Im Herbst gehört Tau zum Alltag auf dem Golfplatz. Wenn die Temperaturen nachts sinken und die Luft feucht ist, liegt am frühen Morgen häufig ein feiner Wasserfilm auf den Gräsern. Was für Golfer zunächst nur bedeutet, dass die Schuhe nass werden und der Ball weniger weit rollt, spielt bei der Pflege der Rasenflächen eine wesentliche Rolle. Denn bleibt die Grasnarbe über viele Stunden feucht, können sich bestimmte Rasenkrankheiten leichter entwickeln. Spricht man mit Christian Spring, Principal Scientist bei der STRI Group, einem der weltweit führenden Forschungs- und Beratungsunternehmen für Golf- und Sportrasen, so erkennt man, wie komplex das Thema Tau ist und welch‘ weitreichende Folgen für die Qualität eines Golfplatzes es haben kann. Tau – so die Erkenntnis – mag harmlos aussehen – kann aber echte Probleme verursachen, wenn auf das regelmäßige Entfernen verzichtet wird. Mit Blick auf die Personalproblematik bei so mancher Golfanlage ist genau das nämlich ein Thema – zeitintensive manuelle Aufgaben stehen zur Disposition, wenn nicht genügend Greenkeeper vorhanden sind.
Was ist Tau eigentlich?
Tau entsteht, wenn sich die Luft und insbesondere die Oberfläche der Gräser während der Nacht abkühlen. Die Feuchtigkeit aus der Luft schlägt sich als kleine Wassertropfen auf den Blättern nieder. Je nach Wetterlage kann dieser Zustand viele Stunden anhalten – typischerweise von den späten Abendstunden bis in den Vormittag. Dabei kann sich die Gesamtmenge an Tau im Spätsommer durchaus auf deutlich über 1000 Liter pro 18 Löcher ansammeln.
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Für den Golfplatz ist Tau deshalb nicht einfach nur „ein bisschen Wasser“. Die lange Feuchtigkeit auf den Blättern verändert das Mikroklima unmittelbar an der Grasoberfläche. Gleichzeitig enthält der Belag neben kondensiertem Wasser auch Flüssigkeit, die aus den Pflanzen selbst stammt und unter anderem Zucker und Aminosäuren enthält.
Warum muss Tau entfernt werden?
Der wichtigste Grund ist die Gesundheit des Rasens. Eine dauerhaft feuchte Blattoberfläche schafft günstige Bedingungen für verschiedene Pilzkrankheiten. Besonders bekannt ist dabei Dollarspot, eine Rasenkrankheit, die sehr schnell größere Schäden auf Spielflächen anrichten kann und vor allem auf Grüns die Spielqualität massiv beeinträchtigt.
Dabei ist nicht der Tau selbst das Problem. Entscheidend ist die sogenannte Blattnässe: Je länger die Blätter ohne Unterbrechung feucht bleiben, desto günstiger können die Bedingungen für Krankheitserreger sein. Wird die Feuchtigkeit dagegen regelmäßig unterbrochen, wird dessen Entwicklung erschwert.
Das ist insbesondere im Herbst relevant. Kühle Nächte, ausreichend Feuchtigkeit und noch relativ warme Tage können Bedingungen schaffen, unter denen der Krankheitsdruck steigt. Tauentfernung ist deshalb ein Baustein, mit dem Golfanlagen versuchen können, Krankheiten möglichst früh und möglichst ohne zusätzlichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln unter Kontrolle zu halten.
Eine Untersuchung der Pennsylvania State University aus dem Jahr 2011 bestätigt diesen Zusammenhang. Bei den dort untersuchten Fairwayflächen führte die tägliche Tauentfernung in den Spätsommer-Versuchen zu einer deutlichen Verringerung des Dollarspot-Befalls. Gleichzeitig verlängerte sich die Schutzwirkung von Fungiziden, deren Einsatz in weiten Teilen Europas ohnehin streng reguliert ist. Die Autoren kamen außerdem zu dem Schluss, dass der positive Effekt des häufigen Mähens unter anderem darauf zurückzuführen war, dass beim Mähen gleichzeitig der Tau mechanisch von den Blättern entfernt wurde.
Wie entfernt man Tau?
Die einfachste Methode ist das Mähen am frühen Morgen. Die Bewegung der Maschine entfernt dabei nicht nur einen Teil der Grasoberfläche, sondern streift gleichzeitig den Tau von den Blättern. Deshalb kann auch ein Überfahren mit ausgekuppelten Mähspindeln sinnvoll sein, wenn an diesem Tag eigentlich nicht gemäht werden soll.
Eine weitere traditionelle Methode ist das Abziehen der Fläche. Dafür können beispielsweise Schläuche, Seile, Ketten oder spezielle Netze über den Rasen gezogen werden. Auch Gummischieber oder saugfähige Materialien kommen zum Einsatz. Leichtes Walzen kann ebenfalls dazu beitragen, die Feuchtigkeit von der Grasoberfläche zu entfernen.
