlage zu verwenden. „Hier kann man Wasser bei extremen Regenfällen über Gullys in einen Teich umleiten, sodass es nicht verloren geht. Gleichzeitig lässt sich der Aushub natürlich auch verwenden, um Verbesserungen an einzelnen Spielbahnen umzusetzen.
Schließlich geht die hohe Kunst der Anlage eines guten Speicherteiches über die reine Funktionalität hinaus: „Idealerweise ist ein Speicherteich, solange er sich auf dem Platz befindet, auch ein Spielelement. Das heißt, er ist optisch ansprechend und hat auch noch einen strategischen Zweck,“ erläutert Golfplatz-Designer Thomas Himmel, der derzeit auch für den Golfclub Achensee einen Speicherteich umsetzt.
Mehrwert für Biodiversität
Je nachdem, für welche Art von Teich man sich entscheidet, können sich auch noch Mehrwerte für die Biodiversität der Anlage ergeben. „Teiche in Kombination mit Flachwasserzonen sind ein typisches Beispiel für Varianten, die auch der Artenvielfalt guttun.“ Auch eine passende Uferbepflanzung, wertet die Gewässer auf.
Ein Thema – viele Facetten
Fest steht – Speicherteiche schaffen zwar die Lösung für die Beregnungsprobleme vieler Golfanlagen, müssen in der Umsetzung aber genau an die Bedürfnisse der einzelnen Anlage angepasst und entsprechend geplant werden. Nur dann macht am Ende das Ergebnis auch wirklich Sinn.
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Foto: Rafa Lawah