Golfball-Industrie hat Nachholbedarf bei Nachhaltigkeit

Eigentlich ist der Golfball ein Wegwerfprodukt: Einmal ausgepackt aus der Schachtel fliegt der Ball leider allzu oft schon beim ersten Schlag in das nächste Wasserhindernis, das Rough. Weg ist er. Der nächste Ball wird ausgepackt. Bälle verschwinden auf einem Golfplatz täglich zu Dutzenden in Sträuchern, Büschen, Wasserhindernissen. Wobei auch klar ist: Aus der Welt ist der Ball eigentlich nicht, denn er verrottet nicht. Er besteht nicht aus abbaubarem Material, sondern aus Plastikmischungen. Damit überlebt er oftmals Jahrzehnte im Boden oder Wasser.

Womit viele Fragen auftauchen: Wie gehen die großen Ballhersteller das Thema Nachhaltigkeit überhaupt an? Wie wird das Thema Recycling von alten Bällen behandelt? Welche Bemühungen gibt es, Bälle umweltfreundlich herzustellen? Und was passiert mit all‘ den Bällen, die jenseits der Spielbahnen verschwinden?

Recherche bei Titleist, Callaway und TaylorMade

Eine Rundfrage bei den drei großen Ballherstellern Titleist, Callaway und Taylor Made führt zu einem ernüchternden Ergebnis: „Ich glaube, wir fangen gerade erst an, uns mit dem Thema zu beschäftigen“, resümiert Christopher Neumann-Mangoldt, Marketing Manager Central Europa bei Titleist.

„Wir befinden uns wie zahlreiche andere Firmen in der Position, dass wir von work-in-progress“ sprechen, schließt sich seine britische Kollegin Sue Page, PR& Events Manager von Callaway Golf in London an. Bei Taylor Mades Europazentrale in London findet sich auf Anfrage überhaupt keine Person, die für die Thematik zuständig ist oder sich äußern könnte.

Callaway hat die Nase vorne

Während die Recherche bei Taylor Made bei einer 15-zeiligen Aussage auf der Website zum Thema „Environmental Responsibility & Sustainabiliy“ endet, ist das Thema bei Callaway derzeit offenbar am präsentesten. Hier verweist die Firma auf zahlreiche Maßnahmen zur nachhaltigen Verwendung von Energie und Wasser im Rahmen der Produktion und Verwaltung, die weitgehend in Kalifornien angesiedelt sind. Der Ausbau der Verwendung von erneuerbaren Energien in der Hauptverwaltung 2021 auf 40% wird dort zum Beispiel aufgeführt. Über die Optimierung der Lieferprozesse bis hin zur Verwendung von Brauchwasser reicht die Auflistung. 2021 wurde zum Beispiel in der Produktionsstätte in Monterrey/Mexico der Stromverbrauch um 500.000 Kilowattstunden gesenkt. Außerdem wird im gleichen Betrieb eine neue Gasanlage installiert, die dazu führen soll, dass 0,8 Millionen Kilogramm CO² Emissionen pro Jahr vermieden werden. Das Werk wird 2022 fertiggestellt und soll außerdem knapp 1900 Millionen Gallonen Wasser pro Jahr weniger verbrauchen. Im Hinblick auf die Ressource Wasser bemüht man sich, fast ausschließlich auf recyceltes Wasser zurückzugreifen. Beim Produktionsstandort Chicopee wird zum Beispiel 95% des verwendeten Wasser wiederverwendet.

Doppelt verpackt beim Logoball

Blickt man auf die Produkte, die für die Herstellung der Bälle und die Verpackungen benützt werden, so müssen alle drei Hersteller im Moment noch passen. „Wir haben jetzt eine Verpackung aus recyceltem Papier dabei“, ist von Titleist als einziges positives Beispiel zu hören. Ansonsten ist aber gerade das Thema Verpackung heikel.

Ein Beispiel: Bestellt ein Unternehmen bei Titleist Logobälle mit einer individualisierten Verpackung, so werden bereits in einer Schachtel verpackte Bälle verwendet, ausgepackt, anschließend bedruckt und dann in eine neue Verpackung gesteckt. Die erste Verpackung kommt in den Müll. Für drei Logoballe werden also quasi zwei Schachteln Verpackungen verwendet.

Recycling von gebrauchten Bällen ist bei keiner der Firmen – aus wirtschaftlichen Gründen – ein Thema. Nachdem alle drei Unternehmen ihr Geschäft mit gebrauchten Bällen machen, ergibt das Recycling von Bällen für sie keinen Sinn. In den USA, Kanada und Australien existiert ansonsten ein großer Markt für gebrauchte Bälle oder Lakeballs, die in der Regel gesäubert, oftmals farblich aufbereitet und dann wieder – meistens online – verkauft werden.

Wiederverkauf über den Greenkeeper

In Deutschland heißt Recycling von Golfbällen letztendlich, dass sich in den Lagerhallen des Greenkeepings oftmals tausende von Bällen finden, die vom Personal bei der Platzpflege gefunden werden. „In der Regel suchen sich die Leute dann ohnehin nur die High-End-Bälle beim Wiederverkauf raus“, resümiert zum Beispiel Headgreenkeeper Markus Gollrad vom GC Konstanz, der neben seinem Büro kistenweise Golfbälle lagert. Andere Golfanlagen sammeln die Bälle und senden sie zum Beispiel als Spende ins osteuropäische Ausland.

Greenkeeper Christian Löffl im G& LC Regensburg reagiert inzwischen nicht mehr begeistert auf all‘ die Produkte , die seit Jahrzehnten in den Teichen des Clubs in Bayern liegen. „Ich finde Bälle, die seit Jahrzehnten im Boden sind. Das ist ja alles Plastik.“

Am Ende bliebt ihm wie zahlreichen anderen Headgreenkeepern oft nur die Entsorgung der Bälle im Restmüll. Das nämlich sind nach Angaben des Entsorgers Awista Golfbälle derzeit. Sie enden also am Ende in der Müllverbrennungsanlage.

Die Lehre daraus: Der Ball, der sich am ersten Abschlag Richtung Wasser oder Wald verabschiedet, ist nur optisch weg, tatsächlich bleibt er ein Dauerbrenner.