Ohne Wasser kann Gras nicht überleben – zumindest nicht über Monate hinweg. Wasser fehlt dieser Tage in vielen Teilen Europas. Die Hitze und Dürre des Sommers 2026 hat zahlreichen Ländern wie Österreich, Deutschland oder Schweiz, deren Bewohner in der Vergangenheit keine oder nur wenige Beschränkungen beim Verbrauch von Wasser hinnehmen mussten, ihre Grenzen aufgezeigt. Selbst im vermeintlich immer nassen England schreckte die Golfszene auf. Für Englands Golfindustrie war dieser Sommer ein Weckruf: „Das hat die Leute erkennen lassen, dass der Klimawandel real ist“, resümiert Jim Croxton, CEO der British and International Golf Greenkeepers‘ Association. „Wir bekommen keinen Schnee mehr und wir müssen erkennen, dass diese heißen, trockenen Sommer oder eben extrem nasse Winter die neue Normalität sind“
Im Sommer 2026 musste in vielen Regionen Deutschlands Wasser gespart werden, weil Bäche versiegten, Flüsse nur noch Niedrigwasser führten oder Seen einen deutlich niedrigeren Wasserstand hatten. Die Bewässerung von Sportplätzen mit Rasen, Parkanlagen aber auch die Befüllung von Pools oder das Wässern von Gärten mit Leitungswasser waren vielerorts verboten. Die Dürre 2026 wirkte allerdings nicht nur an der Oberfläche. Sie erreichte die Grundwasserneubildung, Flussabflüsse und damit zunehmend auch die Wasserreserven für die Versorgung.
Die Hitze 2026
Berlin-Brandenburg erlebte im Sommer 2026 einen außergewöhnlich angespannten Sommer, der auch die Durchführung von Golfturnieren, den normalen Spielbetrieb sowie das Greenkeeping betraf. Der Deutsche Wetterdienst meldete Rekordwerte bei der Temperatur:
Berlin:
- Durchschnittstemperatur von 20,0 Grad Celsius
- Abweichung von +2,2 Grad zum langjährigen Mittel
- 19 Hitzetage ab 30 Grad und vier sehr heiße Tage ab 35 Grad
- Hitzerekord für die Hauptstadt am 28. Juni 2026 mit 40,3 Grad am Flughafen BER
Brandenburg:
- Durchschnittstemperatur von 19,5 Grad
- Abweichung von +2,2 Grad zum langjährigen Mittel
- 18 Hitzetage ab 30 Grad und vier sehr heiße Tage ab 35 Grad
Der Hitzerekord von 41,7 Grad in Coschen ist ein gesamtdeutscher Rekord
„Die extremen Hitzeperioden in diesem Jahr haben den Golfverband Berlin-Brandenburg aber auch die Clubs und natürlich die einzelnen Golfer vor enorme Herausforderungen gestellt“, resümiert Geschäftsführer Roderich Wegener-Wenzel. „Nachdem sich solche Phasen in der Zukunft wiederholen, womöglich sogar verstärken werden, müssen wir über Anpassungsmaßnahmen, in den Wettspielkalendern des Deutschen Golfverbandes aber auch der Landesgolfverbände zwingend nachdenken.“
Die Trockenheit 2026
Sowohl in Berlin als auch in Brandenburg lagen die Niederschläge im Sommer 2026 mit 81 und 78 Prozent unter dem langjährigen Mittelwert. Die Kombination aus fehlendem Niederschlag, ungewöhnlich hohen Temperaturen und dadurch erhöhter Verdunstung führte dazu, dass sich die Wasserdefizite nicht nur in Böden und Oberflächengewässern zeigten, sondern zunehmend auch im Grundwasser niederschlugen.
Zukunftssicherheit herstellen
Wie sieht vor diesem Hintergrund die Zukunft des Wassermanagements in Bayern aus? Es geht bei Bayerns Golfplätzen darum für Trockenzeiten eine gespeicherte Reserve vorzuhalten und langfristig mehr auf die Sammlung von Oberflächenwasser zu setzen. „Der Trend geht eindeutig dahin, dass in den regenreichen Monaten im Winter, aber auch bei extremen Regenfällen, das Wasser aufgefangen und in Speicherteichen gelagert wird“, erklärt der bayerische Golfplatz-Architekt Thomas Himmel. „Wer einen Speicherteich anlegt, kann mit dem Aushub viele Bereiche des Golfplatzes so modellieren, dass Wasser über Gullys in einen Speicherteich geführt wird.“ Beachten muss man an dieser Stelle allerdings auch das Thema Verdunstung: „Flache aber große Teiche leiden besonders stark unter Verdunstung, die mit zunehmenden Temperaturen ansteigt. Hier muss man definitiv die richtigen Ausmaße bedenken.“ Im europäischen Ausland, etwa in Frankreich, sind deshalb inzwischen auch Teichabdeckungen oder Zisternen in Gebrauch.
