Last Updated on 3. März 2022 by Petra Himmel

Ressourcenschonung im Freiburger GC entscheidend

Nachmittags um vier steigt Georg-Wilhelm von Oppen schnell noch auf die Leiter und besichtigt das Dach des Nebengebäudes. „Man muss da immer wieder mal rauf, um zu sehen, was auf der Baustelle noch so fehlt“, resümiert der Präsident des GC Freiburg. Auf dem Dach glitzern neue Solarpaneelen im Licht. „29 kwh Leistung – wir arbeiten gerade an einem Energiekonzept“, lautet die Erklärung von Oppens. „Jetzt sammeln wir erst einmal genaue Daten, wo wir genau Strom, Wasser und Heizung verbrauchen und erarbeiten dann einen optimierten Einsatz.“ Die neue Photovoltaikanlage ist dabei genauso Teil der Planung wie eine E-Tankstelle in direkter Nähe, die mit der Sonnenenergie bespeist werden soll.“

Lebensraum Golfplatz und Golf & Natur

Projekte reihen sich im GC Freiburg seit Jahren stetig an die Reihe. Dass der Vorzeigeclub aus dem Schwarzwald, der im Rahmen des DGV-Programms Golf & Natur Anfang März 2022 mit Golf ausgezeichnet wurde, auch am Projekt „Lebensraum Golfplatz“ des Baden-Württembergischen Golfverbandes teilnimmt, ist insofern nur eine logische Folge. „Für mich ist das hier eine zukunftsfähige Golfanlage in jeglicher Hinsicht“, resümiert Marc Biber, Leiter der Abteilung Umwelt und Pflege im Deutschen Golf Verband. „Hier schafft man es, traditionelle Werte hochzuhalten, gleichzeitig fortschrittlich zu denken und auf neuestem Standard zu arbeiten.“

Teamwork auf höchstem Niveau sozusagen, das sich im Falle von „Golf & Natur“ und „Lebensraum Golfplatz“ zwischen Vorstand Georg von Oppen, Clubmanager Rossini Postiglione und dem Head-Greenkeeper Hubert Löffler abspielt, der auf zwei weitere Faktoren des Erfolges verweist: „Ich bin seit mehr als zwanzig Jahren hier und hatte nur zwei Präsidenten. Die Kontinuität merkt man.“ Und: „Im vergangenen Jahr ist Herr von Oppen mit ein paar Freunden über den Platz gegangen und hat stundenlang Poa auf den Grüns gestochen. Welcher Präsident macht das noch?“

Von Oppen ist kein Freund der Selbstbeweihräucherung. Wahrscheinlich würde er sich selbst eher als kritischen Geist bezeichnen. Aber zumindest in einem Punkt verweist er dann doch auf eine größere Gemeinschaftsleistung der Clubführung: Die Golfanlage liegt zum Teil im Wasserschutzgebiet, was beim Redesign der Bahnen der letzten Jahre zu zahlreichen Besonderheiten und einem oft schwierigen Genehmigungsprozess führte. Der Golfclub brachte sich in vielerlei Hinsicht ein, um die Behörden zu überzeugen. Eine neue Überflutungsmulde auf der Driving Range mit rund 1400 m³ Fassungsvermögen dient als Auffangbecken. Das Design der neuen Bahnen wurde so geplant, dass sich beim Überlaufen des benachbarten Wassers genügend Wasser auf Bahn 1 und 2 ausbreiten kann. Ein Loch, das über das Wasserschutzgebiet führte, wurde komplett aufgelöst.

Das Wasserschutzgebiet sorgt für Aufwand im Greenkeeping: „Wenn wir ein Spritzmittel ausbringen wollen, müssen wir den Bereich genau markieren, vor Ort mit einem Behördenvertreter besichtigen und einen Antrag auf eine Sondergenehmigung stellen“, erklärt Löffler, der das dann auch genau dokumentiert. „Natürlich ist das ein enormer Aufwand“, gesteht Marc Biber zu. „Andererseits haben Sie das Thema jetzt schon im Griff, während sich viele andere Clubs in Zukunft mit verschärften Anforderungen im Bereich des Wassermanagements erst noch auseinandersetzen müssen.“

Steigerung der Biodiversität

Daneben punktet der Club mit seinen artenreichen Wiesen. „Eigentlich haben wir über Jahre ja eigentlich nichts gemacht, außer einmal zu mähen und das Mähgut dann wegzufahren“, resümiert von Oppen mit Blick auf die größte Magerrasenwiese entlang des Flüßchens Dreisam. Sie ist so wertvoll, dass das Saatgut aus der Mähmasse heraussortiert wird und dann auf einigen artenarmen Wiesen außerhalb der Golfanlage ausgebracht wird, um dort für mehr Biodiversität zu sorgen. Dieses Projekt setzt sich auch in den nächsten Jahren fort. „Im Juni kommen die nächsten Fachleute für ein Monitoring“, stellt Postiglione fest. Im Freiburger GC ist man gespannt auf das Ergebnis. Die Magerrasenflächen mit ihren unzähligen Arten ist inzwischen durchaus ein Steckenpferd der Clubführung. Das Golfspiel an sich und der Golfer sind noch immer die Nummer 1, aber den Golfplatz als Lebensraum hat nicht nur Georg-Wilhelm von Oppen für sich entdeckt.