Golf Resort Pankow: Mitten in Berlin – mitten in der Natur
Morgens um halb sieben ist Pankow noch leise. Das immerwährende Gebrumme der Großstadt als Dauer-Geräuschkulisse fehlt. Laut sind auf den Golflöchern des Pankower Golfplatzes zu diesem Zeitpunkt nur die Greenkeeping-Maschinen und die Vögel, die sich die 27-Löcher-Anlage mit zwei Rehen teilen, die sich gerade im Rough zwischen den Streuobstbäumen kurz vor dem Clubhaus niedergelassen haben. Idyllisch ist das, unerwartet.
Golf in Berlin-Zentrum
Das klingt zuerst einmal nach Verkehrslärm, nach Abgasen, Blick in die Hochhäuser oder Gedrängel am ersten Abschlag. Morgens um halb sieben stellt man fest: Golf in Pankow ist Sport in der Natur. Ja diese Golfanlage ist ein großer Sportplatz, aber eben auch eine 75 Hektar große Freifläche in Angrenzung an Wohngebiete. Gut 15 Minuten von Berlin-Alexanderplatz entfernt ist das eine Zone, die früher einmal Landwirtschaft, offene Mischfläche, suburbane Freifläche war. Exklusivität strahlt das Gelände nicht aus – und das ist auch gut so, weil exakt dieser offene Charakter auch den wirtschaftlichen Erfolg der Anlage bedingt.
„Ich bin ein Naturmensch“, sagt Dr. Rüdiger Umhau, Gründer der Anlage und Präsident. „Am Anfang haben wir gleich mal 3000 Bäume gepflanzt, und es werden immer mehr.“ Auf die ehemaligen Rieselfeld- und Brachflächen im Berliner Nordosten ist er eher zufällig gestoßen, weil eine Berlinerin aus der Pankower Gegend einen Platzreifekurs auf einer Anlage in Bayern machte, die er auch gegründet hatte. „In Bayern gibt’s doch schon so viele Golfanlagen“, hat sie zu mir gesagt, erinnert er sich. „In Berlin-Zentrum gibt es nur zwei.“ Der GC Gatow und der GC Berlin-Wannsee waren das zur Jahrtausendwende. Umhau wollte das ändern. Weil die örtlichen Verwaltungen in Pankow vor etwa 30 Jahren keine wirkliche Strategie für die Fläche hatten, waren sie offen für die Umgestaltung zur Golfanlage, die 2004 entstand.
Pankow ist eine Golfanlage, auf der ohne riesige Erdbewegungen mit dem gearbeitet wurde, was das Gelände zur Verfügung hatte. Die kleinen Wasserhindernisse sind frühere Feuchtstellen, die zur Entwässerung der Flächen dienen. Die Uferflächen sind längst schön eingewachsen, Libellen sieht man hier. Wenn kein Regen fällt, trocknen die Feuchtflächen eben zeitweise aus. Ein Problem mit der Verfügbarkeit von Wasser hat die Anlage, die mit Grundwasser beregnet wird und im jährlichen Verbrauch zu den wirklich sparsamen Golfanlagen im deutschen Raum gehört, nicht. „Das Gelände war schon beim Bau eher zu feucht als zu trocken“, erinnert sich Geschäftsführerin Gabriele Wagmüller.
Wer den Golfplatz, dessen Löcher sich angenehm kompakt durch das vergleichsweise flache Gelände ziehen, im Detail betrachtet, erkennt ihren Wert für das Thema Biodiversität. Die üppigen, großgewachsenen Hecken sind ihr größtes Pfund. Dicht, breit, vielfältig in der Struktur und schön abgestuft in der Höhe bis zu den Fairways sind sie ein Lebensraum für Vögel, Insekten aber auch kleine Säugetiere. Hier greifen auch Auflagen des Naturschutzes greifen. Die Hecken müssen in ihrem Bestand so bleiben.
Punkten kann der GC Pankow aber auch bei der Vernetzung von Lebensräumen. „Rough ist nun mal Rough“, erklärt Umhau und beendet damit sofort die bei Golfclubs häufig verbreitete Diskussion um das Ausmähen der Verbindungsflächen zwischen den Bahnen. Auf der Pankower Golfanlage bleibt das Rough stehen und bietet damit Nistflächen für Brutvögel, die sich hier gut verstecken können. Auch Fasane sieht man durch diese Bereiche ziehen. „Wir wollen unseren Golfplatz naturbelassen pflegen“, macht Präsident Umhau deutlich. Die Vereinbarkeit aus Natur und einem wirtschaftlichen Golfplatz ist ihm wichtig.
Die Offenheit der Golfanlage, die auf Startzeiten verzichtet und keine Driving-Range-Gebühr verlangt, sorgt für ständigen Betrieb von Golfern aus der direkten Umgebung aber auch von Greenfeespielern, die stadtnah unkompliziert Golf spielen wollen. Für so manchen von ihnen bietet der Golfplatz eben auch eine Grünfläche zum Austoben, die gerade in den heißen Sommermonaten aufgrund der inzwischen hoch gewachsenen Bäume Schattenflächen bereithält und ein wenig Abkühlung ermöglicht.
Nein, mit großen Konzepten zum Thema Natur und Umwelt, Zertifikaten oder Kooperationen, kann die Golfanlage noch nicht aufwarten. Aber ihr Mehrwert für das Thema Natur ist doch trotzdem erkennbar: Deutlich mehr als hundert Golfer pro Tag drehen hier ihre Runden. Kunden aus allen Gesellschaftsschichten, jeden Alters und jeden Geschlechts treffen hier aufeinander. Was sie am Ende eint, ist ein Hobby im Grünen. Mal spielen sie an Streuobstbäumen vorbei, mal an Totholzstellen. Mal ist Schilf im Weg, mal watscheln ein paar Enten vorbei. Golf in Pankow bedeutet Sport im Zentrum von Berlin, aber gleichzeitig auch die ständige Begegnung mit dem Thema Biodiversität. Live und verfälscht. Und das nicht nur morgens um sieben.
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Foto: Shutterstock
Biodiversitäts-Lexikon Vernetzung