Golfurlaub auf Sylt: Erstklassig nachhaltig
Vor Dir steht ein Milchreis, perfekt angerichtet, eine eher übersichtliche Portion. Aber Holger Bodendorf will die Portion genau so, weil er seinen persönlichen Feldzug gegen Lebensmittelabfall führt. „Dafür kann der Gast den Milchreis gerne mehrmals nachbestellen“, begründet er seine Entscheidung gegen üppige, überbordende Speisen. Der Gast im Landhaus Stricker, dem einzigen von GreenSign zertifizierten Hotel auf der Insel Sylt, lernt die vielfältige Auswahl kleiner Speisen schätzen. Er bestellt vielleicht nach dem Milchreis das Spiegelei, unter dem sich die Krabben perfekt verstecken. Holger Bodendorf, der das Hotel, das zur Relais & Chateaux-Gruppe gehört, seit dem Jahr 2001 führt, arbeitet an einer konsequenten Nachhaltigkeitsstrategie, an der Verbindung von Luxus und Bodenständigkeit. Und das auf einer Insel, die immer wieder Gefahr läuft dem Overtourismus zum Opfer zu fallen. Schließlich wird Sylt wird jährlich von mehr als 900.000 Gästen besucht.
Sylt – eine nachhaltige Golfdestination?
Viele von ihnen sind Golfer, aus dem einfachen Grund, weil Sylt sich mit seinen vier 18-Löcher-Plätzen inzwischen den Ruf erarbeitet hat, eine erstklassige deutsche Golf-Destination zu sein. Kurze Wege, hohe Platzqualität, perfektes Naturerlebnis und dazu eine breite Auswahl an Hotellerie- und Gastronomiebetrieben – was will man mehr? Ähnlich wie auf der zweiten Lieblingsinsel der deutschen Golfer, dem spanischen Mallorca, geht es aber auf Sylt inzwischen um mehr als um die permanente Steigerung von Übernachtungszahlen und Umsätzen. Mit dem Siegel Lebenswert – nachhaltiges Sylt hat die Sylt Marketing GmbH eine eigene Initiative ins Leben gerufen, die nachhaltige Beherbungsbetriebe, Gastronomen und Manufakturen bündelt. Bis Ende 2026 stellt die Insel ihr verbindliches Leitbild Kurs Sylt vor, dessen Entwicklungsziel eine Balance aus ökologischer Verantwortung, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und sozialer Gerechtigkeit ist.
Marion Muller: „Nachhaltigkeit ist ein Muss“
Morgens um 7 Uhr am Bahnhof Husum lernt man einen Aspekt der sozialen Gerechtigkeit kennen. Der Zug von Husum nach Westerland auf Sylt ist voll von Menschen, die weitgehend kein Deutsch sprechen und zum Großteil als Angestellte den Dienstleistungssektor der Insel täglich bedienen. Wer über Golftourismus auf Sylt spricht, muss auch das Thema Personal berücksichtigen. Egal ob Hotelpersonal oder Greenkeeper, viele der Angestellten pendeln täglich per Zug auf die Insel, weil die Unterkünfte auf dem Festland anders als auf der Insel noch erschwinglich sind. Soziale Gerechtigkeit bedeutet auch, für all‘ diese Personen vernünftige Arbeitsbedingungen und idealerweise Wohnungen zu liefern.
Marion Muller sitzt im SandGlow Hotel in Husum und blickt auf ihre Mitarbeiterinnen im Hotel-Restaurant. „Soziale Nachhaltigkeit im Mitarbeiterbereich ist extrem wichtig“, stellt die Mitinhaberin der SANDCollection fest, die auch zur Gemeinschaft der nachhaltigen Green Pearls Hotels gehört. Die Hafenstadt an der Nordsee ist für viele Urlauber der letzte Stopp vor der Überfahrt auf die Nordseeinsel. Wer als Golfer seinen Urlaub an der Nordsee nachhaltig gestalten will, ohne mit dem Zeigefinger an seine Verantwortung gegenüber der Umwelt erinnert zu werden, findet sich im SandGlow wieder, das als einziges Hotel der Stadt seinen Nachhaltigkeitsanspruch offen kommuniziert. Zukunftsträchtigkeit in der Hotellerie bedeutet für Muller aber „sich darauf einzustellen, wie jemand eigentlich verreisen möchte. Da ist das Thema Nachhaltigkeit einfach ein Muss.“
Elemente wie die Nutzung erneuerbarer Energie, energiesparende Beleuchtung, wassersparende Armaturen oder die Nutzung umweltfreundlicher Reinigungsmittel sind in den Hotels, die sich rund um Sylt dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben haben, Standard. Christian Matthiesen, Marketing-Experte im 5-Sterne-Hotel Budersand, das seinen eigenen Golfplatz direkt vor der Haustür hat, begleitet das Thema Nachhaltigkeit seit der Eröffnung des Resorts im Jahr 2009. Vor allem die Regionalität der Produkte und kurze Wege bei der Anlieferung oder bei der Wäscherei sind ihm wichtig. Immer so, dass die Thematik für den Gast weder erdrückend noch zu offensichtlich ist. Wie im Landhaus Stricker steht auch hier der Luxusurlaub im Mittelpunkt. Der Anspruch, ihn möglichst nachhaltig zu gestalten, ist aber auch bei Details zu erkennen. Exotische Blumen zum Beispiel sind ein No-Go. Ein Gebinde aus Gräsern und Blumen von der Insel ist genauso hübsch.
