GC Neckartal: 135 Hektar Lebensraum Golfplatz

135 Hektar Golfgelände sind der Arbeitsplatz von Irmgard Schaller. Im Golfclub Neckartal ist die Golferin für alle Belange rund um das Thema Umwelt zuständig. Ehrenamtlich natürlich. Aber anders als die meisten anderen Vorstandsmitglieder in Deutschland betreut sie das Natur-Thema nicht nebenbei mit. Der GC Neckartal hat einen eigenen Vorstandsposten für diesen Bereich geschaffen.

Wer die Anlage einmal abgeht, weiß warum: Bei 135 Hektar Fläche und nur 18 Spielbahnen bietet man hier Lebensraum für Flora und Fauna. Hier gibt es Ausgleichsflächen, Baumalleen, Heckenbereiche, Wiesen aller Art. Ein fachkundiger Blick Schallers fällt auf die riesigen Pappeln, die dem Golfplatz einen speziellen Charakter verleihen. „Wir müssen leider aufgrund des extrem großen Mistelbefalls immer wieder einzelne Bäume fällen, um die Verkehrssicherheit zu erhalten“, stellt sie fest. Die üppigen Kronen sind tatsächlich voll mit der Halbschmarotzerpflanze.

Baumpatenprogramm ein großer Erfolg

Mit Hilfe eines Baumpatenprogrammes ist der Club nun seit Beginn des Jahres 2022 dabei, gleichzeitig für Nachpflanzungen zu sorgen. „Bei der Auswahl“, so Schaller, „achten wir jetzt natürlich darauf, sofort Bäume zu wählen, die auch mit dem Klimawandel zurechtkommen.“ Die Mitglieder konnten sich für eine Spende von 200, 400 oder 600 Euro entscheiden. Den gleichen Betrag legte der Club jeweils für die Anschaffung der Bäume dazu, um Pflanzen mit einer ansprechenden Größe kaufen zu können. Tatsächlich hat das Baumpatenprogramm eingeschlagen: 40 Mitglieder meldeten sich innerhalb kurzer Zeit. Pflanzmöglichkeiten gibt es auf 135 Hektar schließlich reichlich.

Die enorm große Fläche der Anlage, die direkt an die Stadt Kornwestheim angrenzt, der Bundesvermögensverwaltung gehört und seit 1956 vom amerikanischen Stuttgarter Golf Course als Betreiber der Golfanlage genützt wird, lässt viel Raum für Aktivitäten im Rahmen des Projektes Lebensraum Golfplatz im Baden-Württembergischen Golfverband. Rund 70 Vogelarten hat man bei den regelmäßig stattfindenden Exkursionen inzwischen nachgewiesen. Honigbienen sind hier ebenso zuhause wie Wildbienen. Totholzbereiche finden sich ebenso wie große Magerrasenwiesen, die sich jenseits der Bahnen auf dem leicht gewellten Gelände ziehen. Die Ansaat diverser neuer Flächen mit mehrjährigem Samen ist ein Standardprogramm im GC Neckartal. Die bunten Blühwiesen – so Schallers Erfahrung – kommen bei den rund 1000 Golfern weitgehend sehr gut an.

Kooperation mit dem NABU und dem Imkerverband

Die gute Kooperation mit dem Imkerverband Ludwigsburg und dem NABU Kornwestheim sorgt immerhin dafür, dass die Pflege von hunderten, alten Obstbäumen geregelt ist. Der Rückschnitt erfolgt weitgehend durch die Pächter. Die Auswahl der jungen Obstbäume – alles heimische Arten – übernehmen die Fachleute vom NABU.

Fasziniert waren die Nicht-Golfer von dieser Golfanlage vom ersten Besuch an. Kein Wunder: Groß angelegte Heckenstrukturen bieten einen perfekten Rückzugsort für Vögel. Insekten schätzen die Streuobstbestände und großzügigen Wiesen. Mögliche Vorurteile im Hinblick auf die Golfanlage waren da schnell abgelegt. Umweltschutz und Golf, so Schallers Fazit, passen eben hervorragend zusammen.