33 Grad Hitze und die Golfindustrie in Mitteleuropa gerät ins Schwitzen. Der Sommer 2026 beweist in Ländern wie Großbritannien, Deutschland oder Frankreich, wie vielfältig das Thema Hitze auch abseits von den bekannten Greenkeeping-Themen wie Bewässerung oder Graserhaltung ist. Das Thema Hitze in Extremform hängt direkt zusammen mit zwei weiteren Themen: Customer Service und Arbeitsschutz. Denn zum einen muss eine Spielumgebung geschaffen werden, die den Gast weiterhin zum Golfen animiert, zum anderen muss ein Arbeitsumfeld gegeben sein, in dem die Angestellten noch ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen arbeiten können.
Wie funktioniert das, wollten wir von Experten beim Thema Hitze wissen. Tom Rourke, General Manager im The Els Club von Dubai, ist täglich mit dem Thema großer Hitze konfrontiert. „Nach mehr als 20 Jahren in den VAE sind Temperaturen zwischen 25 °C und 35 °C ganz normal und angenehm geworden“, erklärt er seinen Arbeitsalltag auf der Golfanlage, die von Troon gemanaged wird, dem weltweit größten Dienstleister im Management von Golfanlagen. „Das Klima der VAE ist durch trockene Hitze gekennzeichnet, die viele Menschen als erträglicher empfinden als die feuchten Bedingungen in anderen Teilen der Welt. Unsere Mitglieder und Gäste spielen Golf bei Temperaturen, die von etwa 8 °C an den kühlsten Wintermorgen bis zu etwa 45 °C im Juli und August reichen.“
Was erwartet der Gast bei Hitze?
Mit zunehmender Hitze verändert sich das gesamte Gästeerlebnis. Wer heute eine Golfanlage erfolgreich betreiben will, muss sich fragen: Wie lässt sich auch bei 35 Grad oder mehr noch ein attraktiver Golftag gestalten?
Tom Rourke beobachtet im Els Club Dubai zunächst vor allem eine Veränderung des Spielverhaltens. „Ab etwa 38 bis 40 Grad Celsius verschieben sich die Startzeiten deutlich“, berichtet er. Unter der Woche konzentrieren sich die Runden auf die frühen Morgenstunden zwischen sechs und neun Uhr sowie den späteren Nachmittag. Die heißesten Stunden des Tages verlieren an Bedeutung. Wochenenden bilden allerdings eine Ausnahme – dort bleibt die Nachfrage trotz extremer Temperaturen überraschend hoch.
Für Golfanlagen ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Nicht die Temperatur allein entscheidet über die Auslastung, sondern die Fähigkeit, den Gästen trotz Hitze ein angenehmes Erlebnis zu bieten. Komfort entwickelt sich damit zu einem Wettbewerbsfaktor.
Best Practice: Was Golfer bei Hitze heute erwarten können
Viele Maßnahmen, die in den Golfdestinationen des Nahen Ostens längst selbstverständlich sind, dürften auch in Europa künftig häufiger Einzug halten. Tom Rourke jedenfalls kann eine ganze Reihe von Dienstleistungen aufführen, die im Els Club in Dubai zum täglichen Standard gehören.
- Frühe Startzeiten bereits ab 6 Uhr morgens, um die angenehmsten Temperaturen zu nutzen.
- Längere Öffnungszeiten des Clubhauses, damit Frühstück und Kaffee bereits vor der ersten Startzeit möglich sind.
- Zusätzliche Trinkwasser- und Hydrationsangebote auf der gesamten Anlage.
- Golfcarts mit Kühlboxen und Eis, damit Getränke während der gesamten Runde kalt bleiben.
- USB-Anschlüsse an den Golfcarts, über die mobile Ventilatoren betrieben werden können.
- Gekühlte Handtücher als kleine, aber wirkungsvolle Erfrischung während der Runde.
- Kostenlose Eis oder frische Snacks zur schnellen Abkühlung.
