Biodiversitäts-Lexikon: Y wie Yponomeutida
Hübsch sieht das nicht aus: Weiße Netze ziehen sich über die Äste von Sträuchern. Besonders im Frühjahr bedecken die Raupen bestimmter Schmetterlingsarten ganze Gehölze mit einem dichten Netz und fressen einen großen Teil ihrer Blätter. Hinter diesem auffälligen Phänomen steckt die Gattung Yponomeuta, zu der die Gespinstmotten gehören.
Ihre Falter sind meist klein, mit hellen, häufig weißlichen Flügeln und dunklen Punkten. Auffälliger als die erwachsenen Tiere sind ihre Raupen. Im Frühjahr leben sie gesellig und produzieren feine Seidenfäden, aus denen sie gemeinsam Gespinste bilden. Diese können Zweige und ganze Sträucher überziehen. Innerhalb der Gespinste sind die Raupen vor verschiedenen äußeren Einflüssen geschützt, während sie die Blätter ihrer Nahrungspflanzen fressen. Bei starkem Befall können Gehölze vorübergehend fast komplett kahl gefressen werden. Die Raupen verschiedener Gespinstmottenarten sind auf bestimmte Nahrungspflanzen spezialisiert. Dazu gehören das Pfaffenhütchen aber auch der Weißdorn, Apfel oder Traubenkirsche.
Das Bild versetzt jeden Golfer erst einmal in Schrecken, bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass ein Strauch dauerhaft geschädigt ist. Viele gesunde Gehölze treiben nach dem Fraß wieder aus. Die Raupenentwicklung ist zeitlich begrenzt; nach ihrer Verpuppung schlüpfen die Falter, und die auffälligen Gespinste verlieren ihre Funktion. Die genaue Entwicklung hängt von der Art und den Witterungsbedingungen ab.
Auch ökologisch sind Gespinstmotten interessant. Ihre Raupen sind Teil des Nahrungsnetzes und bieten spezialisierten Schlupfwespen und anderen natürlichen Gegenspielern Entwicklungsmöglichkeiten. Die Bindung an bestimmte Nahrungspflanzen verdeutlicht zudem, wie eng Insektenvielfalt und die Zusammensetzung der Gehölzvegetation zusammenhängen.
Auf Golfplätzen können Gespinstmotten in Hecken, Gehölzgruppen und naturnahen Randbereichen auftreten. Für das Management gilt: Zunächst sollten die Art und der Zustand der betroffenen Pflanze beurteilt werden. Ein vorschneller Rückschnitt oder eine chemische Bekämpfung ist häufig nicht erforderlich.
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Foto: Golfpark Weiherhof