Last Updated on 14. Mai 2022 by Petra Himmel

So wird die Golfanlage klimaneutral

Aus der deutschen Fußball-Bundesliga sind die Meldungen bekannt: Die „TSG Hoffenheim wird klimaneutral“ stand schon Mitte August 2019 auf der Website des Vereins. Der Verein FC PlayFair stellte 2021 ein Nachhaltigkeitsranking auf, nachdem der VFL Wolfsburg aktuell Deutscher Nachhaltigkeitsmeister ist. In der Spitzengruppe landeten daneben noch Werder Bremen und der FSV Mainz 05. Für Fußballvereine ist Klimaneutralität ein wichtiges Thema – schließlich müssen sich die 36 Clubs der 1. und 2. Bundesliga in Deutschland seit 14.12.2021 auf die Einhaltung bestimmter Nachhaltigkeitskriterien verpflichten – oder sie erhalten keine Lizenz mehr.

Von den Strukturen des Profifußballs ist die Golfszene inklusive ihres Turnier- und Mannschaftsbetriebs in vielerlei Hinsicht weit entfernt. Trotzdem wird das Thema Klimaneutralität Golfanlagen in der Zukunft beschäftigen – nicht nur, weil es zu einem positiven Image beiträgt, sondern womöglich auch, weil es Mitglieder, Sponsoren oder auch Kommunen und Länderregierungen einfordern.

Wie aber wird eine Golfanlage klimaneutral? Was kostet das, und wie aufwendig ist der Prozess?

Janosch Menger, verantwortlich für Marketing und Kommunikation von myclimate Deutschland, weist auf einige wesentliche Eckpunkte hin, die für Golfanlagen entscheidend sind. „Einen Golfclub oder eine Golfanlage kann man im Grunde genommen wie ein Unternehmen betrachten, wenn es um die Ermittlung des CO₂-Fußabdrucks geht. Das heißt, man macht eine Bestandsaufnahme und ermittelt an welcher Stelle welche Energie in welchem Ausmaß aufgewendet wird.“

Check der Energiedaten und der Mobilität

Dabei spielen zum einen die Gebäude mit ihren beheizten Flächen, elektrischen Geräten oder ihren Heizungs- und Klimasystem eine Rolle. Gleiches kommt bei der Pflege des Platzes in die Rechnung: Wie viel Energie benötigen Pumpensysteme, wie werden Mäher und Maschinen betrieben? Wie viel Benzin und Diesel wird verbraucht? „Letztendlich geht es darum, die kompletten Verbrauchsdaten der gesamten Anlage zu ermitteln und in CO₂-Äquivalente umzurechnen“, resümiert Menger.

Ein weiterer Faktor ist das Thema Personal: Denn die Anfahrtswege und Dienstreisen der Mitarbeiter werden ebenso in der Berechnung berücksichtigt. Genauso wie übrigens die Fahrten der Clubmannschaften, die sich bei deutschen Bundesligisten summieren können. Der Golfer selbst spielt bei der Berechnung des Golfclubs oder der Golfanlage aber keine Rolle.

Was kostet die Bestandsaufnahme?

Die komplette Ermittlung der Emissionen kann dabei auf zweierlei Art und Weise erfolgen. myclimate zum Beispiel stellt einerseits einen automatisierten Emissionsrechner speziell für Firmen auf der Website zur Verfügung, bietet andererseits für Unternehmen auch persönliche und individuelle Beratung an, inkl. Berechnung des CO₂-Fußabdrucks mittels Software, Plausibilisierung und auf Wunsch die Kompensation über hochwertige Klimaschutzprojekte. Am Ende wird ein Report erstellt. Die Kosten dafür liegen laut Menger im untersten vierstelligen Bereich, die jährlich anfallen, da die Bestandsaufnahme in der Regel jedes Jahr stattfindet. Sie können je nach Anbieter aber natürlich abweichen.

Am Ende der Beratungen steht eine Zahl: Der VFL Wolfsburg zum Beispiel stieß in der Saison 2019/2020 9.460,915 Tonnen CO₂ aus, 9,98 Prozent weniger als 2017/2018. Steht die Gesamtmenge der CO₂-Emissionen fest, lässt sich zunächst prüfen, wo Emissionen vermieden und eingespart werden können. Die verbleibenden Restemissionen können im Anschluss über zertifizierte Klimaschutzprojekte kompensiert werden.

Ausgleichsflächen kompensieren nicht

Die schlechte Nachricht für Golfanlagen: Die großen Ausgleichsflächen einer Golfanlage spielen bei der Kompensation keine Rolle. „Die Anrechnung ist nur möglich über zertifizierte Klimaschutzprojekte nach Qualitätsstandards wie beispielsweise dem Gold-Standard. Die Projektentwicklung ist ein sehr aufwendiger und komplexer Prozess“, erläutert Menger. In Deutschland stehen im Moment ohnehin nur wenige Kompensationsprojekte zur Verfügung, in der Regel Moorprojekte. In der Schweiz ist die Auswahl ein gutes Stück größer.

22 Euro pro Tonne Emission

Ist die Berechnung der Emissionen erfolgt, das Kompensationsprojekt ausgewählt, kommt die Zahlung. Pro Tonne werden zum Beispiel bei myclimate 22 Euro berechnet. Allerdings ist dies kein feststehender Preis: Bei Unternehmen mit hohen Emissionen können die Preise auch nach unten abweichen. Generell gibt es weder in Deutschland noch in anderen europäischen Staaten einen einheitlichen Tonnenpreis für die Ausgleichung von CO₂.  Nach der Kompensation erhält man ein entsprechendes Zertifikat als klimaneutraler Betrieb, das generell für zwölf Monate gültig ist.

 

Golf Sustainable behandelt im Rahmen der neuen Serie „Golf – klimaneutral“ Themen rund um die Themen CO₂ Emissionen und Klimaneutralität. Als Gesprächspartner haben wir die Non-Profit-Klimaschutzorganisation myclimate, mit Hauptsitz in Reutlingen und Zürich ausgewählt, weil sie gemeinnützig ist, zu den renommiertesten Anbietern auf dem europäischen Markt gehört und vom Bundesumweltamt empfohlen wird.