Muss der Golfer mit mehr Unkraut auf dem Platz leben?

Gänseblümchen auf dem Fairway und Pusteblumen neben dem Grün – eine Vorstellung, vor der Golfer zurückschrecken. Unkräuter sieht man auf den Spielflächen von Golfplätzen ungern, auf Top-Plätzen sind sie tabu. Die Bekämpfung von Unkraut wird speziell innerhalb der EU aufgrund harter Regulierungen zum Einsatz von Pestiziden immer schwieriger. Der Penzberger Dr. Daniel Hahn hat sich nun im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität Wagingen mit der Frage auseinandergesetzt, wie erfolgreiche Strategien gegen Unkräuter ohne Herbizide aussehen können. Golf Sustainable sprach mit ihm über die Zukunft der Unkrautbekämpfung auf Golfanlagen.

Wer Ihre Doktorarbeit durchliest, kommt zu dem Schluss, dass wir uns in Europa auf Dauer mit mehr Unkraut auf dem Golfplatz auseinandersetzen müssen. Stimmt das?

Hahn: Ja, ich denke, das ist eine gute Einschätzung. Der Zugang zu Pestiziden wird immer weniger. Die Frage, die man sich stellen muss, ist: Welche Unkräuter sind ein Problem und in welchen Spielflächen? Tatsächlich gibt es kaum Untersuchungen darüber, ob Unkräuter das Spiel tatsächlich stören. Deshalb sollten wir definieren: Wann sind Unkräuter überhaupt ein Problem?

Der Wuchs von Unkräutern wird dann gefördert, wenn der Graswuchs nicht so dicht ist. Andererseits diskutieren wir im Golf Maßnahmen zum reduzierten Wasserverbrauch, die natürlich zu weniger fettem Gras führen. Wie groß ist dieser Konflikt?

Hahn: Die Frage, die man sich stellen muss, ist wie viel Wasser braucht man um die Gräser optimal zu versorgen um konkurrenzfähig gegen Unkräuter zu sein. Sehr viel Wasser bevorzugt in der Regel eher die Unkräuter.Generell kann man sagen, dass alles was die Grasnarbe schlechter wachsen lässt, zu mehr Unkräutern führt. Deshalb muss man in Zukunft präziser arbeiten, um Kahlstellen zu vermeiden. Das ist ein Riesenproblem. Hier sprechen wir auch von einem höheren Renovationsbedarf für die Golfanlagen, weil es zum Beispiel schwierig ist, die Pflanze optimal zu versorgen, wenn das Gras verfilzt ist. Deshalb ist es entscheidend, die Spielflächen auf Dauer gut zu managen.

Sie beschreiben, dass das mechanische Entfernen von Unkräutern eine sehr effektive Methode sein kann. Reden wir hier von Robotern, die selbständig Unkraut ausstechen oder abbrennen?

Hahn: Stimmt, das hat sich beim Start meiner Doktorarbeit sehr futuristisch angehört. Tatsächlich ist das aber technisch durchaus möglich. Das Unkraut wird geschädigt, und die Gräser drumherum können wieder übernehmen. In der Landwirtschaft werden hier bereits Roboter mit Kameras eingesetzt, die dann die Unkräuter erkennen und diese weglasern. Allerdings ist die Anwendung da einfacher, weil man hauptsächlich zwischen den Pflanzreihen tätig werden muss. Auf dem Golfplatz ist das schwieriger, da ein grünes Unkraut erst einmal von dem grünen Rasen unterschieden werden muss. Es gibt aber diverse Firmen, die an dem Thema dran sind.

Erfordert das Weglasern von Unkräutern dann auch häufigeres Overseeding?

Hahn: Mit dem Overseeding kann man neue Sorten einbringen, die dann trockenresistenter sind oder andere positive Effekte haben. Entscheidend ist aber, dass Overseeding technisch richtig ausgeführt wird. Da hapert es oft, weil das auch personalintensiv ist und es nicht ganz einfach ist eine hohe Keimrate zu erzielen.

Für die Dichte des Grasbewuchses spielt laut Ihrer Arbeit die Höhe des Grases eine Rolle. Bedeutet dies, dass wir uns an höhere Fairways gewöhnen müssen, wenn wir weniger Unkraut haben wollen?

Hahn: Ein Fairway wird zwischen 8 und 25 mm hoch gemäht. Generell gilt: Je höher das Gras ist und je häufiger man es schneidet, desto mehr Energie steckt das Gras ins Wachstum und wird dichter. Es gibt im Moment keine Daten, die belegen, dass höhere Fairways weniger Unkraut haben. Mehr Mähen sorgt aber dafür. Wenn das automatisierte Mähen gebräuchlicher wird, sollte man dann auch versuchen, häufiger zu mähen. Die dichtere Grasnarbe hat einen Effekt und sorgt für weniger Unkräuter.

Wie wichtig ist die Datenlage auf einem Golfplatz für das Greenkeeping der Zukunft?

Hahn: Wenn man keine Daten hat, kann man keine Entscheidung treffen. Man braucht eine Datengrundlage zum Beispiel zur Nährstofflage im Boden, dem Anteil des organischen Materials usw. Hier mangelt es bei sehr vielen Golfanlagen, weil oftmals zum Beispiel ganzjährig – wenn überhaupt – nur Daten auf einem Grün erfasst werden.

Sie malen in Ihrer Arbeit ein Zukunftsbild von einem Golfplatz, bei dem die Datenlage zum Beispiel bei der Feuchtigkeit oder der Wurzellage in Zukunft durch Satelliten erfasst wird, Roboter das Unkraut ausstechen und künstliche Intelligenz eine große Rolle spielt. Wie futuristisch ist das?

Hahn: Technisch ist das alles bereits möglich. Im Moment fehlen uns da in Deutschland einfach die Forschungsgelder, um die Einsatzbereiche besser zu erklären und die Datenlage zu verbessern. Ich arbeite aber an einigen Projekten in diesem Bereich.

Wie groß ist der Konflikt zwischen der Erforschung nachhaltiger Pflege und der Tatsache, dass zum Beispiel die Düngeindustrie im Golfsport eine große Rolle spielt?

Hahn: Das ist natürlich ein Problem. Hier braucht es übergeordnete Organisationen wie den R&A oder den DGV, die industrieunabhängig Forschung ermöglichen. Wenn es mehr Zugang zu Forschungsgeldern gäbe, könnte man hier tolle Dinge entwickeln.

Golf trifft Wissenschaft

Towards Strategies to Manage Weeds in Turf without Herbicides, Doktorarbeit von Daniel Hahn, Wageningen University, Prof. Dr. A. P. J. Mol, 2021.