Celina Sattelkau, deutsche Profigolferin, gehört zur Vereinigung der EcoAthletes. EcoAthletes ist eine 2020 gegründete Non-Profit-Organisation aus den USA, die Sportlerinnen und Sportler dabei unterstützt, sich öffentlich für Klima- und Umweltschutz einzusetzen. Zu den bekanntesten EcoAthletes gehören mehrere Olympiasieger und Olympiamedaillengewinner, darunter die zweifache Olympiasiegerin im Segeln Hannah Mills oder Etienne Stott, Olympiasieger im Kanuslalom. Außerdem fungiert Sattelkauf für die Sustainable Golf Association (GEO) und die Ladies European Tour als Sustainable Golf Champion.
Celina, warum bist Du Mitglied bei den EcoAthletes geworden?
Sattelkau: Ich war an der Vanderbilt University bereits sehr in das Thema Nachhaltigkeit involviert, habe Kurse zu Umweltthemen belegt, Projekte durchgeführt, aber ich war noch nicht bei den EcoAthletes. Nach der Uni war klar, dass ich Profisportlerin werden wollte und keine Zeit hatte, in dem Thema zu promovieren oder ein Praktikum zu machen. Ich habe mich zu Alternativen informiert und bin auf die EcoAthletes gestoßen. Für mich war das ein sehr cooler Schritt, sich da zu engagieren, weil es dort sehr viele hochrangige Athleten und Olympiasieger gibt, die höchstes sportliches Niveau mit höchstem Engagement verbinden.
In welcher Form hast Du mit den anderen Athleten Kontakt?
Sattelkau: Wir haben zum Beispiel die Locker Room Chats, in denen man voneinander lernen kann und zu denen oft auch Experten eingeladen werden. Damit gibt es ein Netzwerk, aus dem dann eben auch wieder Projekte entstehen können. Wir sind ja inzwischen auch fünf Golferinnen, die dabei sind.
Alle EcoAthletes aus dem Golfsport sind Frauen. Woran liegt es, dass das Thema offenbar die Frauen eher anspricht?
Sattelkau: Ich glaube, dass wir Frauen tendenziell sowieso weltweit ein bisschen benachteiligt sind und deshalb für Themen wie Ungleichheit oder Ungerechtigkeit sensibler sind. Nachhaltigkeit ist auch ein Thema der Ungleichheit, wenn wir über die Unterschiede zwischen Global North und Global South nachdenken.
International gibt es keinen einzigen der wirklich bekannten Profisportler, der sich für Themen wie Umweltschutz oder Nachhaltigkeit öffentlich stark einsetzt – warum nicht?
Sattelkau: Ich glaube, wenn wir Golf mit Sportarten wie Volleyball, Leichtathletik, Basketball, oder Fußball vergleichen, ist Golf doch eher auf der konservativen Seite. Nachdem das Thema Nachhaltigkeit oft auch politisch bewertet wird und es häufig eher der linken Seite zugeordnet wird, kann ich mir vorstellen, dass sich deshalb im Golf weniger Leute aktiv dafür einsetzen.
Als Profisportlerin bewegst Du dich in einem System, das erst einmal nicht nachhaltig ist, weil es mit extrem viel Mobilität und großen Events zu tun hat. Wie gehst Du mit diesem Konflikt um?
Sattelkau: Das stimmt. Es wird oft gesagt, du bist Profisportler, was willst du mir von Nachhaltigkeit erzählen? Aber ich glaube, der Klimawandel ist ein strukturelles Problem. Die Argumentation, „Du darfst nicht nicht über Klimawandel reden, weil Du so viel in der Welt herumreist“, finde ich schwierig. Ich bin jetzt außerdem bei der britischen Organisation GEO als Sustainable Golf Champion aktiv und habe im vergangenen Jahr meine ganzen Emissionen durch Carbon Credits ersetzt.
Du konntest Dir selbst das Projekt aussuchen, in das die Ausgleichssumme fließt. Für was hast Du Dich entschieden?
Sattelkau: Ich habe mir in Indien ein Windprojekt ausgesucht, weil ich das Thema erneuerbare Energien mega interessant finde. Außerdem haben wir mit der Tour auch in Indien gespielt, es ist ein Dritte-Welt-Land – das hat alles gut gepasst. Außerdem finde ich es beim Thema Energie wichtig, dass sie nicht nur als Quelle nachhaltiger ist, sondern dass durch den Einsatz erneuerbarer Energiequellen auch bessere Jobs geschaffen wird, so dass auch der soziale Aspekt inbegriffen ist,
Welche Möglichkeiten hast Du als Proette denn Deine Turnierteilnahmen nachhaltiger zu gestalten?
