Biodiversitäts-Lexikon: X wie Xerophyt
Xerophyten sind Spezialisten für trockene Standorte – und damit für Golfanlagen eine interessante Pflanzengruppe. Wo auf einem Golfplatz wenig Wasser zur Verfügung steht, können trockenheitsangepasste Pflanzen dazu beitragen, artenreiche Lebensräume zu erhalten, ohne dass diese Flächen regelmäßig bewässert werden müssen. Das kann Roughflächen genauso betreffen wie das Umfeld der Clubhaus-Terasse oder den Eingangsbereich. Überall dort, wo Pflanzen sonst aufwändig bewässert werden müssen, damit sie bei Hitze und Trockenheit überleben, sind Xerophyten eine gute Wahl.
Der Begriff Xerophyt leitet sich aus dem Griechischen ab: xeros bedeutet trocken, phyton Pflanze. Gemeint sind Pflanzen, die an geringe Wasserverfügbarkeit angepasst sind. Ihre Anpassungen sind vielfältig. Manche besitzen besonders tiefe oder weitreichende Wurzeln, andere reduzieren die Verdunstung durch kleine Blätter, eine dicke Wachsschicht oder eine behaarte Blattoberfläche. Sukkulente Arten wie Hauswurz oder Mauerpfeffer können Wasser in ihren Blättern speichern.
Für Golfanlagen sind Xerophyten insbesondere auf mageren Roughs, Böschungen, Sandflächen, Felsbereichen und wenig genutzten Randflächen interessant. Solche Bereiche müssen nicht wie die intensiv genutzten Spielflächen behandelt werden. Werden sie nur extensiv gemäht und weder gedüngt noch bewässert, können sich Pflanzengesellschaften entwickeln, die mit Trockenheit zurechtkommen und gleichzeitig Lebensraum für zahlreiche Insekten bieten.
Magerrasen anlegen
Ein gutes Beispiel sind Trocken- und Magerrasen. Sie gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Europas. Ihre Pflanzen sind an viel Sonne, geringe Wasserverfügbarkeit und meist nährstoffarme Böden angepasst. Gerade ihre geringe Produktivität ist dabei ein Vorteil: Wo wenig Nährstoffe zur Verfügung stehen, können konkurrenzschwache und spezialisierte Arten neben Gräsern bestehen.
Zu den in Europa vorkommenden trockenheitsangepassten Pflanzen gehören beispielsweise Sand-Thymian (Thymus serpyllum), Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare), Feld-Beifuß (Artemisia campestris), Silberdistel (Carlina acaulis), Hauswurz (Sempervivum) sowie verschiedene Mauerpfeffer- und Fetthennen-Arten (Sedum/Hylotelephium). Viele dieser Pflanzen sind zugleich wichtige Nahrungsquellen für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten.
Entscheidend ist bei der Wahl der Pflanzen immer der Standort. Auf einem sandigen, sonnigen Rough können andere Arten geeignet sein als auf einem kalkreichen Trockenhang. Und eine Pflanze, die im Mittelmeerraum mit sommerlicher Trockenheit zurechtkommt, muss nicht zwangsläufig an einen deutschen Winter angepasst sein. Für Biodiversitätsflächen sollten deshalb möglichst heimische und regionaltypische Arten verwendet werden.
Dann punkten nährstoffarme und sonnige Standorte auch beim Thema Biodiversität. Unter ökologischen Gesichtspunkten ist ein Magerrasen mit heimischen Trockenpflanzen deutlich hochwertiger als ein künstlich bepflanztes Beet mit Zierpflanzen, die nicht aus der Region stammen.
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Fotos: Petra Himmel