Finden kann man all‘ diese Blumen in den Roughs der Golfanlagen. Artenreiche Wiesen gehören vor allem im Marine Golf Club und im GC Sylt zu den Vorzeigeprojekten der Golfanlagen. Im Budersand Resort, direkt an der Spitze von Hörnum gelegen, ist es der immer wiederkehrende Blick auf imposante Heideflächen, der daran erinnert, dass Golf eben so viel mehr ist als nur ein Spiel auf 18 abgemähten Fairways. Alle drei Golfanlagen bekennen sich seit Jahren durch die Teilnahme an der Umweltzertifizierung des Deutschen Golfverbands Golf & Natur zu hohen Standards bei Arbeitsrecht, Ressourcenschonung und einem Greenkeeping-Ansatz, der auf gesunde Böden setzt und die Schaffung von Resilienz gegen Graskrankheiten statt des schnellen Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln.
In manchen Bereichen der umweltgerechten Betriebsführung ergeben sich dann auch Überschneidungen zwischen Hotels und Golfanlagen. Bei Turnieren im Budersand Hotel wird bei der Halfway-Verpflegung konsequent auf Wegwerfgeschirr – auch wenn es recycelbar ist – verzichtet. Stattdessen stehen Porzellanteller und Gläser auf dem Tisch. Das Thema Energie hat man sich im Marine Golf Club vorgenommen. Dort heizt inzwischen eine Wärmepumpe.
Travel & Sustainability Report 2026
Der Urlauber nimmt diese Details in der Regel kaum wahr. Ihm geht es um das Erlebnis, aber zunehmend eben auch um das Gefühl, bei einer Reise die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben. Laut dem Travel & Sustainability Report 2026 von Booking.com im April 2026, der 32.500 Reisende in 35 Märkten untersuchte, ist 85 % der Reisenden nachhaltiges Reisen wichtig oder sehr wichtig. 36% wollen gezielt eine Unterkunft mit Nachhaltigkeitskriterien wählen. Nachhaltigkeit wird demnach mit konkreter Qualität verbunden und mit der Zukunftsfähigkeit eines Urlaubsziels.
„Zukunftsträchtigkeit bedeutet in der Hotellerie auf jeden Fall Andersdenken“, davon ist Marion Muller überzeugt. „Man darf nicht starr in der Tradition verharren“, auch deshalb hat sie mit ihrem Mann die Marke SAND ab 2012 konsequent in dieser Richtung aufgebaut. Für Holger Bodendorf war neues Denken im Culinary Council der Relais & Chateaux Hotels ein erster Ausgangspunkt. „Wir haben es geschafft, den Bluefin Tunfisch komplett aus den Restaurants zu nehmen und auch den Aal zu schützen“, berichtet er von den Erfolgen. Er selbst ist mit dem Landhaus Stricker Mitglied bei Feinheimisch, einem Verbund von Gastronomen, Hoteliers und Produzenten aus Schleswig Holstein, die konsequent auf Regionalität setzen. Selbst den Teehersteller hat er gewechselt, um bei den Teebeuteln kein Problem mehr mit Single Use Plastic zu haben.