Sattelkau: Ich versuche, wenn wir in Europa spielen, mit dem E-Auto zu fahren. Ich könnte da auch fliegen, aber da fahre ich eigentlich zu allen Turnieren mit dem E-Auto, weil ich dann einen besseren ökologischen Fußabdruck habe. Zu einem Turnier nach Australien kann ich natürlich schlecht laufen oder mit dem Auto fahren.
Ansonsten mache ich so kleine Sachen: Ich habe natürlich meine Wasserflasche zum Nachfüllen mitgebracht. Ich war lange Jahre vegan, das bin leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr, aber ich versuche, nicht immer Fleisch zu essen. Als Profisportler muss man natürlich auch schauen, wo sich Performance und Nachhaltigkeit verbinden lassen. Bei einem Turnier in Indien hatten wir zum Beispiel das Problem, dass viele Spielerinnen krank wurden, weil es Probleme mit dem Wasser zum Auffüllen gab.
Achtest Du bei der Auswahl von Sponsoren darauf, ob sie nachhaltig sind?
Sattelkau: Für mich im zweiten Jahr als Proette ist es sehr schwer, generell erstmal Sponsoren zu finden. Ich habe zum Beispiel versucht einen Sustainability Partner zu finden, aber die Firma, die ich angesprochen habe, hatte dafür kein Geld.
Wie reagieren denn Deine Kolleginnen auf das Thema Golf & Umweltschutz?
Sattelkau: Also ich verstehe meine Rolle als so eine Art Brückenfunktion zu den anderen Spielerinnen. Das beginnt zum Beispiel bei den Emails der LET zum Thema Nachhaltigkeit. Ein Großteil des Feldes würde wahrscheinlich sagen, „das ist mir egal. Wir haben zum Beispiel beim Turnier in Mauritius viel über Wassermanagement gelernt. Meine Rolle sehe ich so ein bisschen als Sprechrohr: Wie kann ich das vielleicht beim Abendessen mal so beim Smalltalk an die Spielerinnen bringen, sodass einfach mehr Bewusstsein dafür da ist.
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Empfindest Du das Thema Nachhaltigkeit generell als schwierig in der Kommunikation?
Sattelkau: Mein Eindruck ist, dass es häufig politisiert und in eine linke Ecke gestellt wird. Ja, ich glaube, es wird oft sehr politisiert und moralisiert. So nach dem Motto: Also, du willst Nachhaltigkeit, okay, aber du darfst dann kein Fleisch mehr essen und dies und das tun.
Das finde ich irgendwie sehr schade.
Kann der Golfsport eine positive Rolle in der Kommunikation des Umweltthemas einnehmen?
Sattelkau: Ich glaube ja, weil wir ja auch an einem Punkt sind, an dem Golf sehr vom Klimawandel betroffen ist. Wir haben bei so vielen Turnieren Probleme mit Extremwetter. Wir sind davon betroffen und müssen gleichzeitig schon schauen, dass wir es umweltfreundlicher machen, indem man mehr Biotope einbaut oder auf den Wasser- und Düngerverbrauch achtet
Auf amerikanischen Golfplätzen wird meist deutlich mehr Wasser, Dünger und Pflanzenschutzmittel verbraucht als auf Plätzen in Deutschland aber die Qualität der Plätze ist in der Regel auch deutlich höher. Wie siehst Du das als Profi, willst Du auf perfekte Spieflächen verzichten?
Sattelkau: Wir haben zuletzt mit einem Agronomen vom R&A viel über die Frage gesprochen, wie man nachhaltiger mit einem Platz umgehen und gleichzeitig bessere Spielflächen schaffen kann. Ich glaube, wir können beides schaffen. Deshalb liebe ich ja auch Linksgolf so sehr, weil es tolle Golfplätze sind, die so sehr mit der Natur vereint sind.
Du hast auch einige Jahre in der Deutschen Golf Liga gespielt, in der an jedem Spielwochenende tausende Plastikflaschen und Plastikverpackung auf den Golfplätzen zu sehen sind. Sollte man das Deiner Meinung nach ändern?
Sattelkau: Ja, aber ich denke, man sollte die Spieler aus der Verantwortung nehmen. Das ist ein Problem der Infrastruktur und der Veranstalter muss das klären. Die Spieler an sich, die müssen sich damit beschäftigen, dass sie den Golfball ins Loch bringen.
Hast Du ein Vorbild in Deiner Rolle als Ecoathlete und Sustainable Golf Champion?
Sattelkau: Ja, Sara Kouskova. Die ist sportlich erfolgreich, hat Olympia gespielt und beim Thema Nachhaltigkeit schon Barrieren abgebaut. Ich möchte meine Rolle als Profisportler und das, was ich vielleicht an Außenwirkung auch habe, auch dazu nutzen, wie sie für etwas Positives nutzen.










Foto: Thomas Himmel