Vier invasive Arten, die Golfclubs kennen müssen
Sie sehen schön aus, aber die Optik täuscht. Egal ob Kanadische Goldrute oder Indisches Springkraut – was so mancher Golfer als echte Bereicherung für den Golfplatz betrachtet, ist in Wahrheit eine invasive Art, die dringend bekämpft werden muss. 45 invasive Arten hat das Bundesamt für Naturschutz in seiner aktuellen Einordnung definiert. Die wichtigsten sind das Indische Springkraut, die Kanadische Goldrute und der Japanische Staudenknöterich. In Bayern ist laut der Roten Liste 2024 des Landesamtes für Umweltschutz außerdem die Robinie relevant.
Warum sind invasive Arten ein Problem?
Dagmar Blacha vom Landesbund für Vogelschutz, die im Rahmen des Blühpakts Bayern Golfanlagen des Bayerischen Golfverbandes zum Thema Biodiversität berät, macht den Unterschied zwischen invasiven Arten und einheimischen Pflanzen am Beispiel des Weißdorns deutlich: „Dieser Strauch ist einfach großartig. „An ihn sind Hunderte von Insekten und Kleinorganismen gebunden, die von ihm leben.“
Heimische Pflanzen und Tiere, so Blacha, haben sich über Jahrmillionen hinweg gemeinsam entwickelt und aneinander angepasst. Dadurch sind sehr spezielle Abhängigkeiten entstanden – viele heimische Insekten und Kleinorganismen sind für ihr Überleben direkt auf ganz bestimmte heimische Pflanzenarten angewiesen. Invasive Arten sind deshalb als Nahrung viel weniger beliebt – und in der Regel auch weit weniger angefressen. Die Blätter des Kirschlorbeers sehen in der Regel tadellos aus, weil sie nicht von Insekten angeknabbert werden. Soll die Biodiversität auf Golfplätzen gefördert werden, müssen deshalb regionale Arten gepflanzt und gefördert werden.
Was tun gegen invasive Arten?
„Bei den invasiven Arten müssen wir auf den Golfplätzen unbedingt ran“, findet auch der Leiter des Arbeitskreises Biodiversität des Deutschen Golfverbandes Dr. Gunther Hardt. „Zumindest die wichtigsten, großen Flächen müssen auf den Golfplätzen freigehalten werden.“ Ein nicht immer leicht zu erfüllender Anspruch, weil sich zum Beispiel das Indische Springkraut extrem schnell ausbreitet und das Greenkeeping-Team oftmals kaum mit der Bekämpfung hinterherkommt.
„Hier könnten die Golfanlagen oftmals früher mähen, damit auf jeden Fall die Aussamung der Pflanze verhindert wird“, empfiehlt Blacha. Wichtig ist allerdings, dass die gemähten Pflanzen in der Müllverbrennungsanlage entsorgt werden. Hardt verweist auch auf Mitgliederaktionen. Nach einer kurzen Einweisung durch das Greenkeeping kann ein Dutzend Freiwilliger an einem halben Arbeitstag schon viel bewegen, Pflanzen und Wurzelwerk entfernen.
Nachsaat verhindert neue Ausbreitung
Golfanlagen, die den invasiven Arten den Kampf angesagt und größere Flächen von ihnen befreit haben, sollten diese aber nicht einfach offen liegen lassen. „Jetzt im Herbst sollte man mit regionalem Saatgut nachsäen“, empfiehlt Prof. Dr. Johannes Kollmann, Leiter des Lehrstuhls Renaturierungsökologie an der TU München. Wichtig ist dabei, dass das Saatgut auf das Gelände, den Boden und die Lichtverhältnisse abgestimmt ist.
Bestandsaufnahme als erster Schritt
Wer sich als Verantwortlicher einer Golfanlage einen ersten Überblick hinsichtlich der vorhandenen invasiven Arten verschaffen möchte, sollte – so Dagmar Blacha – mit einem Experten, zum Beispiel vom LBV, eine Begehung vor Ort machen. „Auf diese Weise bekommt man einen Überblick über die Flächen und kann dann entscheiden, wie man weiter vorgeht.“ Das hohe Verbreitungstempo der Arten erfordert eine klare Strategie, sonst sind die Pflanzen schnell im Übermaß vorhanden. Einen umfassenden Überblick zum Thema liefert auch das Handbuch der invasiven Neophyten des Vereins NaturGarten, das alle Pflanzen detailliert beschreibt und ihre Bekämpfung analysiert.
Drüsiges Springkraut
Drüsiges Springkraut ist inzwischen in Deutschland nahezu flächendeckend in geeigneten Lebensräumen angekommen. Es steht auf Golfplätzen gerne an den Rändern von Gewässern und in feuchten Bereichen. Es lässt sich relativ einfach ausreißen, weil sein Wurzelwerk nicht stark verbreitet ist.
Japanischer Staudenknöterich
Der Japanische Staudenknöterich tritt großflächig auf und vermehrt sich über Rhizome. Bereits kleinste Rhizomstücke können zur Besiedlung neuer Standorte beitragen. Deshalb ist seine Bekämpfung auch aufwändiger, weil das komplette Wurzelwerk großflächig entfernt werden muss.
Kanadische Goldrute
Die Kanadische Goldrute bildet Rhizome und sehr viel Samen. Deshalb entwickelt sie schnell dichte Bestände und verdrängt konkurrenzschwache, lichtliebende heimische Pflanzen. Auch hier müssen die Rhizome entfernt werden.
Robinie
Die Robinie, die ursprünglich aus Nordamerika stammt, hat es gerne sonnig und nährstoffarm. Sie ist aber schwer zu bekämpfen, weil ihr Wurzelwerk sehr kräftig ist und sie viele Ausläufer bildet. Einfaches Absägen oder Abschneiden ist kontraproduktiv, weil sich die Wurzeln dadurch noch verstärken.













Fotos: Petra Himmel, Pixabay, Landhaus Stricker
Foto: epd