- Mehr Schatten- und Aufenthaltsbereiche, insbesondere an Halfway Houses und auf den Terrassen.
- Player Assistants oder Beverage Carts, die aktiv gekühlte Getränke und Erfrischungen auf den Platz bringen.
Viele dieser Maßnahmen wirken auf den ersten Blick unspektakulär. In ihrer Summe entscheiden sie jedoch darüber, ob sich eine Golfrunde bei großer Hitze als Belastung oder als positives Erlebnis anfühlt. Gerade in Mitteleuropa, wo Hitzewellen häufiger und länger werden, dürfte dieser Aspekt künftig erheblich an Bedeutung gewinnen.
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Arbeitsschutz wird zum strategischen Managementthema
Noch größer sind die Auswirkungen der Hitze hinter den Kulissen. Während Golfer ihre Startzeit flexibel wählen können, gilt das für Greenkeeper, Marshal oder Servicekräfte nur eingeschränkt. Für sie entwickelt sich der Arbeitsschutz zunehmend zu einer der zentralen Managementaufgaben.
Für einen internationalen Betreiber wie Troon, der zahlreiche Anlagen in Ländern des Nahen Ostens aber auch amerikanischen Regionen wie Arizona, Kalifornien oder Nevada betreibt, sind Arbeitsschutzstandards bei Hitze deshalb ein Muss. Ziel ist es, gesundheitliche Risiken konsequent zu reduzieren, ohne die Qualität der Platzpflege zu beeinträchtigen. Staatliche Regularien sorgen ohnehin dafür, dass für Arbeiter Hitzeschutz gewährleistet wird.
„In den VAE gilt das offizielle Arbeitsverbot zur Mittagszeit im Sommer jedes Jahr vom 15. Juni bis zum 15. September gemäß den vom Ministerium für Humanressourcen und Emiratisierung festgelegten Vorschriften“, erklärt Clinton Norris, Direktor für Sales & Marketing bei Troon International. „Ähnliche Vorschriften gibt es auch in Oman, allerdings mit leicht abweichenden Terminen.“
Best Practice: So organisiert Troon den Hitzeschutz ihrer Mitarbeiter
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören :
- Arbeitsbeginn bereits ab 4 Uhr morgens, damit möglichst viele Arbeiten in den kühlen Morgenstunden erledigt werden können.
- Anpassung der Arbeitszeiten und zusätzliche Erholungspausen während extremer Hitze.
- Verpflichtende Schulungen zum Erkennen hitzebedingter Erkrankungen und zum richtigen Verhalten im Notfall.
- Wiederverwendbare Trinkflaschen und zusätzliche Wasserstationen auf der gesamten Anlage.
- Elektrolyte und energiereiche Snacks, um den Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt stabil zu halten.
- Schattige Arbeitsplätze sowie mobile Ventilatoren für Tätigkeiten im Freien.
- Klare Notfallprotokolle, sobald erste Anzeichen einer Hitzebelastung auftreten.
Bemerkenswert ist dabei, dass dieses Wissen inzwischen seinen Weg zurück nach Europa findet. Troon nutzt die Erfahrungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten mittlerweile auch auf Golfanlagen in Großbritannien. Dort werden bei Hitzewellen zusätzliche Trinkwasserstationen eingerichtet, Arbeitsabläufe angepasst, frühere Startzeiten empfohlen sowie weitere Schatten- und Kühlmöglichkeiten geschaffen.
Die Botschaft dahinter reicht weit über einzelne Maßnahmen hinaus: Hitzemanagement entwickelt sich zu einer neuen Managementdisziplin auf Golfanlagen. Wer sich frühzeitig darauf einstellt, verbessert nicht nur den Schutz seiner Mitarbeiter, sondern erhöht gleichzeitig Servicequalität, Kundenzufriedenheit und wirtschaftliche Stabilität. Die Sommer 2025 und 2026 haben gezeigt, dass diese Entwicklung längst nicht mehr nur Golfanlagen in Dubai betrifft.