„Betriebswirtschaftlich geführte Golfanlagen sind in der Regel schon dabei, Oberflächenwasser zu sammeln“, resümiert Arno-Malte Uhlig, Präsident des Bayerischen Golfverbandes, die Lage in Bayern. „Bei vielen Vereinen fehlt es am Geld für den Bau von Speicherteichen“, gibt er zu bedenken. Die Entscheidung, Kredite für einen Speicherteich aufzunehmen, sei innerhalb der Mitgliedschaft oftmals umstritten. Ausnahmen, wie etwa der GC Ebersberg, so Uhlig, bewiesen allerdings, dass die Bedeutung des Faktors Wasser für den Betrieb der Golfanlage aber zunehmend erkannt werde.
Golfanlagen unter Druck
Die Betreiber von Golfanlagen oder Golfclubs stehen in diesem Umfeld zunehmend unter Druck, wenn es um den Verbrauch der Ressource Wasser geht. Zum einen leiden viele Golfanlagen selbst unter den mangelnden Niederschlägen, zum anderen sinkt die Toleranzgrenze von Nicht-Golfern für tiefgrüne Golfplätze, die erkennbar gewässert sind, massiv ab. Instagram-und Facebook-Posts, die das Verbot der Bewässerung von Golfplätzen forderten, gab es in den Monaten Juli und August reichlich.
Gleichzeitig machte die Wasserkrise auch die Defizite deutlich, die deutschlandweit Golfanlagen betraf.
- Die Wasserversorgung vieler Clubs ist generell nicht langfristig auch in Dürrephasen gesichert. Das heißt: Die Golfanlage verfügt nicht über ausreichend Wasser, um sechs bis acht Wochen aus eigenen Beständen eine Notberegnung der wichtigsten Flächen zu gewährleisten.
- Selbst wenn die Wasserversorgung gesichert ist, sind Beregnungsanlagen aufgrund ihrer Ausstattung oder ihres Alters oft nicht in der Lage, die nötigen Mengen in einem bestimmten Zeitraum auszubringen, so dass zu den passenden Zeiten beregnet werden kann.
- Auch moderne Beregnungsanlage sind in ihrer Flächenabdeckung oft nicht auf den aktuellen Bedarf angepasst. Ein Beispiel: Regner sind in bestimmten Fairwaybereichen überhaupt nicht vorgesehen.
- Manche Greenkeeping-Teams haben nicht ausreichend Personal, um sich intensiv mit der Beregnungsanlage auseinanderzusetzen und besonders gestresste Flächen zum Beispiel mit Hand zu bewässern.
Die Konsequenzen für den Golfsport werden dann schnell sichtbar: Im Falle einer Dürre oder einer Einschränkung der Beregnungsmöglichkeiten durch Behörden kommt es zu deutlichen Qualitätseinbussen des Golfplatzes. Gleichzeitig haben viele Betreiber von Golfanlagen, deren Genehmigung zur Entnahme von Brunnen in den nächsten Jahren ausläuft, Angst vor einer deutlichen Verringerung der Menge. „Es hat einfach sehr geholfen, dass ich die Behörde hier auf die Anlage zu einem Gespräch mit der Geschäftsführung und dem Greenkeeping eingeladen habe“, resümiert Ariane Fränkle, Geschäftsführerin des Golfcenters Groß-Kienitz. „Die Behördenvertreter waren zum ersten Mal auf einem Golfplatz und hatten keine genaue Vorstellung von dem Betrieb.“ Allein der Rundgang vor Ort habe, so Fränkle, dazu geführt, dass deutlich mehr Verständnis für die Situation der Golfanlage gleichzeitig aber auch ihre positiven Merkmale, zum Beispiel beim Thema Biodiversität, entstanden sei.
Zukunftssicherheit herstellen.
Für die Golfanlagenbetreiber und Greenkeeper in Berlin-Brandenburg ist im Moment zwar etwas Durchatmen angesagt: Die große Hitze des Sommers 2026 ist erst einmal vorbei. Abgehakt ist das Thema damit nicht. „Für den Golfverband Berlin-Brandenburg und seine Golfanlagen ist die Schaffung von Resilienz gegen Hitze und Wassernot ein wichtiges Thema, mit dem wir uns langfristig auseinandersetzen müssen“, resümiert Wegener-Wenzel. „Die Zukunftssicherung der Golfplätze hängt von der Wasserversorgung ab – welcher Art auch immer.“
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