Golf-Verband führt Hitzeregelungen für 2023 ein

Hitze kann tödlich sein – vor allem dann, wenn man sich in der prallen Sonne auch noch Sport treibt. Der Bayerische Golfverband führt deshalb erstmals ab 2023 BGV-Hitzeregeln ein und setzt damit ein positives Zeichen. Hitzeregelungen im Sport sind generell in heißen Ländern keine Seltenheit, werden aber auch in Europa und Nordamerika immer mehr ein Thema.  Während der Golfsport hier noch in der Entwicklungsphase ist, haben sich andere Sportarten längst dem Thema gewidmet. Der US Soccer Verband zum Beispiel erklärt seinen Mitgliedern in einer fünfseitigen Anweisung genau, bei welchen Temperaturen welche Trainingseinheiten möglich sind. Die WTA Tour im Damentennis hat seit Jahren Regeln für extreme Wetterbedingungen aufgestellt. Hitzepausen gibt es bei einer bestimmten Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit auch bei allen Grand Slam Turnieren der Herren und Damen.

Verdreifachung der Hitzetage

Nachdem auch in Deutschland die Temperaturen seit Jahren im Schnitt steigen, geht der Bayerische Golfverband das Thema nun an. „Grundsätzlich wird der BGV ab der Saison 2023 bei Turnieren, die in den Monaten Juni und Juli stattfinden, soweit möglich, bei der Planung des Turnierkalenders hohe Temperaturen berücksichtigen und die Teilnehmerfelder so anpassen, dass eine hohe Hitzebelastung so weit wie möglich vermieden wird“, erläutert der Verband seine Hitzeregeln. Diese waren notwendig geworden, nachdem sich die Anzahl der sogenannten Hitzetage mit einer Tageshöchsttemperatur von mehr als 30 Grad Celsius seit den 1950er Jahren in Bayern verdreifacht hat. Das ergab eine Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit Daten des Deutschen Wetterdiensts. Zwischen 2011 und 2020 wurden im Schnitt 12,2 Hitzetage jährlich festgestellt. Der Klima-Report 2021 des Bayerischen Umweltministeriums prognostiziert, dass bis zum Jahr 2100 36 weitere Hitzetage hinzukommen könnten.

Verlegung von Liga-Spieltagen möglich

Der Bayerische Golfverband ermöglicht seinen Mitgliedern nun je nach Altersklasse ab einer Temperatur von 32 Grad Celsius (AK 18 und jünger und AK 65) die Verlegung von Liga-Spieltagen. Für die AK 30 und 50 liegt die Grenze bei 35 Grad. Bei einer Temperatur von über 38 Grad, die der Hitzewarnstufe II entspricht, „sollte in allen Altersgruppen das Golfspiel vermieden werden oder zwingend die Startzeit angepasst werden, um Tageshöchsttemperaturen während der Golfrunde zu vermeiden. Entscheiden sich Teams gegen eine Verlegung des Liga-Spieltages, rät der Verband mit den Startzeiten in den frühen Morgen oder Abend zu gehen bzw. zu einer Änderung der Flights. Bei einem Kanonenstart mit Zweier-Flights am frühen Morgen kann man der Hitze deutlich besser entkommen.

Hoher Anteil gefährdeter Gruppen im Golf

Für die Golfanlagen ist diese Neuregelung erst einmal mit Umstellung und mehr Organisationsaufwand verbunden. Wer sich wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Hitzetod ansieht, stellt aber fest, dass Hitzeregelungen unabwendbar sind. Dies gilt für den Golfsport schon deshalb, weil hier der Anteil der aktiven Sportler in der Altersklasse über 30 und vor allem über 50 Jahre besonders hoch ist.

Übersterblichkeit wegen Hitze in Extremsommern

In den Sommern von 2018 bis 2020 sind Experten zufolge mehr als 19.000 Menschen in Deutschland an den Folgen der Hitze gestorben. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Robert Koch-Instituts, des Deutschen Wetterdiensts und des Umweltbundesamts, die 2022 erschien. Für 2022 liegen die Daten bezüglich der Übersterblichkeit wegen Hitze noch nicht vor. Im relativ moderaten Sommer 2021 gab es keine Übersterblichkeit wegen Hitze.

Todesfälle auf dem Golfplatz, die bei Hitze meist auf Problemen des Herz-Kreislaufsystems basieren, sind vermeidbar. Allerdings nur, wenn man sich auf das Thema „Hitze im Sport“ vorbereitet. In Bayern zumindest, hat man das Thema jetzt im Griff.