Royal Homburger GC: 48 Hektar Naturerlebnis

Beim Thema Biodiversität macht man Jürgen Karcher und Jörg Maaß so schnell nichts vor: Der Platzwart und der Head-Greenkeeper des Royal Homburger GC stehen vor einer Übersichtskarte des 48 Hektar großen Golfplatzgeländes und fangen an zu erzählen: Vom Wiesenknopf, dem schwarzen Moorbläuling, Feuersalamander, Streuobstwiesen, Knabenkraut. Allesamt Begriffe, die bei Naturschützern für Begeisterung sorgen. Auf dem Gelände des Royal Homburger GC, das sich am Stadtrand von Bad Homburg erstreckt, findet man dies alles. Die Golfanlage, die bereits 2013 zum ersten Mal im Rahmen des DGV-Qualitätsmanagements Golf & Natur mit Gold ausgezeichnet wurde, bietet auf einem vergleichsweise kleinen Gelände wertvolle Lebensräume.

Wertvolle Feuchtwiesengebiete

18 Golfbahnen ziehen sich auf dem leicht hügeligen Grundstück vorbei an dem Naturschutzgebiet Röderwiesen Aue, aber auch an einer ehemaligen Deponie, die inzwischen stark bewachsen ist und dem Normalgolfer als solche nicht mehr auffällt. Lichte Wiesen wechseln sich mit Wäldchen ab. Es ist eine vielfältige Landschaft, die der Club für diverse Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität genutzt hat. Bienenstöcke betreibt man zusammen mit dem örtlichen NABU, zu dem der Club inzwischen ein exzellentes Verhältnis hat.

Zusammen hat man eine Art Lehrpfad gestaltet und erklärt auf sechs professionell gestalteten Tafeln Golfern wie Spaziergängern die Besonderheiten von Fauna und Flora. Das Feuchtwiesengebiet, das sich entlang der Bahnen 14, 3 und 4 zieht, gilt als besonders wertvolle Fläche. „Wir sind alle fünf Jahre verpflichtet, eine Vollerfassung der Anlage mit einem Fachbüro durchzuführen“, erklärt Jürgen Karcher. Eine aufwändige Auflage, die für den Club auch Kosten aufwirft, die andererseits aber auch die Bedeutung der Golfanlage für die Natur dokumentiert.

Genaue Planung der Mahd

Der Wiesenknopf als Pflanze und der schwarze Moorbläuling als Falter sind gemeinsam eine Rarität, die auch in Hessen selten zu finden ist. Der Wiesenknopf, der eben vor allem wechselfeuchte und nasse Wiesen schätzt, dient dem Moorbläuling oder Wiesenknopf-Ameisenbläuling als Lebensraum und Nahrungsquelle. Für Head-Greenkeeper Maaß bedeutet das: Er muss die Mahd der Wiesen zeitlich genau richtig setzen, um zu verhindern, dass die Pflanze noch mit Eiern und Larven belegt ist.

Die Expertise des Greenkeeping-Personals im Umgang mit den extensiv bewirtschafteten Flächen belegt auch die stetige Zunahme des breitblättrigen Knabenkrauts, einer gefährdeten Orchideenart, die sich auf dem Golfgelände wohlfühlt. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich laut dem Monitoring die Anzahl der verschiedenen Knabenkräuter von wenigen hundert auf über 2000 erhöht, was auch Naturschützer beeindruckt.

Neuen Bachlauf umgesetzt

Für den Golfclub sind die Aktivitäten selbstverständlich, andererseits aber auch wichtig, wenn es um Verhandlungen mit den Behörden bezüglich der Veränderung des Platzes geht. Pläne hat man beim Royal Homburger GC einige, schließlich steht man im stetigen Wettbewerb mit zahlreichen anderen Anlagen der Region. Das begrenzte Gelände aber macht die Umsetzung von Projekten schwierig und so versteht man sich inzwischen weniger als großer Championship-Platz denn als stadtnahe Anlage, die schnell erreichbar ist und aufgrund ihrer Kompaktheit eine schnelle Runde ermöglicht.

Das Ökokonto der Golfanlage ist mit Hinblick auf neue Projekte ohnehin gut gefüllt. Schließlich legt Maaß kontinuierlich bei den Projekten nach: 2022 stand zum Beispiel die Anlage eines neuen Bachlaufs an, der dank diverser Flachbereiche auch Laichmöglichkeiten für Frösche bietet. Das nächste Monitoring kann kommen!