GC Kitzeberg: Ein Klassiker mit Nachhaltigkeits-Strategie

Die Atmosphäre eines Klassikers erhalten und die Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Anlage schaffen. Das ist die Herausforderung, vor der man im GC Kitzeberg steht – einem der ältesten Golfclubs Deutschland.

An einem schönen Herbsttag wird schnell klar, was diese Herausforderung so kompliziert macht. Im Oktober, wenn die oft über 100jährigen Bäume mit ihrem bunten Laub eine perfekte Kulisse für die Golfrunde bieten, beginnt für Head-Greenkeeper Wojciech Listopadzki eine kritische Zeit. „Jetzt im Herbst geht es darum, den Platz widerstandsfähig gegen Krankheiten zu machen“, erklärt er. Die Grüns werden noch mal mechanisch bearbeitet, gelüftet. Gleichzeitig müssen die enormen Laubmengen bewältigt werden. Die Schatten, die auf die Grüns fallen, werden immer länger. Sonnenlicht wird zur Mangelware. Nicht alle der 18 Grüns aber sind modern gebaut, schließlich setzt sich die Anlage aus einem alten Teil und einem neuen Bereich zusammen, der 2000 dazukam.

Stärkung der Pflanzen statt Pestizid-Einsatz

Die Bearbeitung der Flächen, die zum Großteil auf relativ nassem, lehmigen Untergrund liegen, ist deshalb nicht einfach. Vor allem dann nicht, wenn man wie im GC Kitzeberg nahezu komplett auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet. Für die neuen EU-Vorgaben, die ab dem Jahr 2024 ins Haus stehen, ist man damit anders als andere Anlagen bestens gerüstet. Gleichzeitig aber erfordert die Zurückhaltung bei den Spritzmitteln viel Wissen beim Greenkeeper: „Letztendlich ist es unser Ansatz, die Pflanze ganzjährig mit biologischen Mitteln zu stärken und sie damit widerstandsfähig zu machen“, resümiert Listopadzki der damit einen nachhaltigen und langfristigen Ansatz verfolgt, der in Zukunft für Golfanlagen extrem wichtig wird.

„Dieses langfristige Denken ist mir sehr wichtig“, erklärt Präsident Olaf Henningsen, der schon als Kind als Caddy im GC Kitzeberg aktiv war. Die Entwicklung des Clubs hat er über Jahrzehnte verfolgt. Der Golfer, so weiß er, will inzwischen eben nicht nur im Sommer in seinem Heimatclub aktiv sein, sondern so lange als möglich auch im Winter. „Der lehmige Boden hier wird gerade im Winter aber sehr schnell schlammig und rutschig“, stellt er fest. „Kitzeberg ist für den Winter nicht wirklich gemacht, das müssen wir leider erkennen. Dafür ist es hier im Sommer wirklich großartig, weil es hier keine Probleme mit zu starker Trockenheit der Fairways gibt.“ Kooperationen mit Clubs in der Umgebung könnten aus seiner Sicht eine Win-Win-Situation für mehrere Anlagen ergeben.

Die Stärken der eigenen Anlage erkennen und fördern, Ressourcen sparen und auf neue Technologien setzen – das sind für Olaf Henningsen die Punkte, mit der der Club aus dem Jahr 1901 fit für die Zukunft wird. So werden neue Greenkeeping-Maschinen so weit wie möglich in der Hybrid-Version gekauft, um den Verbrauch fossiler Energien zu senken. „Wir denken auch über die Installation einer Solaranlage nach, um in Zukunft selbst Energie zu erzeugen.“ Die Installation von E-Tankstellen mache eben dann besonders viel Sinn, wenn man diese sofort mit eigener Energie bedienen könne.

Reduzierung von Plastikmüll

Progressiv ist der Club auch beim Thema Plastik: „Plastikflaschen gibt es bei uns nicht mehr“, erklärt Clubmanagerin Simone Spindler, die stattdessen auf wiederauffüllbare Metallflaschen mit Clublogo verweist. Damit hat der Club das Thema Plastikmüll, eines der größten Probleme in der Golfszene, zumindest im Bereich der Gastronomie schon deutlich verkleinert.

Einfach sind solche Umstellungen nicht immer. Schritt für Schritt, so Henningsen, versuche man die Mitgliedschaft auf diesem Weg mitzunehmen. Dazu gehört auch die Teilnahme am Projekt Golf & Natur des Deutschen Golf Verbandes, die den Mitgliedern verdeutlicht, dass der Club in Sachen Qualitätsmanagement vorbildlich arbeitet.  Die Kommunikation der Maßnahmen spielt dabei eine wesentliche Rolle. Über dem Ballautomaten auf der Driving Range zum Beispiel hängt eine freundliche Notiz, die darauf hinweist, dass aufgrund der gestiegenen Energiepreise vorerst auf das Flutlicht verzichtet werde. Ein Beispiel mehr dafür, dass auch ein Club mit mehr als 120jähriger Geschichte zukunftsorientiert handeln kann.