Golfplatz als Wasserverschwender – ein Image-Problem

Es ist warm und trocken, als wir vor kurzem auf den Parkplatz des G&CC Seddiner See einfahren. Wieder einmal. Gefühlt ist es hier in der Nähe von Potsdam während der Golfsaison eigentlich immer warm und trocken. Das Gefühl entspricht der Realität, zumindest wenn es um das Thema Regen geht. Die Region – die Golfanlage liegt neben den Gemeinden Michendorf und Wildenbruch – zählt laut Angaben des Helmholtz Zentrum zu den niederschlagsärmsten in Deutschland.

Nur 17 % der Gesamtfläche werden bewässert
David Duke, seit Januar 1996 Super Intendent der 36 Löcher Anlage hat seit Jahren mit dem Thema Trockenheit zu kämpfen. Wässern nach Lust und Laune nämlich kann man beim G&CC Seddiner See nicht. Die Wasserentnahme aus dem Großen Seddiner See ist limitiert. Sie lag im Durchschnitt zwischen 2008 und 2017 bei 97.000 m³ pro Jahr. „Wir bewässern ohnehin nur 17 % der Gesamtfläche der Golfanlage bei Bedarf“, resümiert Geschäftsführer Horst Schubert. Trotzdem weiß er, dass in der öffentlichen Meinung oft der Golfclub als Schuldiger herhalten muss, wenn der Große Seddiner See an Tiefe verliert. Und das tut er seit Jahren. Tatsächlich sei die Golfanlage in den vergangenen zwei Jahren nur zu weniger als zehn Prozent daran beteiligt gewesen. Außerdem dient ein Teil des Wassers dem Erhalt der Teich-Biotope auf der Anlage.

Golfanlagen weiter verstärkt im Fokus der Kritik
Und: Die Golfanlage produziert Wasser, das Schubert bei mehr als 250.000 m³ auf der Fläche der Anlage pro Jahr veranschlagt. Durch Versickern. Das heißt, für jeden verbrauchten Kubikmeter verbrauchten Wasser werden durch die Golfanlage mindestens 2,5 m³Grundwasser neu gebildet.
Hinzu kommt, dass die G&CC Seddiner See AG seit 2004 die Reinigung und Entphosphatisierung des Wassers aus dem Großen Seddiner See übernimmt Die Betriebskosten dafür haben sich seit 2004 auf zirka 1,1 Millionen Euro addiert. Die Maßnahmen zur ökologischen Sanierung des Großen Seddiner Sees übernimmt die Golfanlage außerdem aus Eigenmitteln.

Wasserverbrauchsdaten veröffentlichen
Die Verschärfung der Wasserknappheit in den vergangenen Jahren zwingt Golfplatzbetreiber zu immer mehr Investitionen für eine effizientere Wassernutzung. Die Optimierung der Beregnung, der Mähkonzepte, der Gräser – das alles spielt dort hinein.
Trotzdem stehen nach Schuberts Ansicht die Betreiber von Sportanlagen bei Hitze- und Dürrejahren verstärkt im Fokus der Kritik. Ihr Image als Wasserverschwender hat sich in die öffentliche Meinung eingebrannt. Für ihn ist es deshalb extrem wichtig, dass Golfanlagen ihre Wasserverbrauchsdaten, sowohl vom Grund- als auch vom Oberflächenwasser, freilegen, so dass die Behörden und die Öffentlichkeit Vergleichsmöglichkeiten haben und auch das Bild vom „Wasserverschwender Golfplatz“ relativiert wird. „Den meisten Außenstehenden ist nicht klar, dass nur ein geringer Teil des Platzes überhaupt bewässert wird.“