Einsatz für das Krisenteam mit Expertise

Hochwasser, Murenabgang, Hagelschaden – im GC Garmisch-Partenkirchen kennt man sich aus mit Wetterextremen. Die Golfanlage wird häufiger als jede andere in Deutschland von einem Sturmwetterereignis erwischt. Die Garmischer reagieren darauf erstaunlich gelassen. Wir können Krise – lautet das Motto. Mit der Zeit, so das Fazit laufen nach einem Besuch vor Ort, lernt man eben mit Krisen umzugehen und sich darauf vorzubereiten.

Vom Hochwasser bis zur Mure

Der GC Garmisch-Partenkirchen liegt im südlichsten Zipfel Deutschlands. Von hier aus sieht man die Zugspitze, linkerhand von der Clubhausterrasse blickt man weit oben in den Bergen auf einen Wasserfall. Wer zum Club fährt,  muss über das Flüsschen Loisach. Alles sehr idyllisch.

Die Idylle täuscht. Tatsächlich trifft man hier auf eine Golfanlage, die im Dauerstress ist, was die Themen Hochwasser, Überschwemmungen, Erosionen und Muren anbelangt. Weshalb der frühere langjährige Clubmanager Bruce Bakal und der Sportwart Christian Fellner in einem Gespräch auch sehr genau unterscheiden zwischen „außergewöhnlichem Ereignis“, „normalem Hochwasser“ und „sauberem Hochwasser“. Sie kennen die Details, die für den Club weitreichende Folgen haben.

Normales Hochwasser ist eigentlich im Dauerprogramm angesagt. “Die Loisach kommt fast jedes Jahr“, sagt Fellner. Dann arbeitet sich das Wasser über einen Teil der Spielbahnen vor, bis es von einem kleinen gebauten Schutzdamm rund um Clubhaus und einen Teil der Gebäude und Löcher aufgehalten wird. Wobei man an dieser Stelle hinzufügen muss, dass der Wasserstand seit einigen Jahren immer näher an die obere Kante eben dieses Mini-Deichs rückt. „Kann sein, dass wir da mal erhöhen müssen“, lautet die Einschätzung des Vorstands-Teams.

Trackmanhütte auf Stelzen

Grundsätzlich aber ist man bei normalem Hochwasser gerüstet. Jeder Vorstand, so die Ansage, sei hier gleichzeitig ein Hochwasser-Fachmann: Das neue Trainingsgebäude auf der Driving Range wurde auf Stelzen gebaut. Klappen an der Unterkante der Driving Range Hütte lassen das Wasser ablaufen.  Türverstärkungen sind dauerhaft angebracht. „Wir wissen, was wir wo hochstellen“, erklärt der Golflehrer, der in Garmisch-Partenkirchen aufgewachsen ist. Die Maschinen werden ohnehin an erhöhter Stelle geparkt.

Dabei ist dieses häufige Hochwasser noch nicht einmal auf den Klimawandel zurückzuführen, sondern vielmehr auf eine neue Straßenführung und das Verbot der Kiesentnahme in der Loisach. Beides führt zu einem höheren Wasserstand in dem Fluss und dazu, dass es nach mehreren Tagen Regen schneller in die Golfanlage läuft. Kommen Schneeschmelze und mehrtägiger Regen zusammen, wird es kritisch. Solange das Loisach-Wasser dann aber relativ klar ist, halten sich die Schäden in Grenzen, weil das Gras nicht durch Schlamm geschädigt wird.

Redesign sorgt für Resilienz

Hinzu kommt, dass man im GC Garmisch-Partenkirchen beim Redesign der Grüns vor einigen Jahren das Thema Hochwasser im Auge behielt. „Wir haben die Grüns und Abschläge höher gesetzt und beim Design der Flächen auch auf Abflusswege für das Wasser geachtet“, resümiert Golfplatz-Designer Thomas Himmel, der diesen Part übernahm. „Dadurch lassen sich schon prophylaktisch viele Schäden vermeiden, weil man zum Beispiel aufgestaute Wasserflächen verhindert.“

Stressiger findet man in Garmisch die außergewöhnlichen Ereignisse. Etwa den Hagelschaden diesen Sommer, der dafür sorgte, dass innerhalb kürzester Zeit selbst die Autoscheiben der Fahrzeuge auf dem Parkplatz zertrümmert und die Grüns völlig kaputt waren. „Unserem Greenkeeper standen die Tränen in den Augen“, erinnert sich Fellner. „Da hatten die Greenkeeper gerade dreimal aerifiziert und alles gesandet und schon war wieder alles kaputt.“

400.000 Euro Schaden

Das Platzpersonal der 18-Löcher-Anlage der traditionell gut gepflegten Anlage wird in regelmäßigen Abständen mit Katastrophen konfrontiert. 2012 hatte man mit einem Loisach-Hochwasser und einem Muren-Abgang zu kämpfen. Der Schaden lag bei insgesamt 400.000 Euro. Bagger waren tagelang damit beschäftigt, den Schlamm von den Spielbahnen abzutragen. Die Abschläge einer Bahn waren komplett verschüttet.

Aus der eigenen Unwetter-Erfahrung heraus lautet der Rat der Krisen-Experten an andere Golfanlagen deshalb: „Eine sechsstellige Rücklage muss immer da sein und man braucht unbedingt eine ordentliche Versicherung.“ Gut 20.000 Euro Prämie kostet das den Club im Jahr, die man aber für unausweichlich hält. Die Selbstbeteiligung liegt bei 10.000 Euro. Ohne diese Versicherung aber geht es aus Sicht der Garmischer nicht.

Mit Krisen leben können

Schon deshalb, weil die Anlage, die teilweise im Landschaftsschutz- und Trinkwasserschutzgebiet liegt, kaum Möglichkeiten hat, durch neue Dämme oder andere Bauten Veränderungen vorzunehmen. Eine Tatsache, über die man aber nicht klagt, weil allen Vorständen bewusst ist, dass die Realisierung einer Golfanlage in solch‘ sensiblem Gebiet heutzutage ohnehin nicht mehr möglich wäre.

Insofern ist man im GC Garmisch-Partenkirchen einfach dauerhaft eingestellt auf Wetterextreme. Nur wenn das Schlechtwetter in den Bergen linkerhand des Tals hängt, die Wasserfälle anschwellen und die Gefahr besteht, dass sich Wasser und Erde durch die Schluchten ins Tal wälzen, wächst die Aufregung. „Wenn der Berg kommt, sind wir nicht mehr entspannt“, sagt Bruce Bakal. Wie vernichtend Schlamm sein kann, haben sie 2012 ja gelernt. Und dass Krisen sich wiederholen, wissen sie ja aus Erfahrung.