Solarpark statt Fairways
In Japan herrscht Platzmangel – das gilt nicht nur für Wohnraum, sondern auch für den Ausbau erneuerbarer Energien. In dem dicht besiedelten und bergigen Land suchen Entwickler von Solarprojekten händeringend nach geeigneten Flächen. Die überraschende Lösung für dieses Problem bieten nun die Überreste des Golfbooms der 1980er Jahre: stillgelegte Golfplätze.
Für die Errichtung großflächiger Solarparks gelten in Japan strenge Voraussetzungen: Sie benötigen ausreichend Sonneneinstrahlung, eine gewisse Entfernung zu Wohngebieten und einen guten Zugang zum Stromnetz. Entwickler von Solarparks stellen inzwischen fest, dass ehemalige Golfplätze genau diese Kriterien erfüllen.
Perfekte Voraussetzung für grüne Energie
Aus der Perspektive der Projektentwickler ist ein Golfplatz im Grunde ein vorbereitetes Kraftwerk, das nur noch nicht ans Netz angeschlossen ist. Die Flächen sind bereits erschlossen, Bäume wurden oftmals gefällt, das Gelände ist in der Regel nicht allzu hügelig oder extrem bewegt. Hinzu kommen die im Boden verlegten Beregnungsanlagen, die noch vorhanden sind. Die Erschließungsmaßnahmen für Solarparkbetreiber halten sich in Grenzen.
Minohara Country Club ist der nächste Fall
Wie diese Transformation in der Realität abläuft, zeigt sich am Minohara Country Club in der Präfektur Gunma, rund zwei Autostunden von Tokio entfernt. Aktuell sieht man auch auf Google Maps noch Fairways, die sich durch den Wald ziehen. Laut dem Nachrichtendienst Bloomberg Green kämpft der Club aber massiv mit dem demografischen Wandel in Japan. Die Generation der passionierten Spieler aus der „Bubble-Ära“ (der japanischen Wirtschaftsblase) überschreitet zunehmend das 75. Lebensjahr, der Nachwuchs fehlt. Obwohl eine Tageskarte für unbegrenztes Golf umgerechnet nur 5.000 Yen (ca. 31 Euro) kostet, bleibt der Platz oft leer. Der Club schreibt jährlich Verluste .
Aus diesem Grund ist die Schließung für das Jahr 2030 geplant. Zeitgleich soll der Baubeginn für riesige Solaranlagen durch das Bauunternehmen Kamisato Kensetsu erfolgen. Auf dem Gelände sind Solarpaneelen für 152 Megawatt geplant – es soll einer der größten Solarparks Japans werden. Bis die Genehmigungen durch sind, betreibt die Firma die Golfanlagen demnach selbst.
Neun Prozent der Solar-Großanlagen auf Golfplätzen
Der Minohara Country Club ist nur ein Beispiel für die Entwicklung. In den vergangenen zehn Jahren haben sich ausgediente Golfplätze zu einem der wichtigsten Pfeiler des japanischen Solarwachstums entwickelt. Nach einer Analyse von BloombergNEF befinden sich mittlerweile rund neun Prozent der gesamten japanischen Solarkapazitäten mit einer Leistung von 0,9 Megawatt oder mehr auf ehemaligen Golfanlagen.
EDP SA, ein weiterer Solarpark-Hersteller, hat einen Golfplatz in der Präfektur Fukushima übernommen. Auch hier betrachten die Entwickler die ausgemusterte Golfanlage als echten Glücksfall. Gegenüber Bloomberg Green kommentierte ein Firmensprecher die Umwandlung der Fläche so:
„Golfplätze bieten uns die Möglichkeit, effektiv Land zu nutzen und gleichzeitig nur ein Mindestmaß von Bäumen zu fällen. Das ist ansonsten eines der sensibelsten Themen bei der Entwicklung von Solarprojekten.“
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Fotos: Petra Himmel, Pixabay, Landhaus Stricker