CO2-Emissionen bei E-Mähern: Praxistest bringt mehr als 50% Reduktion
Was man nicht sieht, lässt sich oft nur schwer greifen. Genau das ist beim Thema CO2-Emissionen von Mähmaschinen auf einem Golfplatz der Fall. Dass der Bereich Greenkeeping und insbesondere der Verbrauch von Dieselkraftstoff durch Mäher, Transporter oder Handgeräte auf dem Golfplatz ein Schwerpunkt in der CO2-Bilanz eines Golfbetriebes ist, lässt sich anhand von CO2-Rechnern auf Golfanlagen leicht überprüfen. In den vergangenen fünf Jahren allerdings hat sich die Lage im Greenkeeping deutlich geändert – E-Mäher, egal ob in Form autonomer Roboter oder in der klassischen Form mit Personal am Lenkrad, sind auf dem Vormarsch. Allein das schwedische Unternehmen Husqvarna meldete 2026 im Rahmen des Husqvarna British Masters, weltweit seien firmeneigene E-Mäher auf über 2000 Golfplätzen aktiv. Aber auch etablierte Unternehmen wie etwa TORO bringen vermehrt elektrische Mäher auf den Markt. Der Links Trust in St. Andrews mäht den Old Course seit geraumer Zeit mit elektrischen TORO Mähern.
Wie viel CO2 sparen E-Mäher ein?
Diese Transformation geht einher mit einem Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen und gleichzeitig mit einer Reduktion der CO2-Emissionen im Greenkeeping. Die spannende Frage dabei ist: Wie viel CO2-Emissionen sparen die E-Mäher denn nun ein? Ein Blick auf die aktuelle Forschung zeigt allerdings: Die Studienlage ist mäßig. Einzig die Studie Autonomous and reel mowers in golf course fairway maintenance: A case study in Italy auf der italienischen Golfanlage Montecchia aus dem Jahr 2025 macht derzeit von wissenschaftlicher Seite das Potential der E-Mäher im Hinblick auf die Einsparung von CO2-Emissionen deutlich.
Die Studienergebnisse
Die relative Reduktion der CO2-Emissionen beim Mähen der Fairways der 27-Löcher-Anlage lagen bei 66,2 Prozent; die absolute Einsparung betrug 9,24 t CO2/Jahr. Gemäht wurden insgesamt 10,69 Hektar Fairways. Verglichen wurden sechs autonome, batteriebetriebene Husqvarna-CEORA-Mäher mit konventionellen, dieselbetriebenen Spindelmähern von Toro. Die CO₂-Werte wurden anhand des Kraftstoff- beziehungsweise Stromverbrauchs berechnet. Während der CO₂-Verbrauch mit Dieselmähern des Modells Toro 5510-D bei 1305 kg/Hektar lag, reduzierte er sich mit dem Modell Husqvarna Ceora auf 441 kg/ha. Das entspricht dem jährlichen CO₂-Ausstoß von etwa 2,6 Menschen in Schweden oder knapp zwei Dritteln des jährlichen CO₂-Ausstoßes eines US-Amerikaners.
Wichtig ist dabei auch, mit welcher Art von Strom ein elektrischer Mäher betrieben wird. Bei der Verwendung von selbst erzeugtem Solarstrom fällt die Bilanz noch einmal besser aus als bei Ökostrom aus der Steckdose oder womöglich einem Strommix. Die Wissenschaftler der beteiligten italienischen Universitäten legten deshalb einen Emissionsfaktor von 0,53 kg CO2 pro kWh Strom fest, der je nach Stromnetz und Region variieren kann.
Der Praxisfall mit 25 Mähern
Weg von der Theorie hin zur Praxis: Erste Daten auf die realen Einsparungen bei normalem Betrieb der Golfanlage erhält man bei Betrieben, die bereits eine komplette Saison mit neuen Mähern hinter sich haben und sowohl über die kompletten Daten mit den Diesel-Mähern sowie mit den E-Mähern verfügen. Eine davon ist die 27-Löcher-Anlage Golfpark Weiherhof in Deutschland. Hier werden nur noch die Grüns mit Diesel-Mähern gemäht, Abschläge, Fairways und Semiroughs aber mit autonomen E-Mähern. Im Einsatz sind sieben Husqvarna Ceora, 7 Husqvarna Automower 535 und elf Husqvarna Automower 580L.
Emissions-Reduktion um mehr als 50 %
Hier reduzierten sich die Emissionen durch den Einsatz der elektrischen Mäher um mehr als 50 Prozent. Die Größe der Mähfläche lag bei 33,13 Hektar und 27 Löchern. „Wir haben unseren Dieselverbrauch massiv gesenkt“, erklärt Head-Greenkeeper Jürgen Magar zufrieden. Hinzu kommt, dass die Anlage über eine 100-kWh-Solaranlage auf dem Dach eines Betriebsgebäudes verfügt. „Das funktioniert super, weil die Mäher tagsüber laden und genau da der Strom erzeugt wird“, resümiert Horst-Wintrich, Mitinhaber der Anlage, zufrieden. Statt 18.180 Liter Diesel im Jahr 2024 lag der Verbrauch für die Restflächen 2025 nur noch bei 8683 Liter. Umgerechnet in CO2 (Emissionsfaktor 2,65 kg) ergeben sich Emissionen von 23,01 Tonnen. Bei reinem Dieselverbrauch lagen sie bei knapp über 48 Tonnen.
Das macht deutlich, wie groß das Potenzial im Greenkeeping bei der Einsparung von CO2 allein durch die Elektrifizierung der Mähmaschinen ist – auch wenn die aufgelisteten Daten noch Einzelfälle sind. Sie können je nach Marke und Art der Mäher, Strom und Gelände anders ausfallen. Auch das sogenannte Life-Cycle-Assessment, bei dem die CO2-Emissionen aus Produktion und Lieferketten der Mäher mitberücksichtigt werden, fehlt ja noch. Das alles ändert aber nichts an der Erkenntnis, dass das Potential zur Reduktion von Emissionen auf Golfplätzen enorm ist und offenbar vergleichsweise einfach im Greenkeeping realisiert werden kann.
INSERT_STEADY_NEWSLETTER_SIGNUP_HERE
Wie wichtig ist die CO2-Bilanz für die Käufer?
Inwieweit aber ist das dem Verbraucher wirklich klar? Während beim Thema E-Mäher und E-Roboter häufig über die Reduzierung an Lärm oder die Verlässlichkeit der Maschinen gesprochen wird, ist die Reduktion von CO2-Emissionen kein Thema, das in Anzeigen oder PR-Artikeln der Hersteller offensiv nach vorne gestellt wird. Das mag auch daran liegen, dass es noch an größeren, wissenschaftlichen Studien zur Thematik fehlt. Wer Marketing auf Einzelfällen basiert, wird schnell des Greenwashings verdächtigt.
Laut Maria Viking, Marketing Manager Sport und Golf bei Husqvarna, ist das Thema Nachhaltigkeit den Kunden der Firma aber durchaus wichtig. Im Rahmen der diesjährigen Kundenbefragung erzielte das Statement „Robotic mowing improves the sustainability of our turf management practices” mit 4.6 von 5 Punkten den höchsten Zustimmungswert aller Fragen aus dem Komplex Agronomie. 80 Course-Manager aus zehn europäischen Märkten nahmen an der Umfrage teil.
Auch wenn die Datenlage zu den elektrischen Mähern noch klein ist – sie macht deutlich, dass ihre bereits bestehende Erfolgsgeschichte durch die Reduktion der CO2-Emissionen weiter zunehmen könnte.










