Starker Aufschlag für die Mähroboter

Roboter sind im Industrieeinsatz bei automatisierten Arbeitsgängen längst Standard. Sind sie deshalb auch die Lösung für das einfache Mähen von Fairways? Begegnen kann man Robotern im Golfbetrieb auf vielerlei Weise: Skeptisch, weil mit ihrem Einsatz womöglich der Verlust von Arbeitsplätzen verbunden ist. Vorsichtig, weil sie finanzielle Investitionen für einen Golfclub bedeuten und die Auseinandersetzung mit neuer Technologie. Erwartungsvoll, weil sie vielleicht die Lösung von Problemen ermöglichen. Das Thema Autonomes Mähen im Golf, das seit einigen Jahren in der internationalen Golfszene diskutiert wird, hat all‘ diese Reaktionen verursacht. Insofern bietet die deutschlandweite Präsentation der neuen Ceora Roboter von Husqvarna mit einem speziellen Golfaufsatz, die Anfang September im GC Hamburg Walddörfer stattfand, auch die Möglichkeit einer Bestandsaufnahme zum Thema Autonomes Mähen.

Starke Nachfrage im Segment der kleinen Roboter

Für Deutschland gilt: Mäh- und auch Sammelroboter von diversen Anbietern sind auf Driving Ranges inzwischen stark im Vormarsch. Autonome größere Mäher, die aus Sicherheitsgründen von einer Person begleitet werden müssen, haben sich bis dato nicht durchgesetzt. Dafür ist Bewegung im Segment der kleinen autonomen Mäher, die an Roboter aus dem Gartenbereich erinnern. „Wir haben inzwischen 15 Golfanlagen in Deutschland mit Mähern ausgerüstet und zahlreiche neue Bestellungen vorliegen“, stellt Sebastian Spörl, Manager Golf & Sports bei der Husqvarna Group fest.

Ich bin inzwischen total begeistert“, resümierte Dieter Worms, Inhaber der Golfanlage Gut Apeldör, bereits im Juli. Worms hatte als erste Anlage in Deutschland Test-Roboter auf seiner Anlage und wirkt nach den ersten Monaten des Einsatzes fast ein wenig euphorisch. „Bei 9-Loch-Anlagen bedeuten die Mäher eine deutliche Kosteneinsparung. Hier sprechen wir von einem Faktor 3,5, um den der Roboter billiger ist.“ Vom Schnittergebnis ist Worms, der mit drei Ceora-Mähern für neun Löcher in die Versuchsphase gestartet war, ebenfalls angetan. Und erste Studien zeigen, dass die Mähqualität gegenüber klassischen Aufsitzmähern definitiv gleichwertig, wenn nicht sogar leicht besser ist.

Schnitttiefe bis zu 10 Millimeter möglich

Im GC Walddörfer bei Hamburg mähen die Roboter die Fairways derzeit auf eine Höhe von 18 Millimeter herunter. Auch acht Millimeter weniger wären möglich. Das Schnittmuster in geraden Bahnen ist für die Roboter kein Problem. Bei der Berührung mit Hindernissen bleiben sie stehen, ein Sicherheitsrisiko besteht aufgrund einer Abschirmung der Messer zum Rand nicht. Wer den höchsten Qualitätsstandard sucht, bekommt von dem Roboter 25.000 m² in zwölf Stunden gemäht – „ dann ist aber auch wirklich jeder Halm gemäht“, stellt Spörl fest.

Positive Reaktion der Golfer

Die Golfer selbst gewöhnen sich scheinbar schnell an die Mäher, die idealerweise dann im Einsatz sind, wenn die Beregnungsanlage nicht läuft und geringer Spielbetrieb herrscht. „Laut einer Studie haben nur acht Prozent der Golfer Probleme mit den Robotern auf der Anlage,“ lautet die Aussage von Spörl. An dieser Stelle muss man fairerweise wohl anmerken, dass zahlreiche Golfer auch Probleme mit Greenkeepern auf großen Mähern haben, die sie während der Runde auf dem Golfplatz antreffen.

Ist autonomes Mähen auf Golfanlagen also ein Trend, der nicht aufzuhalten ist?  Fest steht, dass das Unternehmen Husqvarna mit dem Mäher Ceora, von dem Spörl gerne als „unsere Dame“ spricht, in eine Bedarfslücke stößt, die sich auf unerwartet schnelle Weise ergeben hat. Da ist zum einen der ausgeprägte Personalmangel, der europaweit im Greenkeeping zu verzeichnen ist. Das reine Mähen von Flächen gilt als wenig anspruchsvolle Arbeit, die der Roboter problemlos übernehmen kann. Mal ganz abgesehen davon, dass man mit diesem keine Diskussionen über Urlaubszeiten und Wochenendarbeit führt und er auch auf kritische Bemerkungen eines unwirschen Golfers eher gelassen reagiert.

