Dornoch – die Golf-Stadt in Schottlands Highland

„Das ist einfach großartig hier“, schwärmt der Amerikaner auf der Driving Range und schlägt den nächsten Ball. Er ist aus Detroit hier in den hohen Norden Schottlands geflogen. Er ist Mitglied im Oakland Hills Golf Club, einem der renommiertesten Golfclubs der USA. Ryder Cup Schauplatz 2004. Die Renovierung der Golfplätze hat dort zwölf Millionen Dollar verschlungen. Vor kurzem ist das Clubhaus abgebrannt. Die 60 Millionen Dollar, die der Club von der Versicherung als Entschädigung bekommt, werden für den Neuaufbau wohl nicht reichen, erklärt uns der Besucher aus Detroit. Top-Qualität in den USA ist für ihn mit Geld verbunden, mit riesigen Clubhäusern, elitären Clubs.

Von Detroit nach Dornoch

Und jetzt steht er hier, in den schottischen Highlands, auf der Driving Range des Royal Dornoch Golf Club und schlägt euphorisch von einer buckligen Abschlagsfläche Bälle. Hinter ihm steht ein knallgelber Eimer zum Bällewaschen – geschätzter Anschaffungspreis ein Pfund pro Stück. Die Gebäude auf der Range – eine winzige überdachte Hütte und ein nicht mehr taufrischer Schuppen, würde er in den USA keines Blickes würdigen. „Es ist großartig“, sagt er noch einmal, schlägt den letzten Ball und fährt mit dem Shuttle gen Clubhaus, um an der British Senior Amateur Championship teilzunehmen.

Was bedeutet nachhaltige Top-Qualität im Golfsport? Diese Frage sollte man sich hier, zehn Stunden Fahrtzeit von London entfernt, stellen. Die Antwort lässt sich an dem inzwischen so häufig von Unternehmen benützten Begriff ESG festmachen: Environment, Social, Governance, auf deutsch: Umwelt, Soziales, Unternehmensführung.

Kein Geld für großen Luxus

Im Royal Dornoch Golf Club hat man es geschafft, an einem ziemlich verlassenen Ort dieser Welt, einen Hotspot der internationalen Golfszene zu schaffen, der den ganzen Ort ernährt, Mehrwert für Kinder schafft und obendrein umweltfreundlich ist. Dabei wird mit Blick auf das unprätentiöse Clubhaus und die funktionale Driving Range auch klar – Geld fließt hier nicht in modischen Kleinkram, in luxuriöse Optik, in Riesengebäude, sondern in die Basics des Sports.

Das hat den Vorteil, dass die Kosten in Zeiten von Krisen übersichtlich bleiben. Wenn – wie während der Corona-Lockdowns – die unzähligen Greenfee-Runden wegfallen, sind die Kosten trotzdem noch tragbar. Wenn die Energiepreise steigen, wie jetzt der Fall, ist das Clubhaus trotzdem noch heizbar. Der Mäh- und damit der Dieselaufwand auf einem Platz, auf dem kaum Wasser und kaum Dünger zum Einsatz kommen, ist übersichtlich. Höhere Preise sind damit unschön, führen aber nicht zur Finanzkatastrophe.

Eine Stadt lebt allein von Golf

„Dornoch ist die Golf-Stadt“ sagt der General-Manager des Clubs Neil Hampton. Bei genauerer Betrachtung ist sie dies sogar mehr als St. Andrews. Das zweieinhalb Stunden südlicher gelegene Home of Golf hat zwar weit mehr Golfplätze, die Open Championship und den R&A zu bieten, aber es lebt nicht allein vom Golf. Da sind die international anerkannte Universität und der Beach-Tourismus, die zwei weitere Standbeine ausmachen. In Dornoch kommen zweifelsfrei auch ein paar Wanderer und Camper vorbei, aber von einem größeren Ansturm kann selbst jetzt im Hochsommer keine Rede sein.

