Wiesbadener GC: Traditionsclub will Ressourcen schonen

Klein aber extrem vielfältig: Das ist die Losung, die den Wiesbadener Golf-Club ausmacht. Aus 27 Hektar Fläche, für einen Golfplatz nicht wirklich viel, holt Head-Greenkeeper Thomas Bäder das Maximum raus, wenn es um das Thema Biodiversität geht. „Man kann ja sehr viel erreichen, wenn man bei den Verhältnissen vor Ort die Bedürfnisse der Tiere berücksichtigt“, resümiert Bäder und weist auf das Insektenhotel in der Nähe des Clubhauses hin. Das Greenkeeper-Team in Wiesbaden hat zum Bau nur Material verwendet, das vor Ort ohnehin vorhanden ist und nicht mehr gebraucht wurde. Vor allem aber hat Bäder nach dem Bau des Insektenhotels auch überprüft, inwiefern das Haus von den Insekten angenommen wird. Ergebnis: Es passt.

Große Benjeshecke als Lebensraum

Am unteren Rand der Golfanlage in Wiesbaden stößt der Golfer auf ein weiteres Bauwerk – eine üppige Benjeshecke, die in dieser Größe in Deutschland nicht oft zu finden ist. Baumschnitt, so Bäder und Platzwart Gerald Weyer, gibt es in dem Golfclub, der nicht nur beim Projekt Lebensraum Golfplatz des Hessischen Golfverbandes mitmacht, sondern auch beim Programm Golf & Natur mit Gold zertifiziert ist, reichlich. Der Platz stammt aus dem Jahr 1912, damals wirkte der Golfplatz relativ offen. Inzwischen macht der üppige Baumbestand den Charme des Platzes aus. Aus einem Teil des Baumschnitts und dem Reisig ist die Benjeshecke entstanden, die nun zahlreichen Vögeln einen Lebensraum bietet.

An den Bäumen, so das Fazit von Weyer und Bäder, lässt sich im Wiesbadener Golf-Club der Klimawandel dokumentieren. „Wir haben hier weitgehend standorttypische Bäume auf der Anlage, müssen aber feststellen, dass diese zunehmend unter der Trockenheit leiden“, resümiert Bäder. „Als ich hier vor 25 Jahren angefangen habe, war das hier einer der nassesten Plätze Deutschlands.“ Die Lage hat sich geändert. Inzwischen beschäftigen die Themen Trockenheit und Wassermangel Greenkeeper- Team und Vorstand ständig. „Es wird eigentlich ständig schlimmer“, bilanziert Weyer. Vor allem wird das Thema für die Anlage zunehmend zu einer finanziellen Belastung. Da die Wasserentnahme über einen Brunnen nicht genehmigt wurde, ist die Golfanlage an Trinkwasser aus dem Leitungsnetz der Stadt Wiesbaden angewiesen. Für den Vorstand des Clubs ist klar, dass dies „alles andere als ökologisch nachhaltig ist.“

Neuer Speicherteich als Lösung

Die Lösung soll ein großer Speicherteich bringen, der mit einem Fassungsvermögen von maximal 3600 m³ Volumen als Notfallspeicher zur Verfügung stehen wird. Hier soll einerseits der Niederschlag aufgefangen werden, außerdem bei Starkregenereignissen das Oberflächen- und Drainagewasser aufgefangen werden. Gleichzeitig wird der Teich eine Flachwasserzone aufweisen, die auch als Brutgebiet für Wasservögel dienen soll, sodass auch das Thema Förderung der Biodiversität berücksichtigt ist.

Für den Golfclub mit seinem 9-Löcher-Platz bedeutet der Teichbau mit einem Kostenvolumen von rund 240.000 Euro einen enormen Kostenpunkt. Trotzdem, so Platzwart Weyer, sei langfristig keine andere Lösung denkbar: „Die öffentliche Diskussion über Nachhaltigkeit und Schonung von Ressourcen wird in Zukunft noch zunehmen“, hat er den Mitgliedern erklärt. „Da passt es nicht ins Bild, wenn der Wiesbadener Golf-Club pro Jahr den durchschnittlichen Verbrauch von 120 vierköpfigen Familien zum Wässern nutzt. Ganz abgesehen davon, dass wir uns auch selbst dem Grundsatz verpflichtet fühlen, unseren Sport im Einklang mit der Natur und umweltschonend zu betreiben.“

Wassersparendes Greenkeeping

Ergänzt wird der Ansatz zu mehr Nachhaltigkeit durch wassersparendes Greenkeeping. Thomas Bäder kennt seine Grüns ganz genau. Wenn es trocken wird, ist Handwässern der trockenen Bereiche hier selbstverständlich. Bäder versucht, mit dem verfügbaren Wasser sparsam umzugehen. Tiefgrüne Fairways sind da sowieso kein Thema. Schließlich ist für die Spielqualität am Ende die Dichte und die Qualität des Grases nicht dessen Farbe relevant. Das, stellen Weyer und Bäder fest, sei eben auch für die Mitglieder im Wiesbadener Golf-Club ein Lernprozess gewesen. Viel Kommunikation hilft an dieser Stelle. „Man muss den Golfern erklären, wo die Entwicklung hingeht“, erklärt Bäder. Im Wiesbadener Golf-Club ist man optimistisch, dass man auf diese Weise auch die Herausforderungen des Klimawandels übersteht. Deutschlands ältester Golfclub, gegründet 1893, hat sich in fast 130 Jahren Clubgeschichte an Herausforderungen gewöhnt.