Handprogramm für optimale Grüns

Der Golfer ist irritiert: Vor ihm am Grün steht morgens ein Greenkeeper und wässert das Grün – per Hand. Und das, obwohl die Golfanlage erst vor kurzem in eine neue Bewässerungsanlage investiert hat. „Eine unsinnige Investition“, ist der erste Gedanke des Golfers, wenn jetzt doch per Hand gewässert wird?

Das Gegenteil ist der Fall: Handwässern ist Teil einer optimal bewässerten Golfanlage. Statt die Beregnungsanlage mit ihren mindestens 600 Regnern auf einer Standard-Golfanlage im ständig gleichen Modus routinemäßig anzuschalten, ist bei knapper werdendem Wasser auf deutschen Golfanlagen Ressourcenschonung angesagt.

Jedes Grün braucht Individualbehandlung

Teile des Grüns, die Trockenstellen aufweisen, werden gezielt und punktuell per Hand gewässert. „Das ist ein komplexes Thema, da muss man sich schon auskennen“, resümiert der Head-Greenkeeper des GC St. Leon-Rot Daniel Lüttger, der jahrelange Erfahrung als Bewässerungstechniker mitbringt. Die Kombination aus Expertise, dem richtigen Gefühl für das Grün und Ausrüstung mit fortgeschrittener Beregnungstechnik und Software bringt seiner Ansicht nach am Ende den Erfolg. Wassersparen lässt sich dann mit einer Erhöhung der Spielqualität vereinbaren.

„Je mehr man misst, desto besser geht man mit der Ressource Wasser um“, lautet seine Bilanz. Der regelmäßige Einsatz von Sensoren, mit deren Hilfe man die Feuchtigkeit der verschiedenen Grünstellen ermittelt, ist in Deutschland zwar noch nicht überall Standard, aber inzwischen auf dem Vormarsch. „Wir messen die Feuchtigkeit sehr regelmäßig und wässern dann vereinzelte Trockenstellen per Hand auf“, resümiert auch Heiko Hildebrandt, der auf den Golfanlagen des Öschberghofs das Greenkeeping leitet.

Dabei gilt: Handwässern nach Maß ist angesagt. Zu viel Wasser auf einem Grün kann zu Krankheiten führen, Algen hervorrufen und die Gräser anfällig machen. Zu wenig Wasser resümiert in Trockenstress und ebenfalls sinkender Qualität.

Die Kombination aus Messen, Handwässern und der richtigen Beregnungstechnik ergibt am Ende erst das optimale Ergebnis: „Wir haben hier in St. Leon-Rot über die Jahre deutlich mehr Regner auf dem Platz eingebaut, um die Abdeckungsquoten zu erhöhen“, erläutert Lüttger.“ Einzel ansteuerbare Regner ermöglichen deren genaue Einstellung der Regner auf bestimmte Flächen.

Die neue Technik erfordert vom Greenkeeper die richtige Ausbildung: „Es ist natürlich auch wichtig, dass die Greenkeeper auf die Software- und Pumpentechnik geschult werden,“ erklärt Lüttger. Ohne die richtige Anwendung nützt die beste Technik nichts. Wer die Thematik beherrscht, bekommt allerdings viel geliefert:  Sekundengenaue Abrechnung der Wassermengen ist heute genauso möglich wie die Einzelsteuerung von Regnern. Ein Greenkeeper mit viel Erfahrung, der seine Grüns genau kennt und deren Feuchtigkeitsbedarf im Griff hat, kann auf der einen Seite Wasser und damit Kosten sparen, auf der anderen Seite aber auch deren Qualität deutlich erhöhen, weil er Trockenstellen schnell erkennt.

Mehr Arbeit aber bessere Qualität

Handwässern mag dabei für den Golfer auf seiner Runde aussehen, wie ein überholter und antiquierter Prozess – genau das Gegenteil aber ist der Fall. Auf allen Top-Anlagen weltweit ist Handwässern Standard. Individualisierung heißt das Erfolgsrezept. Jedes Grün braucht eben seine Spezialbehandlung. Das ist aufwändig, nimmt Zeit in Anspruch. „Aber es lohnt sich“, resümiert Lüttger“, die Zeit sparen wir eben auf anderen Flächen ein, die weit weniger wichtig sind und dann nicht mehr gewässert werden.“