Ascheregen und verbrannte Clubhäuser in Kalifornien

Der Golfprofi Cameron Davis stand am Mittwoch bei der Safeway Open der US PGA Tour  in Kalifornien auf der Driving Range und trainierte mit Gesichtsmaske. Nicht, weil er Angst vor Corona-Viren hatte, sondern weil die Luft so schlecht war. Der Schauplatz, das Silverado Resort, ist noch nicht direkt von den starken Waldbränden in Kalifornien betroffen, von deren Auswirkungen aber sehr wohl. Eine diesige Dunkelheit herrscht dort dieser Tage, dichter Rauch zieht über das Gelände. Die sogenannte Air Quality Management District Behörde hat längst vor Ort die Geschäfte übernommen. Ihre Botschaft am Mittwoch: Der Luftzustand war „moderate“, übersetzt sollte das heißen „erträgliches Mittelmaß“. Die Golfer durften auch zur Runde 1 auf den Platz.

Steigende Temperaturen und sinkende Luftqualität

Waldbrände und Buschfeuer, verursacht durch zunehmend heiße Temperaturen, machen dem Golfsport – und nicht nur diesem – zunehmend zu schaffen. „Bei der Open in Australien im letzten Sommer war es eigentlich schlimmer. Ich gehe immer danach, wie stark meine Augen jucken“, teilte Cameron Davis am Mittwoch fachkundig seine Erfahrungen von den Buschfeuern bei der Australian Open mit der Presse. „Und da konnten wir den Ball bei den ersten sechs Löchern morgens gar nicht sehen.“

Der Golfsport steht mit seinen Problemen nicht allein: Bei der Australian Open im Tennis zu Beginn des Jahres gab Dalila Jakupovic in der ersten Runde wegen der schlechten Luft in Melbourne bedingt durch die Buschfeuer auf. Die Bedingungen für die Ausrichtung von großen Events in Australien dürften sich auf Dauer nicht ändern. Eine Studie aus diesem Jahr geht davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit von unkontrollierbaren Bränden seit dem Jahr 1900 um 30 Prozent zugenommen hat. Ursache ist der Klimawandel. Auch in Kalifornien sind große Waldbrände inzwischen ein fast schon jährlich auftretendes Problem.

Olympia passt sein Programm der Hitze an

Für Sportveranstalter bedeutet dies: Sie müssen sich an die Bedingungen anpassen. Die Verschiebung von Terminen in andere Saisonzeiten, die permanente Kontrolle der Luftqualität, das Erarbeiten eines Sicherheitskonzeptes für Spieler und Helfer ist inzwischen in diesen Regionen festes Programm.

Bei den Olympischen Spielen in Tokio richtet man sich zwar nicht auf Brände, wohl aber auf ebenfalls durch den Klimawandel bedingt außergewöhnlich hohe Temperaturen ein. Die Outdoorsportarten finden deshalb weitgehend nur vormittags oder nachmittags ab drei statt, wie etwa Mountain Biken.

Die UN ruft Sportverbände zum Handeln auf

Die Vereinten Nationen haben mit ihrem Projekt „Sports for Climate Action Initiative“ auf die Herausforderungen reagiert und werben längst dafür, dass auch Sportverbände und Institutionen ihrer Verantwortung gerecht werden und ihren CO2-Fußabdruck verringern.

Australische Golfclubs kämpften zum Jahreswechsel mit den Buschfeuern

Für die normalen Golfclubs in Kalifornien haben die häufigen Feuer in der Gegend inzwischen zum Teil beträchtliche Auswirkungen. Der Privatclub Fountaingrove in Santa Rosa, einem Weingebiet, ist gerade dabei das Clubhaus, das bei den Feuern des Jahres 2017 zerstört wurde, wieder aufzubauen. Jetzt droht das Feuer namens „LNU Lightning Complex“ die Bemühungen zunichte zu machen. Kurse wie der 9-Loch-Klassiker Northwood in Monte Rio, ein Alister MacKenzie Design, haben erst einmal geschlossen.

Das Golf-Business wird teilweise eingestellt

Der Tourismus ist auch auf der Monterey Peninsula und weiter nördlich zum Erliegen gekommen. Besucher werden aufgefordert, der Gegend fernzubleiben, damit die Straßen für die Hilfskräfte bei den Löscharbeiten frei sind.

Die Golfanlagen trifft es daneben auf vielerlei andere Art: Helikopter nützen ihre Wasserhindernisse zum Betanken, Starten und Landen auf Fairways und Grüns. Asche bedeckt das Gelände und vermischt sich bei Regen zu einer üblen Schicht, die später mühselig vom Greenkeeping Team entfernt werden muss.

Längst beinhaltet die Planung einer  Golfanlage in einer feuergefährdeten Gegend die Behandlung von Fragen wie:

  • Welche Pflanzen brennen besonders leicht und können vermieden werden.
  • Wie genau ist der Wind in der Gegend. Je nach Windrichtung- und Verlauf können sich Feuer besonders leicht entzünden.
  • „Firebreaks“ sollten miteingeplant werden – Straßen, Wasserverläufe oder Kanäle aber auch sandige Bereiche zählen dazu.
  • Das Bewässerungssystem des Platzes ist so ausgerichtet, dass es bei Bedarf auch noch Teile außerhalb der Fairways und Grüns nässt.
  • Die Gebäude werden in ausreichend Abstand voneinander geplant, und vor allem Öl- und Benzinreserven werden sicher gelagert

Der Klimawandel mit seinen Hitze – und Feuerperioden ist längst Teil des Golf-Business geworden, der Temperaturanstieg führt in Teilen der Welt bereits zu extremen wirtschaftlichen Schäden. Keine Frage: Die mäßige Luftqualität für einen Profigolfer ist ein vergleichsweise kleines Problem, wenn andere Anwohner der Gegend gleichzeitig ihr ganzes Hab und Gut verlieren.

Trotzdem sieht sich auch der Golfsport immer stärker mit der Aufgabe konfrontiert, auf die Probleme zu reagieren. Mit Sofort-Maßnahmen wie jetzt bei der Safeway Open, wenn das Problem tatsächlich auftritt, und proaktiv – um überhaupt derartige Zustände zu verhindern.

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