GC Würzburg: Magerrasen gewinnt an Bedeutung

Der Name täuscht: Magerrasen klingt nach Kargheit, Leere, wenig Farbe. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Wer dieser Tage zum Beispiel über die Golfanlage des GC Würzburg läuft, wo sich Headgreenkeeper Marius Cazan seit Jahren bemüht,  Magerrasenflächen anzulegen, stellt fest: Die Vielfalt an Pflanzen in Magerrasenflächen ist enorm, und auch wenn die Blühpracht nicht so intensiv ist wie bei speziell mit dieser Absicht angelegten Blumenwiesen, beeindrucken hier kleine Orchideen wie das Knabenkraut mit ihren Farben. „Wir haben den Wiesenknopf, das Wiesenknabenkraut, Thymian, Kartoffelnelken und vieles mehr“, gerät Cazan ob seiner naturnahen Flächen ein klein wenig ins Schwärmen. Insgesamt zwei Hektar Fläche auf der Würzburger Anlage pflegt er inzwischen so, dass auf Dauer Magerrasen daraus werden kann.

„Das klappt an manchen Stellen besser, an anderen dauert es länger“, ist seine Erfahrung. „Auf unserer Anlage sind die Bodenarten sehr unterschiedlich. Sandige Stellen werden schneller zum Magerrasen, andere sind noch nicht so weit.“ Sonderlich aufwändig in der Pflege sind die Flächen nicht. „Eigentlich machen wir gar nicht viel damit“, ist seine Bilanz „Wir mähen einmal im Jahr im Herbst und räumen das Mähgut natürlich ab.“ Allerdings hat man in den vergangenen Jahren viel Wert darauf gelegt, die wertvollen Flächen besser miteinander zu vernetzen.

Obwohl beim GC Würzburg, der  zur Vereinigung der Leading Golf Clubs of Germany zählt und im Rahmen von „Golf und Natur“ mit Gold zertifiziert ist, schon 1994 beim Bau der Anlage das Thema Landschafts- und Umweltschutz eine wesentliche Rolle spielte, weil der Golfplatz an ein Landschaftsschutzgebiet angrenzt, ist das Gelände, das für Magerrasenflächen genützt werden kann, bei 56 Hektar Gesamtfläche eher gering. Cazan, der bereits beim Bau des Golfplatzes vor Ort war, stellt aber fest, dass die Wahrnehmung der Golfer mit den Jahren eine andere geworden ist. „Natürlich fallen gerade die kleinen Kräuter oder Farne vielen Spielern nicht auf, wir bemühen uns aber, das Thema im Newsletter zur Sprache zu bringen und die Golfer immer wieder auf diese Flächen und die Vielfalt an Arten hinzuweisen.“ Die Wertschätzung ist über die Jahre gewachsen, auch deshalb, weil die Mager- und Trockenrasenwiesen inzwischen zahlreiche Schmetterlinge anlocken. Die örtliche Gruppe des Bund Naturschutz nützt das Gelände deshalb inzwischen auch für Führungen. Der Lebensraum Magerrasen erweist sich schließlich bei genauerem Hinsehen als ausgesprochen vielfältig.

Infos und Tipps zum Thema Magerrasen:

  • Trockenrasen ist kein Synonym für Magerrasen, sondern ein Magerrasentyp, dessen Nährstoffarmut auf starker Trockenheit beruht.
  • Weitere Magerrasentypen sind zum Beispiel: Halbtrockenrasen, Sandmagerrasen, Steppenrasen, Borstgrasrasen und Heide.
  • Magerrasen sind gekennzeichnet durch niedrigwüchsige, krautige Pflanzen, zwischen denen meist offener Boden sichtbar ist.
  • Sie entwickeln sich an warmen, nährstoffarmen und meist trockenen Standorten. Dabei spielt auch die Fähigkeit des Bodens, Wasser abzuleiten, eine wesentliche Rolle.
  • Typische Magerrasenpflanzen sind oft trockenheitsresistent und gelten als wahre Hungerkünstler.
  • Klassische Pflanzen in Magerrasenflächen sind: Violette Schwarzwurzel, Wiesen-Salbei, Knabenkraut, Federgräser, Kleines Mädesüß.
  • Die zahlreichen Pflanzen sorgen für ein großes Nahrungsangebot, das zum Beispiel folgende Tiere anlockt: Ölkäfer, Graue Sandbiene, Bombardierkäfer, Blauflügelige Ödlandschrecke,