Geringer Energieverbrauch und gute CO2-Bilanz

Hinzu kommt die Energiekrise, die den Herstellern autonomer Mäher ebenfalls in die Hände spielt: Die akkugetriebenen Ceora-Modelle brauchen bei höchster Auslastung von zwölf Stunden pro Tag und 30 Tagen 97 Kilowattstanden und hängen anders als Aufsitzmäher nicht an Diesel. Werden Sie dann noch über Solarstrom von einem Gebäude betankt, wird die Rechnung besonders erfreulich. Generell variieren die Daten ein wenig je nach Gelände, Wetter und Qualitätsprofil. Die bessere CO2-Bilanz, die geringe Lärmbelästigung und die insgesamt bessere Umweltbilanz sprechen ebenfalls für die Modelle.

Skepsis bei Greenkeepern

Ein Alleingang ist die Einführung der Mähroboter trotzdem nicht. „Das ist natürlich ein psychologisches Thema“, hat Worms im Austausch mit seinem Greenkeeping-Team erkannt, das der Innovation skeptisch gegenüberstand. „Bei den ersten Kinderkrankheiten am Anfang hieß es natürlich sofort, das klappt ja sowieso nicht.“ Inzwischen sind die Vorbehalte überwunden. „Man muss allerdings wissen, dass man sich mit der Thematik auseinandersetzen muss“, weist Worms darauf hin, dass innovative Technik vom Betreiber Einarbeitung voraussetzt.

Ein Roboter braucht auch Aufmerksamkeit

Die Mäher, deren Route per GPS festgelegt wird, müssen auf Schnittmuster, Schnitthöhen, Mähzeiten und Mähfrequenz festgelegt werden. Genau wie andere Geräte müssen auch sie gereinigt werden. Die kleinen Messer müssen gewechselt, die Einstellungen angepasst werden. „Eine Stunde pro Tag muss man sich am Morgen einplanen“, lautet der Hinweis von Spörl. „Und zwei Greenkeeper im Team sollten sich schon in die Thematik einarbeiten.“ Insofern lautet die Losung auch: Die Roboter sollen keine Stellen einsparen, sondern Greenkeeper für andere Aufgaben loslösen. Dass von vereinzelten Greenkeepern allerdings auch der Einwand kommt, dass Fairwaymähen weit angenehmer sei als dauerhaftes Bunkerrechen oder andere anstrengendere Arbeiten auf der Anlage, sei ebenfalls angefügt. Fest steht: Die Einführung der Roboter erfordert von den Greenkeepern die Bereitschaft, sich mit digitalen Themen auseinanderzusetzen.

Daten sammeln und auswerten

Die Roboter werden in einer eigenen Cloud geführt, allein über eine App bedient. Sie liefern Daten am laufenden Band über Mähflächen oder Betriebszeiten zum Beispiel. „Ganz klar erkennen wir gewisse Berührungsängste bei älteren Greenkeepern, denen vielleicht auch die entsprechende Ausbildung oder Neigung fehlt“, stellt Spörl fest. Die jüngere Generation dagegen komme gut damit zurecht, technikaffine Greenkeeper auch. Für sie sieht Spörl hier auch die Chance, ihren Arbeitsplatz moderner und hochwertiger auszugestalten.

Die Technik wird dabei ständig verfeinert.  Verschiedene Roboter Typen sind schon jetzt für unterschiedliche Aufgaben geeignet. Das reicht vom Bearbeiten von Steilstücken durch einen Mäher mit Allrad-Antrieb bis zu Geräten, die sich eben nur ums Semirough kümmern.

Wie sieht das Anlagenprofil aus? 

Am Ende müssen die Verantwortlichen einer Golfanlage eine passende Strategie für sich entwickeln. Das setzt aber auch voraus, dass sie eine Vorstellung davon haben, welche Flächen in welchem Rhythmus und mit welchen Schnitthöhen jetzt bearbeitet werden. Wieviel Diesel wird dabei verbraucht? Wieviel Stunden verbringt das Greenkeeping schon jetzt mit dem Mähen welcher Flächen? Nur wer seine Daten im Griff kennt, kann am Ende auch erkennen, ob die Investition Sinn macht. Diese liegt bei rund 35.000 Euro für das Topmodell mit Installation und allem Zubehör.

Die Chancen des autonomen Mähens liegen in der Steigerung der Effizienz –  wer Spörl glauben will, auch in einer besseren Qualität beim gleichen Preis. Dazu führt der Deutsche Golf Verband derzeit eine Studie mit den Ceora-Robotern durch, deren Ergebnisse allerdings erst im nächsten Jahr feststehen werden.

Unabhängig davon ist der Run auf die Mäher derzeit vor allem in Deutschland extrem groß. Warum gerade die deutschen Anlagenbetreiber derartig affin für das Thema sind? Dafür hat Spörl eigentlich nur eine Erklärung: „Mähroboter kennen die Leute aus dem eigenen Garten. Da gibt es keine Berührungsängste.“