Dabei ist Holger Bodendorf noch längst nicht am Ziel, sein Landhaus Stricker noch besser, bodenständiger und nachhaltiger zu machen. „Das Ding ziehe ich gnadenlos durch und meine Mitarbeiter haben das inzwischen verstanden.“
Hotels Sylt & Husum
SANDglow
Zingel 7–9, 25813 Husum
Tel.: +49 4841 66200
E-Mail: info@sandglow.de
www.sandglow.de
Das Adults-only-Boutiquehotel liegt zentral am Husumer Hafen und eignet sich als Ausgangspunkt für die Anreise nach Sylt. Das Hotel verfügt über 56 Zimmer, einen Spa-Bereich mit Saunen, Bar und Lounge sowie E-Lademöglichkeiten. Frühstück wird mit regionalen Produkten angeboten;
BUDERSAND Hotel – Golf & Spa
Am Kai 3, 25997 Hörnum/Sylt
Tel.: +49 4651 46070
E-Mail: hotel@budersand.de
www.budersand.de
Das BUDERSAND in Hörnum verbindet ein Fünf-Sterne-Hotel mit einem der bekanntesten Golfplätze der Insel. Das Hotel liegt direkt am Golfplatz und bietet Spa, Restaurants und Golfangebote. Hotelgäste erhalten im GC Budersand 20 Prozent Ermäßigung auf die reguläre Greenfee.
LANDHAUS STRICKER
Boy-Nielsen-Straße 10, 25980 Sylt/Tinnum
Tel.: +49 4651 88990
E-Mail: info@landhaus-stricker.de
www.landhaus-stricker.com
Das privat geführte Relais-&-Châteaux-Hotel in Tinnum verbindet individuell gestaltete Zimmer und Suiten mit einem großzügigen Wellnessbereich. Zum Haus gehört neben einem weiteren Restaurant das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant Bodendorf’s von Küchenchef Holger Bodendorf. Der Wellnessbereich umfasst unter anderem einen Pool, Saunen und Fitnessmöglichkeiten. Das Hotel verfügt über 38 Zimmer, darunter 17 Zimmer und 21 Suiten.
Die Golfplätze
Golf-Club Sylt e.V.
Norderweg 5, 25996 Wenningstedt
Tel.: +49 4651 9959810
E-Mail: info@golfclubsylt.de
www.golfclubsylt.de
Der nördlichste Golfplatz Deutschlands liegt bei Wenningstedt und bietet einen 18-Loch-Meisterschaftsplatz sowie einen 9-Loch-Platz. Gespielt wird mit Blick auf die Braderuper Heide und den Kampener Leuchtturm. Die Anlage verfügt über eine Driving Range, Golf Academy, Pro Shop und Gastronomie. Der Platz ist durch seine sanften Modellierungen, Wasserhindernisse, Roughs und mehr als 60 Grünbunker abwechslungsreich gestaltet.
Greenfee 2026:
18 Loch: 110 €; in den Sommermonaten 15. Juni bis 15. September zwischen 10 und 15 Uhr 120 €.
9 Loch: 75 €; Sundowner ab 16 Uhr: 70 €.
Marine Golf Club Sylt eG
Flughafen 69, 25980 Sylt/Tinnum
Tel.: +49 4651 927575
E-Mail: info@sylt-golf.de
www.sylt-golf.de
Der Marine Golf Club in Tinnum ist ein 18-Loch-Links-Course auf rund 80 Hektar. Der Platz ist durch die offene, küstennahe Landschaft stark vom Wind geprägt. Der Marine Golf Club war 2011 die erste Golfanlage Schleswig-Holsteins, die das DGV-Zertifikat Golf & Natur in Gold erhielt.
Greenfee 2026:
18 Loch in der Hauptsaison: 110 €; Nebensaison: 90 €.
Sundowner: 70 € in der Hauptsaison.
Eine Startzeitreservierung ist erforderlich.
Golfclub Budersand Sylt
Fernsicht 1, 25997 Hörnum/Sylt
Tel.: +49 4651 4492710
E-Mail: golf@gc-budersand.de
www.gc-budersand.de
Der Golfclub Budersand ist ein moderner Linkskurs mit 18 Löchern in Hörnum und liegt unmittelbar zwischen Dünen, Heide und Nordsee. Der Platz verfügt über 96 charakteristische Topfbunker; die harten, sandigen Böden sorgen für typische Links-Golfbedingungen mit viel Roll und einem starken Einfluss des Windes.
Greenfee:
In der Hochsaison kostet eine 18-Loch-Runde aktuell bis zu 130 €, abhängig von der Startzeit; Hotelgäste des BUDERSAND erhalten eine Ermäßigung.
Sylter Golf Hopping
Im Zeitraum vom 15. April – 15. Juni und 15. September – 31. Oktober
kann man auf allen drei Plätzen eine 18-Loch Runde spielen und bezahlt dafür insgesamt 269 Euro.
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Fotos: Petra Himmel