Golf Valley: Mehr Biodiversität bringt Imagewandel

Von wegen Winterpause. „Jetzt müssen wir da ran“, sagt Michael Weichselgartner, Gründer und Betreiber der Golfanlage Valley mit 36 Löchern im Großraum München, die auch am DGV-Zertifizierungsprogramm Golf und Natur teilnimmt.  „Wir müssen den Wildwuchs ausbuschen, pro Jahr nehmen wir rund 1000 Pflanzen raus aus den Arealen, die als Extensivflächen gehalten werden.“

Schotterheiden und Salbei-Glatthaferwiesen

Davon gibt es auf der Golfanlage, die sich im oberbayerischen Alpenvorland des Landkreises Miesbach erstreckt, eine ganze Menge. Als die Golflöcher auf dem relativ flachen Gelände mit154 Hektar Größe entstanden, war die Schaffung von standortgerechten Biotopen eine Auflage. Angelegt wurden 30 Hektar Magerwiesen, 20 Hektar artenreiche Extensivflächen, 30 Hektar Salbei-Glatthaferwiesen, Schwingel-Rotstraußgrasrasen und vier verschiedene Feuchtbiotope.

Für Weichselgartner, selbst studierter Biologe, war von Beginn an klar, dass deren Entwicklung nach der Eröffnung 2009 Jahre braucht. „Grundsätzlich bedeutet das auch für die Greenkeeper viel mehr Arbeit, als viele denken.“ Die Entbuschung der Flächen ist ein Teil davon.

Wie haben sich die Flächen nach etwa einem Jahrzehnt entwickelt, wie betrachtet sie der Golfer und welchen Einfluss haben sie auf das Image der Golfanlage? Fragen, denen Weichselgartner auf vielfältige Weise nachgeht. Die ständige Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde ist ein Weg, die Kooperation mit dem örtlichen LBV ein anderer. Letztlich wurde im Jahr 2018, im Rahmen einer Kooperation der TU München und des Deutschen Golf Verbandes, eine Masterarbeit zum „Zustand und Entwicklungspotential der Hochgrasflächen „Roughs der Golfanlage Valley“ erstellt, die letztendlich auch den Entwurf eines angepassten Pflegemodells beinhaltete.

Mittlere Menge an Biomasse optimal für Artenvielfalt

Sarah Augustin, Autorin der Arbeit, analysierte das Gelände mit Hilfe von Vegetationsaufnahmen, Biomasse- und Bodenproben und verglich die Ergebnisse mit dem theoretischen Modell des britischen Ökologen J.P.Grimes, das die Artenvielfalt eines Gelände zu der Biomasse in Relation setzt.

Die Erfassung der Arten auf dem Gelände Valleys bestätigte die These des Briten: „Die Artenzahl war bei mittlerer Menge an Biomasse am größten.“ Was sich theoretisch anhört, bedeutet in der Praxis folgendes: 175 Pflanzenarten wurden erfasst, 17 davon waren gesetzlich geschützt und/oder Rote Liste Arten. Und es gab sogar Überraschungsfunde wie das Tausendgüldenkraut, welches überhaupt nicht in den verwendeten Saatmischungen enthalten war, sich inzwischen aber ebenfalls auf der Anlage finde. Ansonsten ist die Auswahl groß: Kartäusernelken, Silberdisteln, der Kleine und der Große Wiesenknopf, der Kreuz-Enzian oder die Moschus-Malve sind nur einige der vertretenen Arten.

„Es ist einfach viel mehr drin in den Wiesen als man eigentlich glaubt“, resümiert Weichselgartner, „hier haben sich Pflanzen angesiedelt, die hatte ich selbst als Kind nicht mehr gesehen.“ Deren Förderung bleibt für die Golfanlage deshalb wichtig, die genaue Abstimmung des Pflegekonzeptes, die zum Teil auch auf der Masterarbeit basiert, ist dabei entscheidend. Je nach Bodenbeschaffenheit und Lage ändert sich die Mahd.

„Viele der neuangelegten Flächen haben sich inzwischen prächtig entwickelt“, attestiert auch Josef Fass, Fachreferent für Naturschutz vom Landratsamt Miesbach, der Golfanlage hervorragende Arbeit. „Inzwischen stehen die Behörden und auch die örtlichen Umweltschutzverbände voll hinter uns“, erklärt Weichselgartner. „Wir mussten hier ja erst einmal den Beweis erbringen, dass wir nicht ständig düngen und Glyphosat verspritzen.“

Die Golfer selbst wissen die naturnahe Gestaltung der Extensivflächen inzwischen zu schätzen. Die Farbenpracht der verschiedenen Flächen ist enorm und mit der Anzahl der Pflanzen ist eben auch die Biodiversität bei Vögeln und Insekten gestiegen. „Wir haben hier zum Beispiel 30 unterschiedliche Libellenarten“, stellt Weichselgartner fest, der für 2021 bereits das nächste Projekt im Auge ansiedeln. Er will den „Bläuling ansiedeln, und der ist ganz schön kompliziert.“

Golf trifft Wissenschaft

Zustand und Entwicklungspotential der Hochgrasflächen “Roughs” der Golfanlage Valley – Anpassung des Pflegekonzeptes, Masterarbeit von Sarah Augustin, TUM , Lehrstuhl für Renaturierungsökologie, Prof. Dr. Johannes Kollmann, 2018; Eine Kooperation von TUM und DGV.