Der Royal Dornoch Golfclub ist das Zentrum von Dornoch: Mit dem Struie und dem weltberühmten Championship-Kurs generiert er nicht nur 13.000 Greenfee-Runden im Jahr generiert, sondern auch 17.000 Runden von Mitgliedern. Eigentlich spielt hier jeder Einwohner Golf. „Und jedes Kind hier lernt im Laufe seines Lebens Golf“, erklärt Hampton zufrieden. Der Club bezahlt die Golflehrer, die in die Schulen gehen, umsonst Unterricht geben, ein großes Jugendförderprogramm betreiben. Es reicht vom Einsteiger bis zum Spitzenamateur. Die 13.000 Greenfeerunden erzeugen ein geschätztes Einkommen von rund zwei Millionen Pfund im Jahr, das dafür sorgt, dass die lokalen Golfer sehr preisgünstig spielen können. Mit den Greenfeespielern steigen die Übernachtungszahlen, die Umsätze in den Restaurants und die Buchungen bei anderen Ausflugszielen.

Die ´Qualität des Golfs wird auch anhand einer kleinen Zahl ersichtlich, die man der renommierten US-Zeitschrift Golf Digest entnehmen kann. Der Championship Course von Royal Dornoch wurde im Juni 2022 als die Nummer 3 der weltbesten Plätze außerhalb der USA bewertet.

Was bedeutet Spitzen-Qualität für das Management von Royal Dornoch lautet unsere Frage an Neil Hampton, und er fängt an zu überlegen. Dann fängt er an vom Fescue-Nachsaat-Programm auf dem Golfplatz zu sprechen, von neuen Sprinklerköpfen auf dem Golfplatz, von dem ständigen Versuch, die Grüns hart und spielbar zu halten, die Roughs licht und optisch perfekt. Das Ganze natürlich bei einem minimalen Wasserverbrauch, auch – wenn es wie in diesem Frühjahr kaum regnet.

Schutz von Marschland

Hampton erzählt auch von dem Forschungsprojekt der Universität St. Andrews, an dem sich der Club beteiligt hat, um die Küstenbefestigung zu verbessern. Das Marschland vor dem Struie Course vor allem an Loch 10 fiel zunehmend der Erosion zum Opfer, musste durch neue Befestigungsmatten aus Bioprodukten gesichert werden. Das sogenannte Green Shores Projekt, so Hampton, verlaufe insgesamt positiv. Das Marschland vor der Bahn 10 hat sich inzwischen. Die fünfstellige Summe, mit der der Golfclub die Forschungsarbeit der Universität mitfinanzierte, war gut investiert.

Marschland im Salzwasser gilt als extrem wichtiger Lebensraum, der eine hohe CO₂-Speicherqualität mitbringt und deshalb sowohl im Bereich der Biodiversität als auch im Bereich der CO₂-Neutralität eine wichtige Rolle spielt. Auf der Seite des Championship Courses findet der Besucher ebenfalls Uferbefestigungen, viel neu gepflanztes Strandgras, aber das Problem der Erosion ist hier im Vergleich zum Struie Course nicht relevant.

Grundlagen stammen von Old Tom Morris

Jetzt, wo das Land dort wieder gesichert ist, man außerdem noch ein weiteres Grundstück kaufen konnte, denkt man im Club über eine Verbesserung des Struie Platzes nach, der im Moment von Besuchern oftmals übersehen und nicht gebucht wird. Als die Verantwortlichen des Dornoch Golf Clubs 1886 Old Tom Morris einluden, um sich Gedanken über einen Golfplatz zu machen, der die bisher genützten Bahnen ersetzen sollte, war die Grundlage aller Überlegungen eine: Ein First-Class-Golfplatz sollte es sein, der mit den Ressourcen auskam, die das Land in den Dünen bereitstellte. Diese Ausgangsidee, so zeigt sich heute, ist extrem nachhaltig.

Weltklasse braucht kein luxuriöses Gedöhns.