Entscheidend ist dabei weniger eine bestimmte Methode als der Zeitpunkt. Wird der Tau früh am Morgen entfernt, wird die lange ununterbrochene Phase der Blattnässe unterbrochen. Wartet man dagegen bis zum späten Vormittag, hat die Sonne den Tau häufig bereits weitgehend verschwinden lassen – die Phase der anhaltenden Blattnässe war dann unter Umständen bereits zu lang und hat das Aufkommen von Krankheiten gefördert. Und: Verlässt man sich ausschließlich auf das mechanische Abziehen des Taus, kann es – so der STRI-Experte Spring – auch dazu kommen, dass sich die Tautropfen neu bilden, wenn die Bedingungen dafür günstig sind.
Auch das Aufstellen von Ventilatoren an den Grünrändern kann positive Auswirkungen haben. „Ich habe bei einigen Studien selbst deren positiven Effekt gesehen“, resümiert Christian Spring. „Sie sorgen für zusätzliche Luftbewegung auf der Grasoberfläche, reduzieren die Luftfeuchtigkeit an der Oberfläche und das Risiko der Entstehung von Tautropfen.“
Kann man Tau auch chemisch verhindern?
Ja. Auf dem Markt gibt es spezielle Tau-Dispergiermittel, häufig auf Basis von Tensiden. Sie verändern die Oberflächenspannung des Wassers. Dadurch entstehen auf den Gräsern keine zusammenhängenden Wassertropfen beziehungsweise die Feuchtigkeit verteilt sich anders auf der Oberfläche. Je nach Produkt und Bedingungen kann der Effekt mehrere Tage anhalten.
„Ich kann die positiven Effekte aus eigener Erfahrung bestätigen“, erklärt Christian Spring, der selbst an Studien zum Thema „Tauentfernung und Tau-Dispergiermittel“ beteiligt war. „Ihr Vorteil besteht darin, dass sie Schutz während der Nacht gewährleisten und dieser mehrere Tage anhält“. Spring macht aber auch klar, dass die Tau-Dispergiermittel nicht die alleine Lösung sein dürfen. „Wenn ich selbst eine hochwertige Rasenfläche managen müsste und wüsste wie anfällig diese im Herbst für Krankheiten ist, würde ich die Tau-Dispergiermittel begleitend zu meinen physischen Arbeitsmethoden in Erwägung ziehen.“
Es geht in der Praxis also darum, die verschiedenen Möglichkeiten sinnvoll miteinander zu kombinieren und den Einsatz von Produkten auf Situationen zu konzentrieren, in denen sie tatsächlich einen zusätzlichen Nutzen bringen.
Tauentfernung mit dem Roboter
Eine neue Entwicklung ist die automatisierte Tauentfernung. Denn gerade am frühen Morgen entsteht für Greenkeeping-Teams ein organisatorisches Problem: Die Zeit, in der der Tau möglichst effektiv entfernt werden sollte, fällt mit zahlreichen anderen Pflegearbeiten zusammen.
Hier setzt eine neue Variante autonomer Mähtechnik an. Der Automower 580L EPOS von Husqvarna kann mit einem speziellen Aufsatz statt mit der normalen Schneideinheit ausgestattet werden. Der Roboter fährt dann selbstständig über die definierten Flächen und entfernt den Tau mechanisch. Zwischen einzelnen Greens wird der Aufsatz angehoben, um eine Übertragung von Krankheitserregern von einer Fläche auf die nächste zu vermeiden.
Entscheidend an dieser Methode ist der Zeitgewinn: Die Maschine kann bereits in den frühen Morgenstunden arbeiten, während das Greenkeeping-Team andere Aufgaben vorbereitet oder durchführt. Gerade auf größeren Anlagen könnte eine solche Automatisierung deshalb interessant werden. Superintendents haben vor allem am Wochenende oftmals nicht genügend Personal und das mehrstündige manuelle Abziehen des Taus ist dann eine Aufgabe, die gut ersetzt werden könnte. Die Technologie des „Taumähers“ wird gerade im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts der International Turfgrass Research Initiative untersucht, das sich mit integrierten und möglichst umweltschonenden Strategien gegen Dollarspot beschäftigt.
Tau richtig managen
Das Fazit ist klar: Tau ist grundsätzlich ein natürlicher Bestandteil des Wasserhaushalts der Grasflächen. Problematisch wird er vor allem dann, wenn die Blätter über lange Zeit nass bleiben und gleichzeitig günstige Bedingungen für Rasenkrankheiten herrschen. Tauentfernung ist deshalb eine Maßnahme, die unverzichtbar ist. Wetterbedingungen, die Beschaffenheit der Fläche und der tatsächliche Krankheitsdruck entscheiden über die Kombination der Maßnahmen , die man dafür einsetzt.











Fotos: Petra Himmel/GC Würzburg