Recycling in der Golfmode

Plastik mal anders lautet die Losung – die Modeindustrie hat das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt. Auch im Golfsport. Die Frage nach dem Ursprung der Waren, die man auf der Haut trägt, wird zunehmend interessant. Im Falle von Galvin Greens neuen Dwight und Diane  Pullovern sind es genaugenommen 15 Ein-Liter-Plastikflaschen. Komplett recycled natürlich. Galvin Green stellte diese Woche einen Teil seiner neuen Golf-Kollektion vor – dazu gehören diverse Teile mit der wärmenden INSULA Isolation, die allesamt zu 100 % aus recyceltem Polyester hergestellt sind, das wiederum aus den Plastikflaschen gewonnen wird. „Wir machen da keine Kompromisse im Bereich Komfort oder Leistungsfähigkeit des Materials“, erklät CEO Nicoloa Stein. „Andererseits ist dies die Speerspitze unserer neuen nachhaltigen Bekleidungsstücke, die wir in einem weit größeren Maß einführen wollen.“
Tatsächlich gewinnt der Begriff Nachhaltigkeit in der Sportmode zunehmend an Bedeutung. Der sogenannte „Bluesign“-Standard für Textilproduktion nach Vorgaben des Umweltschutzes gilt dabei mit als federführend. Ziel des Siegels, das 2000 von Textil und Chemieexperten gegründet wurde und von einer Firma in der Schweiz betrieben wird, ist die Verringerung der Umwelteinflüsse in die Textilindustrie. Diesem Siegel hat sich in der Golfmode zum Beispiel Galvin Green verpflichtet.
Der Golfschuhhersteller Ecco dagegen setzt jetzt auf PrimaLoft Bio. Der Funktionsstoff, der 2019 erstmals auf der ISPO in München vorgestellt wurde, besteht aus komplett recycelten, biologisch abbaubaren Fasern. Interessant dabei ist, dass sich die verwendeten Recyclingfasern unter bestimmten Umweltbedingungen besonders gut biologisch abbauen – zum Beispiel dann, wenn sie auf Mülldeponien oder im Meerwasser liegen. Für Mikroben sind die Fasern ziemlich attraktiv.
Ein wesentlicher Aspekt, wenn man bedenkt, dass nach Schätzungen der Ellen Macarthur Foundation allein durch das Waschen von Textilien aus Kunststoffbasis wie Polyester, Nylon oder Acryl jährlich rund eine Million Tonnen Mikrofasern in die Meere wandern – die oftmals kaum biologisch abbaubar sind.
Der Faserhersteller Primaloft setzt außerdem auf eine Partnerschaft mit Sportmulti Adidas: Gemeinsam führt man Adidas-Produkte mit Primaloft-Isolierung ein, die aus recyceltem Polyester von Parley for the Oceans gewonnen werden. Hierbei handelt es sich um eine Organisation, die PET-Flaschen an Meeresküsten aufsammelt, und sie dann wiederverwendet.
Auch der Münchner Laminathersteller Sympatex bietet diverse Produkte an, die zu 100 Prozent aus recycelten Materialien bestehen und klimaneutral sind. Ein Trend, der sich nach Ansicht von CEO Rüdiger Fox, verstärken muss. Er stellte dazu gegenüber dem Magazin Sports Fashion zu Beginn des Jahres fest: „Textilien müssen so designed und hergestellt werden, dass alle Bestandteile zurückgewonnen werden können.“ Ausgebaut werden müssen dafür seiner Ansicht nach noch die Recycling-Verfahren, um eine bessere Kreislaufwirtschaft in Gang zu bringen und Reinpolyester wiederaufzubereiten.
Wie aber erkennt der Golfer, ob er ein nachhaltiges Bekleidungsstück mit auf die Runde nimmt oder nicht? Während es eine Vielfalt von freiwilligen Siegeln gibt, über die zum Beispiel das Portal Siegelklarheit Auskunft gibt, fehlen gesetzliche Standards bis dato.
Gefragt ist also die Innovationsfreude der Firmen – und die Bereitschaft der Kunden, etwas Neues auszuprobieren.