Tag der Flüsse: Renaturierung auf Golfplätzen

Am Internationalen Tag des Flusses fällt der Blick auf Gewässer, die oft eingeengt zwischen Dämmen durch die Landschaft ziehen. Renaturierungen helfen, die begradigten Gewässerläufe wieder in ein natürliches Bewegungsmuster zurückzuführen. Das betrifft auch Golfanlagen, deren Landschaft oft von kleinen Bächen oder Flussausläufern geprägt ist. Auch hier gilt: Renaturierte Gewässerläufe sehen nicht nur besser aus, sie sind auch im Fall von Überflutungen hilfreich. Und: Als Lebensraum für Fauna und Flora ist ein renaturiererter Flusslauf einem begradigten Gewässer vielfach überlegen.

Freilegung der Drusel im GC Kassel-Wilhelmshöhe

Die Drusel zum Beispiel, die heute von der Clubhaus-Terrasse des GC Kassel-Wilhelmshöhe gut zu sehen ist, war lange unterirdisch verrohrt, bevor der Golfclub beschloss, sie wieder freizulegen.

Der natürliche Lauf wurde wiederhergestellt, der Uferbereich mit geeigneten Blüh- und Grünpflanzen bepflanzt und Steinen befestigt. Stauden schützen vor Erosion, die zahlreichen Pflanzen verschaffen auch Insekten einen Lebensraum.

Lebensraum Kraichbach im GC St. Leon-Rot

Wie sehr solch‘ ein renaturiertes Gewässer zur Belebung von Fauna & Flora beiträgt, ergab eine großangelegte Kartierung im GC St. Leon-Rot vor einem Jahr. Hier wurde unter anderem die Artenvielfalt im renaturierten Kraichbach untersucht, der aus seiner „Zwangsjacke“, den hohen Erddämmen befreit wurde, und nun in einem naturnah ausgebauten Bachbett fließt. Wissenschaftlich wird der Bach an dieser Stelle nun als „Fließgewässer mit flutender Wasserpflanzenvegetation“ bezeichnet.

Tatsächlich dient das Gewässer nicht nur gefährdeten Fisch- und Libellenarten wie der Groppe und der Gebänderten Prachtlibelle als Lebensraum. Auch die brütenden Störche suchen sich hier einen Teil der Nahrung und nützen wie Vögel, Ringelnattern oder Amphibien den Kraichbach als Jagdrevier.

Auf den ersten Blick mag so mancher Golfer eine derartige Renaturierung zuerst einmal unter optischen Gesichtspunkten beurteilen: Die geschwungenen Gewässer, in denen der Ball allerdings meist auf Nimmerwiedersehen zwischen den Pflanzen verschwindet, sind tatsächlich hübsch anzusehen.

Hochwasserschutz im GC Wulfsmühle

Daneben aber tragen sie in vielen Fällen auch zum Schutz vor Hochwasser bei. Im GC Wulfsmühle zum Beispiel, einer 18- Löcher-Anlage im Golfverband Schleswig-Holstein, wurde 2002 ein Teil des kleinen Flusses Pinnau, ein Nebenarm der Elbe, renaturiert. Bei Hochwasser kann sich die Pinnau nun in ein über zehn Hektar großes Überflutungsgebiet ausweiten, so dass der Hochwasser-Druck aus anderen Bereichen genommen wird. Außerhalb der Überflutungszeit liegen hier hochwertige Nasswiesen, die von den Golfern nie betreten werden.

Die Herstellung von ökologisch gesunden Gewässern ist übrigens im Rahmen einer EU-Verordnung festgeschrieben. Die sogenannte Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 schreibt vor, dass die Länder innerhalb der Europäischen Union aufgefordert sind, für einen „guten ökologischen Zustand“ ihre Fließgewässer zu sorgen. Golfplätze tragen dazu in erheblichem Maße bei, weil durch die Bepflanzung der Ränder auch die Selbstreinigungskraft der Gewässer steigt.

Reinigung mit dem Mähboot

Gleichzeitig sorgen die Fließgewässer bei der einen oder anderen Anlage aber auch für die nötige Wasserzufuhr, wenn es um die Beregnung von Grüns und Abschlägen geht. Angesichts der extremen Dürre im Sommer 2022 wurde diese Entnahme in manchen Regionen Deutschlands stark reglementiert oder sogar verboten.

Dabei wird manchmal auch unterschätzt, wie hoch der Beitrag der Golfanlagen zur nötigen Durchgängigkeit der Gewässer ist. In den Flussläufen siedeln sich mit der Zeit kleine Buschableger, Schilf und andere Pflanzen an. Einmal im Jahr müssen die Fließgewässer dann entweder vom Greenkeeping-Team oder von einer externen Firma entbuscht und freigelegt werden – eine relativ aufwändige, aber notwendige Arbeit. Im GC St. Leon-Rot ist zu diesem Zweck sogar ein sogenanntes Mähboot auf dem Kraichbach im Einsatz. Auf den ersten Blick sieht das gute Stück ein wenig seltsam aus. Tatsächlich erledigt es die Mäharbeit im Bach aber effizient und schnell.

Egal ob Kraichbach, Drusel oder Pinnau – für sie alle sind solche Aktionen wichtig, damit sie auch auf Dauer als ökologisch wertvolle Lebensräume Bestand haben können.