GC Sylt: Golfplatz, Urlaubsort, Lebensraum
Den Lachmöwen auf der Insel an Bahn 10 des GC Sylt geht es bestens: Den 18-Löcher-Platz bevölkern die Vögel seit Jahren. Der Teich an Bahn zehn erfüllt damit gleich drei Funktionen: Er ist als strategisches Hindernis für die Golfer interessant, trägt als Speicherteich zur Absicherung des Wassermanagements des Clubs bei und dient außerdem als Lebensraum. Die Lachmöwe ist dabei ein guter Indikator dafür, dass die Golfanlage des GC Sylt weit mehr ist als eine reine Sportfläche: Die großen Wiesenflächen und Feuchtgebiete schaffen reichlich Nahrungsangebot für die Lachmöwen, die ökologische Funktion der insgesamt 60 Hektar großen Fläche ist nicht zu unterschätzen.
Die Kombination aus erstklassiger Golfanlage, attraktivem Urlaubsraum für Touristen und Lebensraum für Fauna und Flora schafft der Traditionsclub seit Jahren. Thomas Schweikert, Head-Greenkeeper, merkt man die große Erfahrung mit seinen Flächen an. Seit Jahren nimmt der GC Sylt bei der Zertifizierung durch das DGV-Umweltabzeichen Golf und Natur teil. Seit der Einführung des Programms Golf Biodivers, ist der Club auch in ständigem Austausch mit Wissenschaftlern der Universität Kiel, die auf insgesamt drei Flächen mit regionalem Saatgut Aufwertungsmaßnahmen durchführen.
Ein Blick abseits der Spielbahnen zeigt: Gerade mit hochwertigen extensiven Flächen punktet der Club. „Es ist ja wirklich überraschend, wie schnell sich das alles entwickelt“, resümiert Schweikert selbst mit Blick auf eine der Blühflächen. „Hier hatte ich eigentlich nur etwas Regio-Samen übrig“, erklärt er mit einem leichten Kopfschütteln. Entwickelt hat sich eine buntes Stück Wiese. Dabei punktet die Golfanlage mit ihrer Vielfalt – sie hat sowohl wechselfeuchte Flächen wie Trockenrasen aber auch Heide zu bieten. „Unsere Golfspieler sind begeistert und die Urlauber auch“, erklärt Schweikert. Obwohl die mehrjährigen Blumenmischungen in der ersten Saison auf viele Spieler noch nicht attraktiv wirken, hat er spätestens im zweiten Jahr viel Beifall für die Biodiversitäts-Projekte erhalten.
Heideentwicklung ein wichtiges Projekt
Über ein Hektar neue Heideflächen sollten im Zuge des Umbaus von elf Spielbahnen, der inzwischen abgeschlossen ist, neu angelegt werden. Die Heide gehört zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen Schleswig-Holsteins. Inzwischen liegen 50 Prozent der noch vorhandenen landesweiten Fläche auf der Insel Sylt. Davon wiederum stellt die Braderuper Heide das größte zusammenhängende Gebiet dar. Ein kleines Stück davon reicht auf das Gelände der Golfanlage, die mit ihren fast 60 Hektar Fläche auf der einen Seite an dieses Naturschutzgebiet und das folgende Wattenmeer grenzt, auf der anderen Seite aber den Blick in die Kampener Dünen bietet.
Die Heide, so Schweikerts Erfahrung, ist unberechenbar. „Sie entwickelt sich zum Teil auch in Bereichen, in denen wir sie gar nicht angepflanzt hatten.“ Dafür ist sie auf anderen Flächen längst Gräsern, Kräutern oder heimischen Blumen unterlegen.
Greenkeeping denkt bei Maschinen und Gräsern in die Zukunft
Die klimatischen Bedingungen auf der Insel sind ohnehin speziell: Der ständige Wind führt schnell zu Austrocknung, weshalb Schweikert schon seit Jahren mit Festuca-Gräsern auf den Fairways einen trockenheitsresistenten Bestand fördert. Das kommt ihm angesichts der zunehmend heißeren Sommer zugute. Kahlstellen auf den Fairways findet man im GC Sylt nach dem Sommer 2026 nicht, der Pflegezustand der Spielbahnen ist trotz der Hitze und Trockenheit der vergangenen Monate erstklassig.
Unterstützung im Greenkeeping hat Schweikert inzwischen auch durch Roboter. „Die Zukunft gehört solchen Modellen“, erklärt er mit Blick auf den vollautonomen Fairwaymäher, der immerhin neun der 18 Bahnen bewältigt. Dabei ist für den Golf Club Sylt nicht nur das autonome Mähen sondern vor allem die Elektrifizierung der Greenkeeping-Maschinen ein wesentlicher Aspekt. Vollelektrische Grünmäher hat der Club bereits, auch von den Transportfahrzeugen ist ein Teil elektrisch. Kombiniert mit den Fairwaymähern ergibt sich so inzwischen ein hoher Maschinenbestand im Greenkeeping, der nicht mehr auf fossile Brennstoffe angewiesen ist. Für Schweikert bedeutet das nicht nur weniger Lärm beim Arbeiten, sondern auch Unabhängigkeit von wechselnden Dieselpreisen, mehr Sauberkeit am Arbeitsplatz und mit Blick auf das Programm „Golf und Natur“ außerdem noch Fortschritte bei der CO2-Bilanz des Clubs.










