GC Wörthsee wertet Golfplatz durch Hardroughs ökologisch auf

Zugegeben: Es gibt Konfliktpotential, wenn es um blühende Wiesen auf Golfplätzen geht. Auf der einen Seite ist da der hohe ökologische Wert einer Fläche, die Artenreichtum aufweist, Insekten anzieht, obendrein noch hübsch anzusehen ist. Auf der anderen Seite ist da der Golfball, der – wenn man ihn einmal nicht so großartig trifft – in eben dieser Blühwiese verschwindet und dort ausgesprochen schwer zu finden ist. Wer als Betreiber einer Golfanlage also neue Blühwiesen anlegt, muss sich mit dem Thema befassen: Wo sind Flächen, die nicht wirklich ins Spiel kommen? Wo machen Blühwiesen überhaupt Sinn, und wie entwickeln sie sich am besten?

Wie entscheidend die Standort- und Bodenbedingungen für die Entwicklung einer Blühfläche sein können, haben Timo Albrecht und Bastian Brokmann 2019 im Rahmen einer Projektarbeit analysiert,  die Teil des Forschungsprojektes „Vom blütenarmen Grünland zu vielfältigen Magerwiesen. Aufwertung von Roughs auf deutschen Golfplätzen“ war. Dieses wurde vom Deutschen Golf Verband finanziert und vom Lehrstuhl für Renaturierungsökologie der Technischen Universität München als Studienprojekt angeboten.

Wöchentliche Mahd erschwert Förderung der Artenvielfalt

Untersucht wurden dabei insgesamt acht Flächen auf dem Gelände des Golfplatz Wörthsee in Bayern, der seit 2008 am Zertifizierungsprogramm „Golf und Natur“ des DGV teilnimmt und mit dem Prädikat Gold ausgezeichnet wurde. Zwischen 2009 und 2015 wurden hier sechs Hardrough Flächen neu angesät. Zwei derartige Hardroughs waren schon 1984 bei der Entstehung der 18-Löcher-Anlage auf dem insgesamt 65 Hektar großen Gelände angelegt worden.

Generell gilt für normale Roughs, die nicht ökologisch aufgewertet sind: „Durch die wöchentliche Mahd weisen Rough-Flächen nur eine geringe Artenzahl auf“. Hier wird die Blüte zahlreicher Arten verhindert, bestäubende Insekten finden kaum Anlaufstellen, die Attraktivität der Flächen für Tiere ist generell gering. Laut Albrecht/Brokmann führt die Anlage der Blühwiesen dazu, dass sich „die Artenvielfalt der Flächen deutlich erhöhte“, der Anteil an Gräsern sank.

Der Vergleich der verschiedenen Flächen auf der Golfanlage Wörthsee führte dabei zu der Erkenntnis, dass trotz Verwendung der gleichen Saatmischung auf allen neu angelegten Flächen die Pflanzen zum Teil durchaus unterschiedlich waren. Die Projektarbeit bewies dabei vor allem den wesentlichen Einfluss des Stickstoffanteils im Boden auf die Artenvielfalt – „ein Stickstoffüberschuss kann zu einer artenärmeren Artengemeinschaft führen“. Und auch die Biomasse spielt eine Rolle: „Ein Zusammenhang zwischen einer maximalen Artenzahl im mittleren Biomasse-Bereich kann tendenziell bestätigt werden.“ Im Falle des GC Wörthsee fand sich der höchste Artenreichtum „auf Flächen mit einer Biomasse von 300 g/m².“

Für den Greenkeeper bedeutet dies: Wer Blühwiesen ansät und auf eine langfristige Aufwertung der Hardrough-Flächen setzt, muss nicht nur die Mahd auf ein bis zweimal pro Jahr verringern, sondern auch die Bodenzusammensetzung und vor allem den Stickstoffgehalt im Auge behalten. Die Abführung des Schnittgutes ist Pflicht, um eine Ausmagerung des Bodens zu erreichen.

Bestandsaufnahme ergibt deutliche Erhöhung der Artenvielfalt

Die Bestandsaufnahme der Arten in den neu angelegten Hardrough-Flächen ergab – so die Autoren der Projektarbeit – eindeutig eine deutliche ökologische Aufwertung der Golfanlage. Insgesamt wurden auf 17.200 m² Hardrough 69 Arten entdeckt, wobei die neuen Flächen mit durchschnittlich 35 Arten pro Stichprobenfläche deutlich besser ausfielen als die ursprünglichen zwei Flächen. Hier fand man nur 25 Arten im Schnitt.

Die Golfer selbst nehmen inzwischen in Kauf, dass ihr Ball  – bei besonders abwegigen Flugbahnen – zwischen den Pflanzen verschwindet: Glockenblumen, Kuckuckslichtnelken, Klappertopf  oder Karthäusernelke sind nur einige der Arten, die sich hier finden. Im GC Wörthsee ist das Team um Headgreenkeeper Hans Ruhdorfer deshalb immer wieder auf der Suche nach neuen Flächen, die sich für die Neuanlage von Blumenwiesen eignen. Selbst am Parkplatz ist man jetzt noch fündig geworden.

Golf trifft Wissenschaft

Vegetationskundliche Erfassung und Entwicklungsanalyse von ökologisch aufgewerteten Hardroughs des Golfclubs Wörthsee e.V., Bastian Brokmann & Timo Albrecht, TUM , M.Sc. Naturschutz und Landschaftsplanung, Lehrstuhl für Renaturierungsökologie, Prof. Dr. Johannes Kollmann, SS 2019

Eine der zahlreichen Teichflächen des Platzes (Foto: Pio Mars)