Junge Blesshühner im Teich, ein Abschlag umgeben von blühenden Wiesen, Libellen über den Pflanzen am See und ganz am Ende des Loches ein attraktives Inselgrün – wer Golf und Natur perfekt kombiniert sucht, hat hier einen Hotspot gefunden. Wir stehen an Bahn 13 des Sonnenalp Platzes im Allgäu und Dagmar Blacha ist begeistert. „Ist das nicht eine wunderbare Wiese“, resümiert die Landschaftsökologin, die für den Landesbund für Vogelschutz in Bayern Golfanlagen kostenlos berät. Wie können Sie mit wenigen Mitteln für höhere Biodiversität auf den Golfanlagen sorgen? Wie lässt sich die Insektenanzahl erhöhen und warum brauchen Vögel eigentlich Nisthilfen, obwohl es auf dem Golfplatz doch so viele Bäume gibt?
Praktische Tipps hat Dagmar Blacha an diesem Tag reichlich parat. Sie ist im Sonnenalp Resort in Ofterschwang im Allgäu angereist, wo der Sonnenalp Platz mit 18 Löchern in der Nähe des 5-Sterne-Hotels betrieben wird und der zweite 18-Löcher-Golfplatz Oberallgäu ein Stück entfernt liegt. Blacha konzentriert sich an diesem Tag mit den Vertretern des Greenkeepings unter Führung von Head-Greenkeeper Andreas Wolf auf den Sonnenalp Platz, der 1975 entstand. Interessant an der Anlage: Ein Großteil der Ausgleichsflächen wurde seit dem Bau des Platzes als Wiese wie vorher von den Allgäuer Landwirten gepflegt. Es gab keine Neuansaaten, keinen Bodenaustausch. Das Ergebnis ist überzeugend: Die Wiesen sind artenreich und hochwertig, mehr als zwei Drittel des Heus, das hier gewonnen wird, kann als Pferdefutter genutzt werden.
Die Zusammenarbeit des Bayerischen Golfverbandes und des Bayerischen Umweltministeriums im Rahmen des Blühpaktes Bayern beinhaltet die kostenlose Beratung durch den LBV. In diesem Programm kann auf die individuellen Eigenheiten jeder Anlage eingegangen werden. Auf dem Platz Sonnenalp wird schnell klar: Hier sind bereits sehr viele hochwertige Lebensräume vorhanden. „Wir versuchen nicht nur erstklassige Spielflächen zu liefern, sondern Erholung in der Natur möglich zu machen“, erklärt Head-Greenkeeper Andreas Wolf die Zielsetzung. Das Naturerlebnis sei auch für die Hotelgäste ein wesentlicher Faktor und werde deshalb immer mitgemacht, resümiert auch Sonnenalp-Eigentümer Michael Fässler.
Trotzdem kann die LBV-Expertin auch in diesem Fall noch einige sinnvolle Tipps vermitteln:
- Hecken zum Beispiel sollten je nach Art ab und an stärker zugeschnitten werden.
- Wildbienen brauchen deutlich mehr Unterstützung als Honigbienen. Sind Honigbienen in zu hohem Maß auf dem Golfplatz vertreten, nehmen sie der Wildbiene das Futter weg.
- Vogelkästen machen auch dann Sinn, wenn viele Bäume vorhanden sind. Im Idealfall geht man hier eine Zusammenarbeit mit einem lokalen LBV ein, um die Nistkästen passend auszusuchen und aufzuhängen.
- Etwa 20 bis 30 Prozent der Blühstreifen sollten im Winter stehen bleiben, um die Überlebenschancen der nächsten Insektengeneration zu sichern.
- Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig, um Golfer, Anwohner oder Touristen auf die Thematik aufmerksam zu machen.
- Invasive Arten muss man im Auge behalten. Springkraut und Jakobskreuzkraut dürfen zum Beispiel nicht die Oberhand bekommen.
„Das Image des Golfsports ist ja oft nicht gut“, resümiert Dagmar Blacha, die inzwischen bereits zahlreiche bayerische Golfanlagen beraten hat. Zu Unrecht findet sie: „Wenn sich jeder Bürger so viel um seine Umwelt kümmern würde wie die Golfanlagen, ginge es uns als Gesellschaft besser.“ Für sie als Expertin des Landesbund für Vogelschutz sei die Leistung der Golfanlagen in diesem Bereich auch überraschend gewesen. Trotzdem, so ihr Resümee, gebe es immer Verbesserungspotential, das man nun auf den Golfanlagen mithilfe des Blühpaktes Bayern ausschöpfen könne.
Für Head-Greenkeeper Wolf hat sich der Austausch mit Blacha schon rentiert. „Wir haben gelernt, dass wir hier schon vieles Gutes machen, aber eben auch noch besser werden können.“ Mit Blacha und seinen zwei Greenkeepern Peter Haberstock und Hieronimus Goebl hat er bereits Flächen begutachtet, die nicht ganz abgemäht werden müssen. Zusammen mit Dagmar Blacha haben sie den Golfplatz Sonnenalp, den sie doch eigentlich so gut kennen, an diesem Tag noch einmal aus einer neuen Perspektive kennengelernt. Und die war durchaus hilfreich.










GSS